Bemerkenswert ehrlich…

10.06.2016
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...beginnt eine Studie aus der Psychiatrie, Uni Krakau, Polen. Beginnt mit den Worten:

    "Eines der Hauptprobleme in der Therapie einer Depression ist die beschränkte Wirksamkeit von Antidepressiva… Nur etwa 50 % der behandelten Patienten spricht wie erwünscht an. Kommt hinzu, dass die hierfür erforderliche Dosis oft viele unerwünschte Nebenwirkungen hat…"

Nur 50 %? Und dann fast sicher unschöne Nebenwirkungen? Was soll das Ganze? Wissen die Verfasser natürlich auch. Und die machen einen unüblichen Vorschlag: Könnte man nicht diese chemische Behandlung durch natürliche Mittel verstärken? Unterstützen? Erst wirksam werden lassen?

Muss ich lächeln. Die zäumen das Pferd natürlich von der falschen Seite auf. Die fangen erst mit der Chemie an, merken, dass die versagt, und suchen dann Hilfe in der Natur. Natur heißt hier übrigens

    Zink


Die zeigen doch tatsächlich in der Studie, dass Zink, 25 mg, den Effekt von Psychopharmaka (hier Imipramine) verstärkt und beschleunigt. Ein höchst erwünschter Effekt.

Und zeigen dann peinlicherweise, dass das besonders gut funktioniert, nämlich Zink zusätzlich, besonders gut funktioniert bei Patienten, die vorher auf verschiedene andere Psychopharmaka überhaupt nicht angesprochen haben. Die man bisher gar nicht behandeln konnte.

Bei denen würde Zink jetzt plötzlich der chemischen Pille ihre Wirkung erst ermöglichen. Ei gucke da!

Auf die Idee, einfach nur Zink zu geben… Ja, mei. Medizin beginnt nun einmal mit der Pharmaindustrie. Das ist die Basis. Zink höchstens obendrauf. Anderes Denken ist nicht möglich.

Erinnern Sie sich an News vom 27.02.13 und 06.08.14? Erinnern Sie sich an die Entdeckung, dass aus gegessenem Tryptophan (reine Natur) erst mit genügend Zink das gewünschte Serotonin entstehen kann? Dass logischerweise also Zink ein sehr starkes Antidepressivum sein muss?

Ich meine: Ohne zusätzliche Pille? Denn dass es schlussendlich um möglichst viel Serotonin im Gehirn geht, darüber sind sich beide Parteien einig. Die Universitätsmedizin (Uni Krakau) und wir Wissenschaftler (die Reihenfolge ist übrigens nicht als Scherz gemeint).

Hochinteressant und ganz nebenbei lerne ich in der Arbeit noch etwas völlig Neues: Wussten Sie, wie man Zink direkt im Hippocampus und im übrigen Gehirn anreichern könnte? Ohne dass man Zink schluckt? Staunen Sie mit: Durch

    chronische Elektroschocks. Bewiesen!

Na… wäre das nicht eine Alternative? Wenn mich wieder mal jemand nervt mit der Beschwerde: "Muss ich wirklich so viel Zink schlucken? Jeden Tag?" Nein, müssen Sie nicht. Es gäbe da eine elegante zweite Möglichkeit… Habe ich soeben - lächelnd - gelernt.

Quelle: J Affective Dis 118 (2009) 187-195
 
 
 

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