Aus Fehlern lernen

24.07.2013
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Ist eine zentrale Fähigkeit dann, wenn es darum geht, sich möglichst unbeschadet durch dieses Leben zu schlängeln, mit anderen Menschen zurecht zu kommen. Ist Voraussetzung für das ach so wichtige "Entschuldigen Sie bitte". Die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen ist - so neueste, experimentell bewiesene Erkenntnisse der Wissenschaft - gekoppelt an bestimmt Moleküle in Ihrem Gehirn, besonders an

Dopamin

Kennen Sie. Dopamin nenne ich ein Antriebshormon. Es hilft, Entscheidungen zu treffen. Ganz konkret: Der dynamische Jungmanager, der sich nicht in Meetings erschöpft, in Diskussionen erstickt, sondern Entscheidungen trifft, hat eben mehr Dopamin im Gehirn.

Dopamin brauchen Sie, um die Konsequenzen einer Handlung einzuschätzen (Quid quid agis, prudenter agas et respice finem). Also Konsequenzen einzuschätzen und aus Ihren Fehlen zu lernen.

Das wird, wie Sie wissen, mit wachsendem Alter immer schwieriger. Beginnt so etwa ab 20. Man wird ein bisschen starrer, man überlegt ein bisschen mehr, man grübelt, man wird... langsamer.

Abhilfe? Warum nicht einmal am Ort des Geschehens eingreifen? Weshalb nicht den Dopamin-Spiegel in Ihrem Gehirn anreichern? Genau das taten die Wissenschaftler des Wellcome Trust Center for Neuroimaging in London. Die haben bei 70jährigen die Entscheidungsfreudigkeit getestet. Kann man natürlich heutzutage sehr genau. Und haben den Teilnehmern, die am schlechtesten abschnitten, ein typisches Parkinsonmittel gegeben. L-DOPA. Erhöht den Spiegel von Dopamin im Gehirn. Verbessert die Aktivität und die Vernetzung der Nervenzellen.

Und hat prompt Entscheidungsfreudigkeit, Abschätzen der Konsequenz einer Handlung und die Fähigkeit aus Fehlern zu lernen verbessert.

Wieder mal eine Tablette. Wir brauchen das nicht. Wir bevorzugen die Kenntnisse der Molekularmedizin, nicht der Pharmaindustrie. Wir essen Dopamin.

Sie wissen, dass Dopamin direkt entsteht aus Tyrosin, und das wiederum direkt aus Phenylalanin. Eine essentielle Aminosäure. Die ich routinemäßig bei jedem von Ihnen messe. Und Sie - oft genug - rüge. Da fehlt der Antrieb, die Entscheidungsfreudigkeit, so schreibe ich Ihnen.

Darf ich noch mal rügen? Wozu habe ich eigentlich den Artikel über den Falkland-Krieg geschrieben? Die Bomberpiloten, 24 Stunden in der Luft, die mussten wach und voll konzentriert sein. Die mussten in Sekundenbruchteilen entscheiden! Die bekamen Phenylalanin im hohen Grammbereich. Hatten also viel Dopamin im Gehirn. Kriegsmedizin ist weiter. Längst.

 

 

 

 

 

 
 
 

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