„Mythos Krebsdiät“, „Plötzlich wird’s wichtig“, Gentechnik und andere Grundfragen

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Thema „Mythos Krebsdiät“, „Plötzlich wird’s wichtig“, Gentechnik und andere Grundfragen

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Veröffentlicht von: Wolfgang B.
Beiträge: 819
Angemeldet am: 09.12.2008
Veröffentlicht am: 23.09.2014

Herbert, hast du den Anfangstext alleine geschrieben - so viele überflüssige Worte!

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Veröffentlicht von: Stefan B.
Beiträge: 11
Angemeldet am: 04.08.2014
Veröffentlicht am: 22.09.2014

Sorge dich nicht, wie lange du lebst, sondern wie du lebst....... Grüße an alle Philosophen.

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Veröffentlicht von: Hans K.
Beiträge: 141
Angemeldet am: 25.08.2014
Veröffentlicht am: 19.09.2014

Was Maßhalten angesichts der beginnenden Wies'n bedeuten kann, sollte (fast) jeder/m bekannt sein. Diese Erkenntnis in den Beitrag ganz zwanglos mitassoziiert hat mich selber heiter gemacht. Ansonsten halt viele Worte. Und nicht nur die Philosophen können das, auch die Soziologen sind wahre Könner in der Disziplin der Wortm.........n

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Veröffentlicht von: Maritta R.
Beiträge: 375
Angemeldet am: 20.01.2009
Veröffentlicht am: 19.09.2014

Ja Thorsten, genau so funktioniert ein Forum. Und auch deine Nachricht/Moderation vier Seiten. @Michaela Ich hab meine Antwort unter mental eingestellt.

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Veröffentlicht von: Hans K.
Beiträge: 141
Angemeldet am: 25.08.2014
Veröffentlicht am: 18.09.2014

Hallo Thorsten, kurze Frage: Wie kann ich einen Beitrag nicht zu lesen brauchen, wenn ich dessen Inhalt noch garnicht kenne? -Und schwupps ist es zu spät..., also so etwas wie ein Circulus vitiosus.

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Veröffentlicht von: Stefan W.
Beiträge: 55
Angemeldet am: 11.06.2013
Veröffentlicht am: 18.09.2014

Hallo Thorsten S., auf der anderen Seite gilt: Wer einen Beitrag schreibt oder Diskussionsfaden startet, muss auch mit Feedback darauf rechnen. Wer keinen Spass an diesem gelegentlichen Feedback hat, sollte den betreffenden Beitrag ignorieren... :)

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Veröffentlicht von: Herbert A.
Beiträge: 33
Angemeldet am: 08.07.2013
Veröffentlicht am: 18.09.2014

