Gluten

16.07.2012
Drucken
 

Unser täglich Brot gib uns heute. Einer unserer tiefsten Glaubenssätze. Ein mitdenkender Mensch würde einmal im Originaltext nachschlagen. Da stand nicht Brot. Kleiner Irrtum mit extremer Auswirkung: Unsere Zivilisationskrankheiten. Vom Krebs bis zum Herzinfarkt.

0,5% unserer Bevölkerung weiß hier ganz genau Bescheid. Das sind die Menschen mit Sprue. Mit Zöliakie. Unverträglichkeit von Gluten. Dem Getreidekleber Eiweiß. Daran kann man sterben. Der Dünndarm wehrt sich massiv gegen Getreide, die Dünndarmzotten, die wir zur Aufnahme von Nahrung brauchen, verschwinden völlig (so etwas hab ich mir an der Uni unter dem Mikroskop angeguckt) und der Darm kann dann lebensnotwendige Nährstoffe wie Fette, Vitamine, Mineralien nicht mehr aufnehmen. Sieht man den armen Betroffenen an.

Abhilfe: Gift weglassen. Kein Gluten mehr essen. Es gibt ja inzwischen ganze Industrien, die gluten-freie Kost herstellt. Wenn man genau hinguckt, etwas völlig Irres. Eine Industrie, die sich auf normale Kost zurückbesinnt. Heißt doch: Was uns täglich angeboten wird, ist krankmachend.

Denn Weizen war für die Ernährung des Menschen nicht vorgesehen. Nie. Die Natur weiß um die Gifte in der Nahrung.

Jetzt kommt's: Während ich Ihnen (hartherzig) rate: "Null Kohlenhydrate", also kein Mehl und Zucker, haben andere Ärzte mehr Mitleid mit Ihnen. Und empfehlen Ihnen kohlenhydratarmes Brot.

Nehmen also Rücksicht auf Ihre Schwäche. Brot muss sein. Wie soll ich die Wurst denn sonst hinunterbekommen? Solch ein Arzt ist Dr. Pape. Sie erinnern sich: "Schlank im Schlaf". Ein höchst verdienstvoller Mann. Der unendlich vielen Menschen geholfen hat, ihr Gewicht zu reduzieren. Wenn auch - Kritik - mit abenteuerlichem Herumgeeiere: Früh und mittags massiv Kohlenhydrate, zur Nacht null. Nun ja.

Und der hat soeben bei Kerner ein Rezept empfohlen für dieses kohlenhydratarme Brot. Kann man ja inzwischen auch kaufen. Wissen Sie, womit dieses Rezept beginnt? Mit

250 g Weizengluten

Will sagen: Viele (nicht alle) dieser Spezialbrote beruhen ganz massiv auf Weizenkleber. Auf Gluten. Auf genau dem Stoff, der jetzt immer mehr Deutsche schädigen wird.

Denn es ist nicht so, dass man Gluten entweder problemlos verträgt oder aber an Zöliakie leidet. Der Prozess des Grades der Unverträglichkeit ist stufenlos. Die Dosis macht das Gift! Inzwischen finde ich bei jedem zweiten meiner Patienten eine mehr oder weniger ausgeprägte Form der Glutenunverträglichkeit mit typischen Symptomen (Blähbauch, Durchfall, Energielosigkeit, Müdigkeit).

Beweis? Lassen Sie das Brot weg. Lassen Sie Gluten weg. Nach 4 Wochen wissen Sie Bescheid.

Kohlenhydratarmes Brot scheint mir - leider, leider - oft ein übler Kompromiss. Man nimmt Rücksicht auf Ihre Schwäche und treibt den Teufel mit dem Beelzebub aus. Mit Gluten.

Glauben Sie der Natur. Glauben Sie meinen Rehen: Die hab ich zum Frühstück selten Marmeladebrötchen mampfen sehen.

Falls interessiert: Drage S et al.: Gliadin, zonulin and gut permeability. Scand J Gastroenterol;41(4):408-19:2006

 
 
 

News Schlagwörter