Alkohol und Sport

07.07.2016
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Alkohol ist bei uns in Bayern ein Nahrungsmittel. Nennt sich Bier. In der übrigen Welt ist es ein Gift (Proc.Nutr.Soc. 2004; 63:81) oder eine Droge. Bei Drogen sollten wir ganz vorsichtig sein. Fast jeder von uns lebt mit einer. Also gilt hier der Leitsatz: Jeder Mensch darf sein eigenes Leben leben, solange er nicht dem Mitmenschen zur Last fällt. Auf den Wecker geht. In ausbeutet. Ihn sogar umbringt.

Daher brauchen wir über Alkohol im täglichen Leben nicht sprechen. Ich habe sehr wohl die Bilder glücklicher Südfranzosen oder Italiener vor mir bei ihrem täglichen Wein. Menschen, die entspannt alt werden. Das dürfte eines der Geheimnisse sein: Alkohol entspannt. Senkt Cortisol, das schädliche Stresshormon. Sollte damit auch Entzündungsstoffe an der Innenseite der Adern reduzieren. Und auf diesem Umweg sehr wohl gesundheitsfördernd wirken. Jedenfalls gibt es darüber genügend Studien, die sich bemühen, uns Alkohol als gesundheitlichen Vorteil zu verkaufen. Sollen sie.

Hier aber: Alkohol und Sport. Da sieht das Ganze anders aus:

  • Im Ausdauersport beeinträchtigen selbst geringe Mengen an Alkohol die Leistung (Sports Med. 2014; 44:909).
  • Bei kurzen, intensiven sportlichen Leistungen ist die Sachlage nicht so klar. Da aber auch hier kaum ein positiver Effekt zu erwarten ist, kann generell kein Alkoholkonsum vor- oder während einer sportlichen Leistung empfohlen werden.
  • Vor zwei Jahren sogar bewiesen: Alkohol beeinträchtigt den Aufbau an Muskelprotein nach sportlichem Training (PLoS ONE 2014;9: e88384).

Generell gilt: Moderate Mengen an Alkohol führen jedenfalls zu keiner besseren Erholung verglichen mit üblichen Regenerations-Maßnahmen. Und weil Alkohol

  • den Immunstoffwechsel
  • die Heilung von leichten Verletzungen

beeinträchtigen kann, ist Sportlern auch in der Erholungsphase von einem regelmäßigen Alkoholkonsum abzuraten.

Gemerkt? Auch bei diesem Zitat taucht das Wort „regelmäßig“ auf. Unregelmäßig, dazwischen immer einmal genossen, dürfte Alkohol keinerlei Problem sein. Auch nicht im Sport. Für mich gilt hier sowieso prinzipiell: Alkohol? Der ernsthafte Sportler verbrennt ihn.

  • Übersehen wird gerne der Einfluss von Alkohol auf den Schlaf. Auch beim Sportler. Genauer gesagt: Die Schlafqualität. Zwar stimmt es, dass Alkohol die Zeit des Einschlafens verkürzt, genauso stimmt aber auch, dass die zweite Hälfte des Schlafes und damit die gesamte Schlafqualität beeinträchtigt wird (ClinExp.Res. 2013; 37:539).

Bleibt in Summe die uralte Weisheit: Die Dosis macht das Gift. Das peinliche an diesem Satz ist die menschliche Neigung, die „Dosis“ immer nach eigenem Gutdünken zu verschieben. Meist in die falsche Richtung.

Deshalb gebe ich, gefragt als Arzt, lieber klare Richtlinien aus: No Alkohol. Genauso wie no carb. Wer länger mit mir plaudert, versteht, dass man mit diesem „no“ sehr wohl differenzierter umgehen kann.

Quelle: FITforLIFE 3-16, Seite 26

 
 
 

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