Ich weiß nicht, liebe Freunde, ob das Thema, der Inhalt, wirklich so schwer zu fassen ist. Das Forum ist nämlich voll davon. Körperliche und geistige Krankheiten in allen Spielarten – Leid also, vom Fußpilz bis zum Haarausfall, vom Brustkrebs bis zum Tinnitus, kreuz und quer durch den Körper (und die Seele gleich mit). Probleme, überall nur Probleme. Pardon, ich möchte mich hierüber keineswegs lustig machen. Es ist nur mein Zorn, nichts als mein Zorn, manchmal. Aber immerhin: Wir leben, halbwegs jedenfalls, haben zumindest begriffen, dass hier etwas gewaltig nicht stimmt – und haben inzwischen sogar eine Ahnung davon, dass Besseres möglich ist. Ein neuer kategorischer Imperativ! Wann endlich hören wir auf mit den dummen Kompromissen, der falschen Rücksichtnahme, der ach so bequemen Anbiederung an die Haltungen und Gepflogenheiten einer missratenen Welt? Oder ist sie nicht missraten? Nehmen wir nur die Alltagsschlagzeile, die ich kürzlich zitierte. Das Bild, das sich mir aufdrängt, ist ein Kabelbaum, bei dem die Stecker fehlen. Anschluss gesucht! Der Zentralbegriff, um den es mir geht, individuell wie gesellschaftlich, heißt: Maß. Ins Praktische übersetzt heißt es Maßhalten. Eines der unbekanntesten Fremdwörter, gewiss nicht nur in unserer Zeit, aber vor allem heute, in Zeiten der Globalisierung. Anders übersetzt heißt es „ortho“. Man darf sich dabei gern des Griechischen erinnern. Und man glaubt es kaum, sogar der Duden, die Sprachhure, assoziiert damit so etwas wie „aufrecht, gerade, richtig, gerecht, wahr“. Wirklich sehr ambitioniert, nur findet man’s im Leben so selten. Aber nein, es gibt ja die orthomolekulare Medizin, eine unglaubliche Errungenschaft, Wissenschaft. Freilich sind Grundlagenforscher wie Warburg auch schon lange tot. Zum Glück ist Dr. Strunz in Nietzschescher Manier das Wagnis des Denkens und konsequenten Handelns eingegangen. Auch ihm war das nicht in die Wiege gelegt. Umso mehr Respekt! Jawohl, wir alle hatten eine verdammt schlechte Kinderstube. Dies ist und bleibt eine Schande – bis auf weiteres jedenfalls. Was Maßhalten konkret heißt (heißen muss), ist eine spannende Frage, die logischerweise keinen Lebensbereich auslassen darf (wobei ich davor warnen würde, den Begriff vorschnell mit Bescheidenheit zu assoziieren). Sie lässt sich natürlich nur vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen, uns an Leib und Seele immer kränker machenden Maßlosigkeiten (Plural, leider!) klären. Man braucht sich hier aber nicht zu verzetteln. Ich glaube, es lohnt sich, ein wenig zurückzublicken. Nehmen wir den Menschenkenner schlechthin, Shakespeare: „Life is but a walking shadow; a poor player, / That struts and frets his hour upon the stage, / And then is heard no more: it is a tale / Told by an idiot, full of sound and fury, / Signifying nothing.“ Das Drama schließt mit den Worten: „We will perform in measure, time, and place.“ (Macbeth, V., V., 24-28) bzw. V, IX, 39) Das Zitat ist 400 Jahre alt, und wer einen weiteren Beleg wünscht, kann zu Hamlet greifen („the time is out of joint“ – die Welt ist aus den Fugen). Die schwachsinnigen Ignoranten, die Hampelmänner auf der Bühne, sind seitdem nicht ausgestorben, die Täuschungen und Lügen nicht weniger geworden, und die in den letzten Zeilen postulierte Hoffnung auf eine neue, intakte Ordnung („We will perform in measure, time, and place“ – wir werden Maß halten, immer und überall) klingt lachhaft in Zeiten monströser Maßlosigkeit. P.S. betr „Tatsachen“: Es geht mir hier ja nicht um juristisch-positivistische Tatbestände, sondern um phänomenologische Hermeneutik, wenn ich das (arroganterweise??) so sagen darf, mehr um die Ebene der Vernunft, als um die des funktionellen Verstandes. Beides gehört zu den Bordmitteln, die wir in Relation zur Objektivität – dem Sein – zur Verfügung haben. Andere oder bessere Instrumente haben wir keine im Rahmen unserer limitierten „Ek-sistenz“. Ja, „Interpretation als eigene Wahrheit“ passt sehr gut, gut auch der Vergleich mit der Festplatte. Auch „Ruhe suchen“, sich abkoppeln – wunderbare, hoch vernünftige Strategien, die doch viel mit Askese zu tun haben, oder nicht? Und wenn Dr. Strunz die Tiefenentspannung erklärt: Fühlt man sich da nicht an Rousseau und dessen „Bekenntnisse“ erinnert?

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Veröffentlicht von: Michaela W.
Beiträge: 1653
Angemeldet am: 19.11.2008
Veröffentlicht am: 17.09.2014

Maritta, Du siehst das anscheinend auch wie die Huna? The world is what you think it is. Danke Jörg, für die Anregung. Meditation ganz einfach erklärt, und auf den Punkt gebracht. Wunderschön! LG, Michaela

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Veröffentlicht von: Maritta R.
Beiträge: 375
Angemeldet am: 20.01.2009
Veröffentlicht am: 16.09.2014

