Chemiker gegen Arzt

27.10.2010
Drucken
 

Der berühmte Lebensmittelchemiker Udo Pollmer hat soeben wieder eines seiner anregenden Bücher geschrieben. Titel: "Opium fürs Volk". Also über das Essen. In welchem man immer wieder an ganz entscheidenden Punkten den Unterschied erkennt zwischen einem Lebensmittelchemiker, der alles behaupten darf, der niemandem verpflichtet ist, der keinen Eid geschworen hat, den die Gesundheit der Bevölkerung überhaupt nichts angeht, dem Unterschied also zwischen einem Chemiker und auf der anderen Seite einem Arzt. Der ein Gelöbnis abgelegt hat. Der eben nicht schaden darf.

Beispielhaft die chemisch wissenschaftlich natürlich völlig richtigen Sätze (Udo Pollmer ist ein hochintelligenter Mensch!):

"Die Kochkunst spielt eine wichtige Rolle. Viele der psychotropen Substanzen entstehen erst beim Kochen. Gleichzeitig werden schädliche Stoffe beseitigt. Denken Sie nur an das Frittieren von Kartoffeln. Das zerstört zuverlässig deren natürliche Gifte. Deswegen lieben Kinder Pommes".

Stimmt. In Kartoffeln, in rohen Kartoffeln stecken natürliche Gifte. Besonders an den grünen Stellen. Und die werden durch Hitze zerstört. Bei diesem Fakt bleibt ein Chemiker stehen. Und sagt dann: Jetzt sind die Kartoffeln nicht mehr giftig, Kinder "ahnen" das und essen die Pommes nur so in sich hinein. Glückliche Kinder.

Ein Arzt weißt etwas über die Diabetesepidemie besonders bei Kindern in Deutschland. Hervorgerufen durch Kohlenhydrate. Durch schnell wirkende wie Pommes. Besonders gefährlich. Und der Arzt ist entsetzt.

Auf die große, ja großartige Idee, dass Kartoffeln möglicherweise eben nicht für den menschlichen Verzehr gedacht waren, dass der liebe Gott auf solch eine Idee gar nicht gekommen ist, dass man seine natürlichen Gaben erst vernichten muss, um sie dann zu futtern, auf solch eine Idee kommt natürlich ein Chemiker nicht.

Der weiß halt nichts vom Volks-Diabetes, der Erblindung, den amputierten Beinen, die Dialyse ...

Das ähnelt ein bisschen den Atomphysikern. Den Erfindern der Atom- und Wasserstoffbombe. Die sich mit der Entschuldigung zurückgelehnt haben, dass die Anwendung ihrer Erfindung sie persönlich nichts angeht. Tja. Dummerweise ist Udo Pollmer tatsächlich hochintelligent, eloquent, witzig und hat hohen Unterhaltungswert. Was könnte der Gutes bewirken, wenn er nur ein kleines bisschen weiterdenken würde ...

 

 

 
 
 

News Schlagwörter