"Antioxidantien begünstigen Metastasen"

27.10.2015
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In regelmäßigen Abständen wird sie durchs Dorf getrieben, die neue Sau. Wieder einmal ist Obst und Gemüse schuld am Krebs. Dass die Natur uns so an der Nase herumführen kann… unbegreiflich.

Das Schlimme ist ja, dass Sie, liebe Leser, mir solche Horror-Botschaften zuschicken. In Hülle und Fülle. Aus verschiedensten Zeitschriften und Zeitungen. Immer das Gleiche: Eine neue Sensations-Studie. Die beweist, dass

Antioxidantien Metastasen begünstigen

Es genügt doch schon ein kurzer Blick in die Originalarbeit, um Ihnen zu zeigen, was hier abläuft. Immer das Gleiche. Lernen Sie wirklich nie? Können Sie nicht lesen? Nein, Sie können nicht.

Da geht es zunächst um Mäuse. Um genetisch veränderte Mäuse. So abstrus genetisch verändert, dass diese Mäuse sofort bösartigen Hautkrebs bekommen, wenn sie mit TAMOXIFEN bestrichen werden.

Erinnern Sie sich? Millionen Frauen schlucken Tamoxifen gegen Brustkrebs. Noch einmal: Gegen Krebs! Tamoxifen ist ein Heilmittel gegen Krebs, beim Menschen.

Und bei diesen verkrüppelten, genetisch kaputtgemachten Mäusen erzeugt Tamoxifen Hautkrebs.

Dann ist es kein Wunder, dass die Mäuse auf Antioxidantien wie NAC und Vitamin E genauso abstrus reagieren: Die Metastasen-Rate verdoppelt sich. Zwar nicht: Es entsteht Krebs. Nein, das nicht. Oder: Der Primärtumor wird größer. Nein, das nicht. Nur die Metastasen vermehren sich schneller. Dank dieser Antioxidantien.

Lassen wir mal ganz außer Acht, was wir über Lymphknotenmetastasen (um die handelt es sich hier) wissen: Dass es für die Überlebensrate von Krebspatienten völlig gleichgültig ist, ob man Lymphknotenmetastasen mit rausoperiert oder nicht. Kein Unterschied (bewiesen 2007). News vom 25.05.2009 www.drstrunz.de.

Kommen wir zurück zum Wirkmechanismus. Der wird wunderschön erklärt. NAC sowie Vitamin E würden Glutathion stimulieren. Anreichern. Glutathion ist ein körpereigener Stoff. Wohl verstanden: Keine Chemie, sondern wird im Körper selbst hergestellt. Und welch ein Wunderstoff Glutathion ist, hat uns schon Dr. Conrad vom Helmholtz Institut in München ausführlich erklärt (News vom 14.06.2011).

Glutathion ist der stärkste freie Radikalenfänger in der Zelle. Er entscheidet, ob Sie Krebs, Alzheimer, Parkinson usw. bekommen oder nicht. Je mehr Glutathion desto besser.

Bei diesen Krüppel-Mäusen das Gegenteil: Da wird mit NAC und Vitamin E Glutathion zwar erzeugt, aber das beschleunigt die Migration der Tumorzellen. Das Entstehen von Metastasen. Komische Mäuse.

Aber das steht in den Zeitungs-Artikeln natürlich nicht, die Sie mir zusenden. Da steht nur:

Antioxidantien begünstigen Metastasen

Lernen Sie nie? Lesen Sie nie? Antwort: Nö.

PS: In dieser Studie finden Sie ausdrücklich so Sätze wie:

  • Frühere Studien haben gezeigt, dass Antioxidantien Migration und Invasion von Melanomzellen und anderen Krebszellen in Kultur verhindert.
  • Andere Studien zeigen, dass Antioxidantien bei Mäusen mit Hautkrebs Tumorwachstum verhindert.
  • Und dass NAC ausdrücklich die Krebsentstehung (Mäuse, Melanom) verzögert (Lit. 29).
  • Und dass Vitamin C plus Vitamin E, also Antioxidantien,  die Entstehung von Hautkrebs bei Mäusen ausdrücklich verhindert. (Lit 28)

Aber das muss ein Journalist ja weder lesen noch zitieren. Muss er nicht. Der lebt vom Gag. (bleiben wir höflich).

Quelle: Science Translat Med. Org. 7. Okt. 2015 vol 7 Iss 308

 
 
 

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