Herbert, eine Nachricht hat immer vier Seiten Die Sachebene und die Appellebene übersetze ich mit Botschaft, die ich natürlich in jeder Kommunikation suche. Tatsachenfeststellung hat nichts mit Wahrheit zu tun? Nichts mit Interpretation als eigene Wahrheit? Ich habe kürzlich in einem Buch einen Satz gefunden: "Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist, sondern wie WIR sind." Jeder hat doch seine eigene Festplatte mit eigenen Programmen, mit denen er die Welt sieht. Was machst du mit den Erkenntnissen derer, die mehr verstanden als wir? Ich will mir keinen Knoten ins Hirn machen, um zu verstehen. Dr. Strunz schätze ich auch ob seiner einfachen bildhaften Sprache, mit der er das Leben malt. Ja und auch wegen der Gebrauchsanweisungen. Ob sie auf mich passen, ist dann meine Wahrheit. Das hat für mich nichts mit funktionalistischem angepasstem Denken zu tun.

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Veröffentlicht von: Stefan W.
Beiträge: 55
Angemeldet am: 11.06.2013
Veröffentlicht am: 16.09.2014

Ich muss Hubert L. hier zustimmen. Warum wird Dr. Strunz gern gelesen? Weil er mit seiner Sprache die Menschen erreicht, weil er sich nicht mit besonders hochtrabenden Worten ins rechte Licht ruecken moechte, sondern einfach und klar seine Message rueber bringt...

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Veröffentlicht von: Hans K.
Beiträge: 141
Angemeldet am: 25.08.2014
Veröffentlicht am: 16.09.2014

Bitte Herbert A., sag mir in einfachen Worten, was du eigentlich mitteilen willst - Danke!

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Veröffentlicht von: Hubert L.
Beiträge: 268
Angemeldet am: 02.06.2005
Veröffentlicht am: 16.09.2014

Klingt für mich nach "Worthülsen". Viele Worte, wenig Inhalt. Mit gordischen Gedanken Knoten Kann ich nix anfangen...Sorry

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Veröffentlicht von: Herbert A.
Beiträge: 33
Angemeldet am: 08.07.2013
Veröffentlicht am: 15.09.2014

Eine kleine Anmerkung, um Missverständnisse zu vermeiden: Ich weiß, man erwartet ständig Botschaften, Handlungsanweisungen, klare Ansagen. Es ging mir aber gerade nicht um funktionalistisches, angepasstes Denken. Hinter die Begriffe Effizienz, Effektivität und Wahrheit kann ich in diesem Zusammenhang nur dicke Fragezeichen setzen. Vor allem hinter „Wahrheit“, den wohl schillerndsten, schwierigsten Begriff überhaupt. Und auch hinter „Polemik“, ein anderes Wort für ideologisches Lagerdenken. Mir geht es um Tatsachenfeststellungen (Erkenntnis, sicherlich subjektiv) im Zusammenhang der großen Themen des Lebens, orientiert an Menschen, die offenkundig bereits mehr verstanden als wir. Weder leugne ich Funktionserfordernisse, noch verteufle ich Systeme (Ordnungen). Natürlich muss die eigene Existenz irgendwie auf den Punkt gebracht werden. Konsequenz und Disziplin sind nach meiner Erfahrung durchaus freudvolle Begriffe, pure Motivation, solange sie unter dem Anspruch besten Wissens und bester Erkenntnis stehen. Praxis allein wäre ohnehin unmöglich, und sie ist in ihrer kurzschlüssigen Form absolut gefährlich. Luhmann war ein Systemtheoretiker ersten Ranges; Apologet war er nicht. Rilke ist in seinen Elegien gerade nicht auf das Ziel losgeschossen, sondern umkreist das Thema tentativ, dialektisch, repetitiv, eigentlich ein Leben lang. Insofern bleibt er jedoch immer ein Fremder im Leben, ähnlich wie Kafka oder Melvilles Bartleby. Weltschmerz ist Stressreaktion. Wo bleibt die positive, selbstbewusste Aktion? Zur Veranschaulichung der Qualität unseres öffentlichen Diskurses nehme ich einfach einmal eine Schlagzeile, die mir im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt soeben ins Auge springt: „Menschen mit Bildung töten mit Raketen“. Ein simpler Aussagesatz, der tief blicken lässt.

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Veröffentlicht von: Michaela W.
Beiträge: 1653
Angemeldet am: 19.11.2008
Veröffentlicht am: 12.09.2014

Das ist eines der Huna-Prinzipien.

