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03.11.2011 Diese Seite ausdrucken

Ein Glück

dass Focus aufpasst. Die bekannte medizinische Fachzeitschrift aus München. Welche (Focus 42/2011, S 104) titelt "Vitamin-Risiko". Die Notiz beginnt mit

"Vitamin-E-Pillen erhöhen die Krebsgefahr. Eine Studie ... bei 35.000 Männern zeigt: Wer die Substanz zur Nahrungsergänzung schluckt, erhöht sein Risiko, an einem Tumor der Prostata zu erkranken, um 17%."

Tja. Bisher klang das anders. Bisher galt (J Natl Cancer Inst. 2006 Feb 15;98(4): Vitamin E verhindert das Prostatakarzinom um 71%. Gesichert in einer 8-Jahresstudie an 30.000 Männern. Noch einmal ganz langsam: Durch Vitamin E 71% weniger Prostatakarzinom. Bisher. Und in Focus wird - ganz neu - zitiert: 17% mehr Prostatakarzinom. Was nun?

Wenn es zu diesem Thema nicht eine ungeheure Masse an Untersuchungen gäbe. Gucken Sie mal News vom 27.10.2006 (www.drstrunz.de): Mit Vitamin E finden wir

  • 68% weniger Dickdarmkrebs
  • 30% weniger Blasenkrebs
  • 56% weniger Prostatakrebs
  • 40% weniger Blasenkrebs
  • 19% weniger Lungenkrebs
  • 22% weniger Dickdarmkrebs
  • 32% weniger Prostatakrebs

Alles bereits veröffentlichte Studien. Selbstverständlich in Focus nicht abgedruckt. Wäre ja eine gute Nachricht. Würde den Menschen ja helfen. Nein, nein - deutscher Journalismus wartet und wartet geduldig auf das Böse. Und das wird dann abgedruckt.

Wie es zu dieser neuen Studie kam? Interessant! Das ist nämlich keine neue Studie. Sondern eine alte (SELECT), veröffentlicht in Jama Januar 7 2009. In der damals ausdrücklich festgestellt wurde, dass Vitamin E eben keinen Prostatakrebs macht.

Nun hat man die Patienten weiter verfolgt. Von 2009 bis 2011. Und jetzt gilt das Gegenteil. Liest man penibel nach, findet man, dass damals in der Vitamin-E-Gruppe absolut (!) 0,63% mehr Prostatakrebs auftrat. Gilt nicht. War nicht statistisch signifikant.

Und 2011 hatte die Zahl etwas zugenommen: Statt 0,63% jetzt 1,04% (absolut). Das ist gerade statistisch signifikant. Rechtfertigt eine neue Publikation. Und die findet prompt ihren Weg in Focus und andere deutsche Zeitschriften (FAS 23.10.2011).

Das erste Ergebnis 2009: "Vitamin E macht keinen Krebs" oder sämtliche positive Studien der Vergangenheit waren keiner Erwähnung wert. Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

PS: Die alte, die SELECT-Studie, wurde damals schon weltweit angezweifelt. Weil die allem widersprochen hat, was man bisher wusste.

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