28 Jahre

25.05.2016
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Wissenschaftlich gesichert ist die Tatsache, dass es im Schnitt 28 Jahre braucht, bis eine medizinische Entdeckung schlussendlich in der Arztpraxis ankommt. Heißt in meiner Sprache: 28 Jahre überflüssiges Leid der Patienten. Weil der Doktor die Zeit nicht hat, um gleich zu lesen.

Manchmal dauert ´s nur 27 Jahre. Erfreulich. Schickt mir einer von Ihnen soeben einen Prospekt zu. Den er von der Apotheke bekommen hätte. Der Prospekt handelt von:

  • Diabetes mellitus
  • Durchblutung
  • Arginin

Erinnern Sie sich? Für Arginin, für das Prinzip dahinter gab es 1989 den Nobelpreis. Vor 27 Jahren. Und heute lesen wir im Apothekenprospekt:

    „Arginin ist ein natürlicher Eiweißbaustein. Auf Grund der modernen Ernährung leiden wir fast alle unter einem Arginin-Mangel“, erklärt Prof. Dr. H. Robenek vom Uniklinikum Münster.

Na, sowas. Wir leiden am Arginin-Mangel? Einem Eiweißbaustein? Eins weiß ich ganz genau: Der Deutsche isst zu viel Eiweiß. Viel zu viel. Warnt uns die DGE ja nun seit Jahrzehnten. Und jede verantwortliche Diätassistentin schlägt in die gleiche Kerbe. Möchte uns das Fleisch einschränken. Weil für diese Damen und Herren Eiweiß oft das gleiche ist wie Fleisch.

Seltsam.

Warum nicht Eier, Fisch, Quark, Lupinen, Reiseiweiß, Soja? Die reden gewöhnlich über das Fleisch. Aber weiter geht’s.

    „Volkskrankheit Diabetes: Mit erhöhtem Blutzuckerwerten kommt es zu gefährlichen Ablagerungen in den Gefäßen, die Gefäßwände werden „verklebt“.

Und was kann man dagegen tun? Nun, Sie sind geschult. Kohlenhydrate streichen. Stimmt. Auch eine Lösung. Aber das wäre zu einfach. Also:

    „Eine aktuelle Studie liefert jetzt wichtige Erkenntnisse. Sie zeigt, dass die Einnahme der Aminosäure Arginin die Gefäßfunktionen und die Durchblutung stark verbessern… Die Gefäße weitet, die körpereigene Blutdruckregulation unterstützt, die Innenwand der Gefäße vor gefährlichen Ablagerung schützt.“

Ei der Daus. Da hätten wir ihn ja, den Wunderstoff. Von dem die gefäß-kranke Menschheit, also 50%, schon immer geträumt hat. Etwa 50% sterben ja an den Blutgefäßen. An der Verengung, an der Ablagerung, an der „Verklebung“. Arginin würde all das beheben.

Ganz unter uns: Scheint zu stimmen. Ziemlich gut.Manchmal stimmt etwas ja wirklich. Der Nobelpreis wurde nicht einfach so vergeben. Nur: Das war 1989. Diesen Apothekenprospekt gibt ´s heute, 2016.

Dann werden die Nobelpreisträger sogar zitiert: Und der „regulierende Botenstoff, nämlich NO“ (Ihnen bekannt) erwähnt und sehr richtig gewürdigt.

    „Da dieser Botenstoff (gemeint ist Stickoxid, NO) allein aus Arginin gebildet wird, ist damit letztlich Arginin der eigentliche Schutzstoff für unsere Gefäße.“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Kommt also das Fazit: Kennen Sie Ihren Arginin-Spiegel? Brauchen Sie Arginin? Oder hoffen Sie, wie die Mehrheit der Menschheit, dass „schon nichts passieren wird“. Etwa 50% der Deutschen sterben an diesem Irrtum.

 
 
 

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