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Veröffentlicht von: Maritta R.
Beiträge: 375
Angemeldet am: 20.01.2009
Veröffentlicht am: 08.09.2014

Als Maß der Wahrheit eher Effektivität. "Das Richtige tun." Wenn dann noch effizient, umso besser. "Das Richtige richtig tun." Ich fand Michaelas kurzen Kommentar wohltuend nachdem ich mich mühsam durch einen polemischen Beitrag gelesen hab u am Ende nicht wirklich wusste, was ich damit anfangen soll Hier liegt die Effizienz wohl im Auge des Betrachters.

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Veröffentlicht von: Thorsten St.
Beiträge: 590
Angemeldet am: 04.06.2014
Veröffentlicht am: 04.09.2014

Effektivität oder Effizienz? Mit Kanonen auf Spatzen schießen ist effektiv, aber nicht effizient...

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Veröffentlicht von: Michaela W.
Beiträge: 1653
Angemeldet am: 19.11.2008
Veröffentlicht am: 03.09.2014

Effektivität ist das Maß der Wahrheit.

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Veröffentlicht von: Herbert A.
Beiträge: 33
Angemeldet am: 08.07.2013
Veröffentlicht am: 02.09.2014

Ein paar weitere, ganz unmaßgebliche Betrachtungen: Eure Kommentare kann ich nur unterstreichen. Wichtig vor allem: nicht missionieren. Allein der Gedanke ist monströs und widerwärtig – unterbelichtete, unentwickelte Individuen mit Dominanzansprüchen und Raumforderungen. Ein A. von Humboldt wiegt jedoch tausend Napoleons auf. Bildung ist das genaue Gegenteil von Mission, insbesondere in ihrer Ausprägung Philosophie, speziell Hermeneutik. In die Praxis übersetzt heißt die (gar nicht zu umgehende!) Forderung: Vorbild sein. Der bisherige Zivilisationsprozess ist eine bittere Erfahrung, wenn man harte Maßstabe anlegt. Aber das ist Analyse und muss sich nicht, darf sich nicht in sinnlose Kämpfe und persönliche Frustration übersetzen. Jeder Mensch braucht Gemeinschaft, emotional und geistig, aber daran ist prinzipiell doch gar kein Mangel. Wer die andere, positive Welt mit ihren Möglichkeiten und Horizonten kennt, wird die Dumpfheit und Stumpfheit der Masse nicht nur nicht vermissen, sondern wird froh sein, ihr entronnen zu sein. Das ist zumindest mein ganz persönliches Empfinden. Ich denke an Hesses Steppenwolf und den Geruch der gewachsten und gebohnerten Stiege des Kleinbürgerheims. Heimelig vielleicht, Heimat ist es nicht und wird es nie sein. Die Literatur bietet einen einzigartigen Zugang zum Leben, zu den Menschen. Da wird alles beispielhaft abgehandelt. Man lernt viele Leben kennen, in allen Facetten, und hat so die Chance, die eigene Existenz besser glücken zu lassen. Mehr geht nicht, in so kurzer Zeit. Doch die eigene Entwicklung ist außerordentlich spannend – und wiederum exemplarisch im Großen. Dass dumme Menschen zufriedener seien, glaube ich schon lange nicht mehr. Ihr Lebensgefühl reicht ja nur von Totstellen bis zu den sprichwörtlichen kleinen Freuden. Das Schlimmste am Umgang mit ihnen ist, dass sie erkennbar mit sich selbst nicht zu Rande kommen. Nie genug, nie zufrieden, nie beseelt, nie souverän, nie konsequent, nie treu. Und schon gar nicht gesund. Eigentlich unerträglich. Glück ist das auf keinen Fall. Man darf auch behaupten, dass Literatur im engeren Sinn einen abnehmenden Grenznutzen hat, Philosophie hingegen eher nicht. Man braucht ja nicht alle Bücher eines Martin Walser gelesen zu haben, um zu verstehen, dass hier der menschliche Mangel (um nicht zu sagen: Makel) in allen Formen durchdekliniert wird. Man spürt diese Realität doch sowieso jeden Tag. Strenggenommen genügt von Walser das kleine Bändchen „Aus dem Wortschatz unserer Kämpfe“ (1971). Nach 57 großzügig bedruckten Seiten ist man bestens informiert, sodenn