Bitte nicht lachen!

16.10.2019 | Strunz
 

Der akademische Wissensbetrieb an den Universitäten nähert sich in den letzten Jahren zunehmend Bild-Zeitungs-Niveau. Stichwort Schrottstudien. Sie haben hier ja schon einiges Unterhaltsames lesen dürfen.

Ein Highlight soeben in der JAMA, der Amerikanischen Medizinischen Gesellschaft. Oberklasse. In dem Artikel wird sehr kritisch mit der


ketogenen Diät


umgegangen. Tenor: Lohne sich nicht. Bringt nichts. Sogar gefährlich.


Kennen wir das nicht? Vitamine lohnen nicht, bringen nichts, sind sogar gefährlich. Da brauchen Sie nur die News der letzten Monate lesen: Dort steht das Gegenteil. Von Ihnen persönlich ausprobiert.


Der kritische Artikel in der JAMA stützt sich in erster Linie auf eine Metaanalyse. Also Zusammenfassung bereits bestehender Studien.


Schon einmal nachgedacht? Wenn Sie ein Dutzend Schrottstudien zusammenfassen, nennen Sie das Metaanalyse. Und was taugt die dann? Genauso wenig. Die medizinische Literatur ist inzwischen überschwemmt von diesem Schrott. Kleiner Beweis gefällig?


Die kritische Warnung vor der ketogenen Diät beruht also auf einer Metanalyse. Es wurden 13 Studien ausgewählt, die verglichen haben Gewichtsabnahme durch ketogene Diät(10% KH) mit fettarmer Diät (Fett unter 30%). Resultat?


Kein Unterschied


Besser gesagt: Pro Jahr 900 g. Noch einmal: Vorteil der ketogenen Diät seien nur 900 g pro Jahr. Da lächeln die, da lächeln Sie.

Solange, bis man die Metaanalyse einmal wirklich liest. Sie kennen auch diesen meinen Satz: Das tut praktisch niemand. Schon überhaupt nicht ein Journalist. Aber auch nicht die Verfasser dieser Warnung in der JAMA. Natürlich Professoren. Die haben eben einfach keine Zeit…

Und was liest man? Zunächst einmal, dass alle Probanden fett waren. Im Durchschnitt BMI 35. Also vollfett. Ein guter Start. Dann wurden beide Diäten mindestens 12 Monate nachverfolgt. Manchmal bis 2 Jahre. Ein zweiter Pluspunkt. Und dann kommt das Entscheidende:


Die Forscher in allen 13 Studien haben doch wirklich geglaubt, dass ihre Patienten die Diät tatsächlich durchhalten.
Offenbar hat keiner von denen Kinder. Offenbar hat keiner von denen bereits Patienten behandelt. Sonst wüssten Sie: Grober Unfug.


Und das kann man beweisen: DIE GEWICHTSABNAHME unter ketogener Diät betrug, kontrolliert nach einem ganzen Jahr (!!!) so etwa


2,1 kg (Dansinger)
3,1 kg (Davis)
0,3 kg (Dayson)
7,4 kg (Lim)
4,7 kg (Shai)
5,1 kg (Stern)


Eine Auswahl. Aus den 13 Schrottstudien. Keine Achtjährige, der man diese Zahlen vorlegt, würde das glauben. Da machen die Menschen also strikte Diät, sogar ketogene Diät und nehmen pro Jahr gleich drei Kilo ab.


Jeder von Ihnen, der dies nachkontrolliert, würde die drei Kilo in drei Tagen verlieren. Nicht in einem Jahr.

Sehen Sie, solcher Schrott überschwemmt die medizinische Literatur. Und selbstverständlich steht diese Metaanalyse jetzt im Raum und wird prompt in JAMA von erwachsenen Professoren (es sind drei von der Uni New York) zitiert.

Sie glauben mir langsam: Sie dürfen gar nichts mehr glauben. Außer Sie haben es selbst ausprobiert.

Bringt mich erneut zu den erfreulichen Briefen in den News: Kaum tun Sie´s, geht in Ihrem Leben die Sonne auf. Stets der gleiche Tenor.

Das Vertrauen zu Politikern haben wir längst verloren. Und jetzt zunehmend zu unseren medizinischen Professoren…

Quelle:         JAMA online July 15 2019
                      Brit. J. Nutr. (2013), 110, 1178

 
 

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