Auf dem Teppich bleiben

18.06.2015
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Konnte auch ich nicht mit 20. Habe ich  - glaube ich – gelernt mit 70. Ein kleines bisschen Abstand. Ein bisschen mehr Vernunft, ein bisschen Gelassenheit.

Ist der Hintergrund, weshalb ich so – für viele von Ihnen merkwürdig – über die Klimakatastrophe schreibe. Eine Katastrophe!!! Weltuntergang!!! Die dramatischen Darstellungen allüberall in den Medien lassen mich ziemlich ungerührt. Drum kann ich auch mit etwas Abstand darüber nachdenken und finde immer wieder das Gleiche:

Da stimmt gar nichts. Aber wirklich nichts. Wer sich einmal ausführlich mit dem Zustandekommen der sogenannten Hockeyschlägerkurve beschäftigt hat… dem reicht‘s. Da wird Lüge an Lüge gereiht. Nicht etwa böswillig, oh nein: Immer aus dem gleichen Grund. Persönliche Eitelkeit. Da möchte jemand glänzen.

Was glauben Sie, weshalb wir immer noch Griechenland retten? Obwohl jeder von uns das Spiel durchschaut hat? Persönliche Eitelkeit. Da möchte jemand glänzen. Was glauben Sie, wer?

Zurück zur Klimakatastrophe. Finde ich bei Steinfest (bei wem sonst) das wunderschöne, jäh aufleuchtende Sätzchen:

„…und immer der Gesang der Vögel, diese musikalische Aufgeregtheit, dieses Jubilieren, ein wenig frech, ein wenig spitz, als wüssten sie, dass nicht die Vögel aussterben würden, sondern die Menschen.“

Kurz nachgedacht? Sie könnten auch Ameisen hinschreiben. Oder irgendwelche Pflanzen. Wir tun immer so, als ob wir, der Mensch, die Welt vernichten würden. Welcher Hochmut.

Wir vernichten uns. Stimmt. Aber dieser Globus, all die Milliarden Tiere und Pflanzen, die sind… unsterblich. Schon allein deshalb, weil sie im Hier und Jetzt leben. Und nicht – so wie wir – bemüht und eifrig hunderte oder tausende Jahre vorausdenken.

Viel beigebracht haben mir meine Kinder. Um die ich so besorgt war damals, als sie 3, 4, 5 Jahre alt waren. Und die mich heute, 20 Jahre später, einfach  nur… auslächeln. Höflich, gewandt, angenehm, ganz da oben dahinschreitend. Über mir. Will sagen: Abwarten ist eine hohe Kunst. Ich konnte es nicht. Aber vielleicht kann ich den einen oder anderen von Ihnen mit solchen Sätzen trösten.

Beispielsatz: Mit 40 Jahren wird er’s wohl dann können. Also was soll’s…

 

Quelle: Heinrich Steinfest: „Batmans Schönheit“, S. 108.

 
 
 

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