es dieser Information noch bedarf. Ein faszinierendes Werk ist demgegenüber R. Vollmanns „Die wunderbaren Falschmünzer. Ein Roman-Verführer 1800 bis 1930“. Das Wichtigste im Leben ist, so scheint mir, das Beharren auf der eigenen Positivität. Also nicht nur Theorie, sondern Praxis. Nicht Lenin, sondern Ghandi. Ich will noch kurz ein klassisches Beispiel anführen: Goethe, eine Verkörperung des Glücks. Für ihn war die Welt positiv, weil er es so wollte (und konnte), indem er sich beschränkte. Safranski und Muschg zum Beispiel beschreiben sehr erhellend, warum das so war und welch großen Nutzen wir davon haben. Freilich hat Goethe unbestreitbar einen hohen Preis dafür bezahlt: Horizontverengung. Arno Schmidt, ein „Gehirntier“ sondergleichen (Schriftsteller, Übersetzer und leidenschaftlich logarithmierender Mathematiker), hat ihm nachvollziehbar den Prozess gemacht („Wundertüte. Eine Sammlung fiktiver Briefe“). Für fundamentale Probleme des Seins habe er sich überhaupt nicht interessiert; habe philosophisch viel zu früh resigniert, um sich umso „beruhigter dem vollen tüchtigen Leben widmen zu können“; habe sich mit Schein und „Wunschirrtümern“ zufrieden gegeben. Astronomie sei ihm unerträglich gewesen, und Mathematik „war auch so eine böse Lücke“. „Daß er zu glücklich war, das ist sein persönliches Pech, welches ihn menschlich verhätschelte, und so für die Nachwelt deklassierte; er kennt nur einen Teil des Lebens und der Welt, und zwar den kleineren: deswegen hat er der Mehrzahl der Menschen – Uns – wenig zu sagen! Klingt hart, wie?!“ Ja, ist harter Tobak und natürlich einseitig beleuchtet. Aber wahre Aussagen zeichnen sich dadurch aus, dass auch ihr Gegenteil stimmt (die Antithese ist logisch impliziert). Goethe leugnete den Tod (er wollte ihn nicht „statuieren“), um selber leben zu können – ein Trick, ein „Kunstgriff, viel Leben zu haben“, wie Muschg schreibt. Worauf ich hinaus will: Wir alle brauchen einen Trick, um uns durch die Fehlentwicklungen und Verflachungen des Lebens nicht beirren und sinnlos belasten zu lassen. Teilhabe ja, aber nicht auf Kosten der Individualität und des eigenen Lebens. Genau hier kommt ja, im Rahmen der Trias, der Pfeiler „Denken“ (Meditation, Konzentration, Achtsamkeit) ins Spiel. Wir sollten begreifen, dass wir Heutige erstmals über Möglichkeiten verfügen, gerade auch individuell, um Leid oder gar „Urleid“ neu zu definieren (zu „re-signieren“) und ein besseres Leben zu entwickeln. Mitleid allein kann es nicht sein. Es würde niemandem nützen. Ein Füllhorn des Geistes sind zum Beispiel die Aphorismen von Schopenhauer und – natürlich – Nietzsche. Schopenhauer: „Wer unter Menschen zu leben hat, darf keine Individualität unbedingt verwerfen. Hält er es anders, so tut er Unrecht und fordert die anderen heraus zum Krieg auf Tod und Leben.“ Ich bin der Auffassung, dass Individualisierung Natur- und Lebenszweck an sich ist, quasi genetisch bedingt durch den Luxus der Zerebralisierung. Warum sonst sollte sich der Mensch (der „Welt“ hat) vom Tier unterscheiden, das nur „Umwelt“ hat? Die gesellschaftliche Organisationsform, die Gruppe, ist lediglich ein Mittel im Sinne der Überlebenssicherung, als Bedingung der Möglichkeit. Die Ziele sind andere (höhere, geistige). Die Triebkraft ist das Individuum, nicht die Gruppe. Das beweist die Geschichte und im Besonderen die Anthropologie. Gibt es Gegenbeweise zu dieser These? Ich finde keine. Insofern ist Pessimismus ein Kurzschluss, auch wenn man zugeben muss, dass die Gattung das Format und inzwischen auch die Potenz hat, sich selber auszulöschen. Dann war dieser Versuch der Natur ein grandioses Fehlunternehmen. Kann schon sein. Aber ist es wahrscheinlich?

