Aus dunklem Keller ins Licht

12.09.2013
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Wenn Sie der Hölle entkommen, wenn Sie von ganz unten kommend wieder Hoffnung schöpfen, wenn schlimmes Leid verschwindet und Sie beginnen, befreit durch zu atmen...dann werden Sie poetisch. Und zwar gekonnt. Dann fallen (für mich) unvergessliche Sätze. Lassen Sie mich einfach ein Geschichtlein erzählen:

Berichtet hatte ich Ihnen einmal von einer studierten Biologin aus Herne. Mit einer eigenen Firma. Die mindestens so viel weiß wie ich, und deshalb manchen von Ihnen als Heilpraktikerin hilft. Wirklich hilft. Und die schreibt mir soeben

von einer Patientin, die seit 2 Jahren ihren Alltag nicht mehr schafft, morgens zu schlapp zum Aufstehen ist, immer dicker wird, weil sie sich nicht mehr bewegen kann. Sie ist kreuzunglücklich, fühlt sich sterbenskrank und wandert seit 2 Jahren von Arzt zu Arzt.

Alles sei gecheckt worden. Ihre Blutwerte seien laut Arzt bestens, ihre Hausärztin hätte ihr geraten, einen Psychotherapeuten aufzusuchen...Als die Patientin dann vor mir sitzt, weint sie und sagt "ich bin doch kein Psycho, ich bilde mir das doch alles nicht ein".

Langer Rede kurzer Sinn: Vitamin D 16 ng/ml. Anzustreben, wie Sie wissen, ist aber 40-80. Die Patientin bekommt Vitamin D-Kapseln und nimmt täglich 20.000 IE (ja doch, so viel). Nach 5 Tagen ruft sie mich an und sagt mir folgenden wunderbaren Satz: "Ich habe das Gefühl, jemand hätte mir die Tür eines dunklen Kellers geöffnet, in dem ich 2 Jahre lang gefangen war. Ich fühle mich jetzt schon wieder, als könne ich Bäume ausreißen, wenn ich das jetzt noch 5 Tage weitermache, brauche ich keinen Gärtner mehr!"

Das war's eigentlich schon. Da wurde einem Menschen geholfen. Von einer klugen Biologin. Wohlverstanden: Weder von vielen Ärzten noch von der Hausärztin. Nur: Ganz so langweilig ist die Geschichte nicht gewesen, der spannende Teil kommt ja erst:

Die Biologin hatte gedrängt, dass doch bitte die Hausärztin den Vitamin D-Spiegel bestimmen möge. Von alleine wäre das nicht passiert. Und dann hätte die Hausärztin gesagt: "16 ng/ml ist völlig normal". Die Biologin klärt die Patientin auf: Viel zu tief. Sie möge bitte ein Vitamin D Rezept abholen. Und gibt der Patientin den entsprechenden Artikel von M. Holick aus dem New England Journal of Medicine mit. Und was passiert?

"Die Ärztin wirft einen kurzen abschätzigen Blick auf den Artikel und sagt: Ich orientiere mich nicht an Veröffentlichungen aus dem Internet. Ich richte mich nach den Grenzwerten meines Labors, und diese geben 4 ng/ml als untersten Normwert an. Sie haben keinen Mangel und deswegen bekommen Sie auch kein Rezept."

Das war's. Medizin in Deutschland. Kein Vorwurf: Wir, auch ich, haben das so gelernt. Das Problem ist das...dazulernen. Das tägliche neu lernen. Die geistige Beweglichkeit. Das "auch mal in eine wissenschaftliche Arbeit gucken". Erinnern Sie sich an Prof. Antes in Freiburg? Tun 80 Prozent nicht. Der hat natürlich völlig recht.

Hier erneut bewiesen. Aber lassen wir das. Holen wir uns noch einmal den wichtigsten Satz dieser Seite ins Gedächtnis: "Ich habe das Gefühl, jemand hätte mir die Tür eines dunklen Kellers geöffnet, in dem ich 2 Jahre lang gefangen war". Ach Kinder!

 
 
 

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