100 Jahre Fortschritt

13.08.2013
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1907 fällt in das Jahrzehnt der Genies. Die bahnbrechenden Arbeiten Einsteins stammen aus diesen Jahren. Um ihn herum hunderte, ja tausende außerordentlich kluge Wissenschaftler. Nobelpreise sogar für Deutsche. Jahrzehnte des Aufbruchs, des neuen Weltverständnisses, der Physik und der Chemie. Später dann abgelöst von der Biologie (DNA etc.).

In genau dieser Zeit, nämlich 1907 erschien auch das „Illustrierte Universalkochbuch für Gesunde und Kranke“ von Lisa Morgenstern. Dort lesen wir (12. Auflage, Seite 601) den klugen, durchdachten, erprobten Geheimtipp für Dicke. Die ihr Gewicht reduzieren wollen.

Formuliert, wohlverstanden, von Menschen, die nachgedacht haben. Die hingeguckt haben. Die es selber ausprobiert haben. Die also nicht sich vom Fernsehen berieseln lassen Tag für Tag, die nicht in Talk-Shows dahergeschwätzt haben, sondern die sich ernsthaft und seriös mit der Materie beschäftigt haben. Siehe Einstein. Wir lesen also

Diät für Fettleibige Dieselben müssen sich aller Kohlenhydrate oder Fettbildner enthalten, dürfen also nichts genießen, was Stärkemehl und Zucker enthält.“

Das war 1907. 2013 fordert die halbstaatliche Deutsche Gesellschaft für Ernährung die zunehmend überfettete deutsche Bevölkerung auf, zur Gewichtsabnahme doch unbedingt Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Mit dem kleinen, zunehmend unverständlichen Schlenker: Natürlich Vollkorn.

2013, also über 100 Jahre später, sieht die deutsche Diabetesgesellschaft, eine grundseriöse Vereinigung, keinen Grund, weshalb massiv übergewichtige Diabetiker sich in irgendeiner Form bei Kohlenhydraten einschränken müssten. Sieht sie nicht. Alles nachzulesen.

Resultat? Von den gleichen Gesellschaften bejammerte explosionsartige Zunahme von Diabetes und Übergewicht. Kurz einhalten? Überdenken? Fehlanzeige.

Das wirklich Schlimme ist etwas ganz anderes: Wissenschaftler werden definiert nicht durch Nachplappern irgendwelcher Bücher, sondern durch das Experiment. Man kontrolliert seine Aussagen, indem man sie „am Patienten“ überprüft. Und da kann man ohne weiteres einmal bei sich selbst anfangen, liebe Gremien-Vorsitzende:

Jeder von Ihnen könnte einmal eine Woche auf Mehl und Zucker verzichten. Und sich dann ganz verblüfft die Äuglein reiben… Eine einzige Woche genügt.

Aber das hatte wie ja alles schon bei Galileo Galilei und dem Papst. „Ich soll durchs Fernrohr gucken? Daraufhin möglicherweise mein Weltbild ändern müssen? Ich denke gar nicht daran“.

Fazit: Für Ihre Gesundheit, für Ihr Lebensglück sind einzig und allein Sie selbst zuständig. Hören Sie zu, denken Sie kurz nach und probieren Sie es einfach aus.

 
 
 

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