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Veröffentlicht von: Thorsten St.
Beiträge: 590
Angemeldet am: 04.06.2014
Veröffentlicht am: 27.08.2014

Hallo Herbert. Das waren sehr interessante und inspirierende Ausführungen. Allerding muss ich an einer Stelle wiedersprechen. "Die Welt verstehen und sich selbst. Klugheit und Urteilsfähigkeit erwerben. Stringenz und Konsequenz entwickeln. Werte (Orientierungen) erkunden, setzen, überprüfen und leben. Umorientieren, wenn sich Überzeugungen nicht bewähren, hier und jetzt im Leben. [...] All dies ist mit dem heute verpönten und provokanten Begriff „Bildung“ gemeint. Natürlich ist dieser Weg ein wenig anstrengend. Aber er ist ungemein beglückend. Und erfolgreich ist er überdies, das steht fest." Das verstehen von der Welt und sich Selbst, Bildung, ist sicher ein hehres Ziel. Ob es aber im Allgemeinen so ungemein beglückend ist, wage ich zu bezweifeln. Zu Verstehen, wie diese Welt läuft, oftmlas fehl läuft, ist allzuoft alles andere als beglückend. Sich aufgrund von Wissen und Erkenntnis (Bildung) vom Mainstream abzukoppeln, zu separieren, führt oft zu einem frustrierenden Kampf gegen Windmühlen; weil nicht zu gewinnen. Dieser Kampf führt genug zu einem Verlust an Lebensqualität. Viel wichtiger ist es, finde ich, sein Leben zu leben, so gut wie möglich den eigenen Überzeugungen und Prinzipien treu zu bleiben, Sich dabei aber nicht im Konflikt mit dem Mainstream aufreiben zu lassen. Ich bin überzeugt, dass dumme Menschen oftmals zufiedener leben. Nicht notwendigerweise auch besser, gesünder, glücklicher. Aber eben zufriedener; sich nicht so viele (negative) Gedankten machend, was alles schief läuft in dieser Welt (Überwachung, Einschränkung der Freiheitsrechte, Kriege, Konflikte, Politik, BER, S21, Gesundheit, Gesellschaft,...). Seit gut 25 Jahren habe ich meine eigene Philosophie zu dieser Welt und ihren Menschen: "Die Summe globaler menschlicher Intelligenz ist eine Konstante. Und die Weltbevölkerung wächst..." Ein Lichtblick, der das von Dir beschriebene Prinzip "Bildung" aber vollauf rechtfertigt, verfolgenswert und erstrebenswert macht, sind Leuchttürme, wie eben dieses Forum und seine Teilnehmer. Mit gesundem Egoismus an sich, seine Gesundheit und Fittnes denken. Sich darüber informieren und die Informationen, das gewonne Wissen in seine eigene Lebensweise nutzbringend (Verbesserung der Lebensqualität) integrieren und mit Gleichgesinnten / Interessierten teilen und austauschen. Nicht missionieren, sondern informieren und Aufklären; ein positives Beispiel sein, dem andere bereitwillig und interessiert zuhören und folgen wollen. Schlussendlich hast Du doch Recht: "“Bildung“ [...]. Natürlich ist dieser Weg ein wenig anstrengend. Aber er ist ungemein beglückend. Und erfolgreich ist er überdies, das steht fest." Zumindest, wenn man sieht, dass es Gleichgesinnte gibt, man nicht auf verlorenem Boden kämpft.

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Veröffentlicht von: Heiko G.
Beiträge: 3
Angemeldet am: 09.12.2013
Veröffentlicht am: 27.08.2014

Wow und bravo, Ihr Beitrag hat mich gepackt. Stimmt mit meiner „gegenwärtigen“ Sichtweise überein. Insbesondere, dass wir mit uns selbst alles andere als identisch sind, Außenwelt/ Verstandeswelt und die Innenwelt/Sein-Bewusstsein. Frei nach E. Tolle und anderen „sind“ wir (einfach) und sollten gegenwärtig entscheiden, welche Wege/Lebensstile wir „jetzt“ wählen; nicht rückwirkend aber auch nicht zukünftig. Danke dafür!

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