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16.08.2012 Diese Seite ausdrucken

Das Will-Rogers-Phänomen

Findet sich besonders typisch in der Medizin. Spiegelt uns Erfolg vor, wo gar keiner ist. So die bemerkenswerte Aussage (im Bestseller "Der König aller Krankheiten"), dass in Deutschland immerhin 50% aller Krebsfälle geheilt werden. Eine ja außerordentlich tröstliche Aussage für jeden, den es betrifft.

Dahinter steckt das Will-Rogers-Phänomen. Eine Täuschung. Denn Tumore werden üblicherweise in 4 Entwicklungsstadien eingeteilt:

Bei den kleinsten und am besten therapierbaren Tumoren spricht man vom Stadium 1; bei den schlimmsten vom Stadium 4. Entsprechend ist die Überlebenschance für Stadium-1-Patienten am größten, für Stadium-4-Patienten am geringsten.

Nun kommen - glücklicherweise - jedes Jahr neue Verfahren auf den Markt, die eine immer genauere Krebsdiagnose ermöglichen. Die Folge: Es werden bereits winzigste Tumoren entdeckt, die früher keinem Arzt aufgefallen wären.

Die Folge: Patienten, die früher - fälschlicherweise - als kerngesund galten, werden nun dem Stadium 1 zugerechnet. Automatisch steigt die durchschnittliche Lebensdauer der Stadium-1-patienten an. Ein großartiger Therapieerfolg?

Mitnichten. Nur eine Verschiebung der Stadien. Für mich besonders eindrücklich die massiv ansteigende Anzahl von Hautkrebsen. Und zwar dem Basaliom, dem gutartigen Hautkrebs (sollte man immer dazu sagen, liebe Kollegen). Ursache eindeutig übermäßige Sonnenbestrahlung.

Dieser gutartige Hautkrebs wird einfach weggeschnitten. Es finden sich hier nie bösartige, aggressive Metastasen. Mit dem Herausschneiden des Hautfleckes ist der Mensch geheilt. Und das heißt dann: Siehe oben, Zitat aus dem Bestseller "Der König aller Krankheiten".

Bitte, lassen Sie sich keinen Sand in die Augen streuen. Das Thema ist zu ernst. Ernst deshalb, weil wir heute präzise wissen, wie man Krebs eben nicht bekommt. Ganze Völker haben es uns vorgelebt. Die Tierwelt sowieso.

Quelle: Dobelli, wer sonst. Seine "Die Kunst des klaren Denkens" ist lesenswert.

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