Computer und Kinder

25.06.2013
Drucken
 

In deutschen Kinderzimmern findet soeben eine Revolution statt. Wird der seit Jahrmillionen aktiven Evolution ein Schnippchen geschlagen. Werden menschliche Gehirne - erstmalig, einmalig - neu, andersartig programmiert.

Passt präzise zur Gedankenwelt von Schirrmacher in seinem neuen Bestseller "Ego".

Kinder lieben Computerspiele. Und programmieren - natürlich völlig unbewusst - mithilfe dieser raffinierten Spiele ihr Gehirn. Gerade das kindliche Gehirn hat ja ein großes Überangebot von Nervenzellverbindungen. Denn - es muss ja gerüstet sein. Es kann ja nicht wissen, worauf es später im Leben einmal ankommt und welche Verbindungen gebraucht werden. Nun wissen wir, dass stabilisiert und erhalten bleiben von diesen Verschaltungen nur diejenigen werden, die auch wirklich benutzt, das heißt häufig genug aktiviert werden. Der Rest wird abgebaut.

Und welche Verbindungen werden durch Computerspiele aktiviert?

Kinder erwerben am Rechner besondere Fähigkeiten und Geschicklichkeiten, haben zunehmend das Gefühl, alles im Griff zu haben - eine enorme Aufwertung für das Ego. Durchaus positiv.

Es entwickelt sich eine virtuelle, enorm reaktionsschnelle und abstrahierende Intelligenz - freilich auf Kosten anderer, seltener aktivierter Verschaltungen. Das Kind meint, trainiert durch Computerspiele, alles im Griff zu haben, weil es sich eine Welt geschaffen hat, in der es in jeder Situation genau weiß, wie es zu reagieren hat, ist daher gezwungen, die Welt nach seinen einmal entwickelten Maßstäben einzuteilen - in gut und böse, richtig und falsch, schwarz und weiß. Es kann die ihn umgebende Welt nicht mehr in ihrer ganzen Vielfalt wahrnehmen - dazu ist das Gehirn jetzt durch einseitige Nutzung zu einfach strukturiert.

Und was geht verloren? Subtile Haltungen wie Achtsamkeit und Behutsamkeit. Die werden ersetzt durch kurzfristige Zielorientierung und entsprechende Rücksichtslosigkeit. Auf der Strecke bleibt Sensibilität und Neugier, Spontaneität und Kreativität.

Das tückische bei der sich entwickelnden Computersucht (auch ich habe zwei Kinder und weiß Bescheid) ist der Dopamin-Kick mit seiner Zweifachwirkung: Endogene Opiate mit Glücksgarantie werden freigesetzt, und Nervenzellverschaltungen werden zu immer breiteren Straßen und schließlich zu Autobahnen ausgebaut und gefestigt, auf denen sich Denken und Verhalten in nicht zu steuernde Automatismen auflösen.

Das ist heute. Wie war das früher? Nun - in meinem Leben gab es keine Computer. Ich erinnere in meiner Kindheit enge Freundschaften, vielseitige Interessen (Lesen, Musik), neue Erfahrungen (jeden Tag in den Wald), sportliche und künstlerische Talente und Eltern, denen das Kind (die Reihenfolge ist wichtig) das Kind Zeit gab für bedingungslose Liebe, Geborgenheit und Orientierung - die wichtigsten Säulen für eine glückliche Kindheit, in der es keiner Krücken bedarf.

Eine völlig andere Verschaltung des Gehirns. Was für ein Erwachsenen-Typus wird wohl aus den heutigen Computerkindern? Ideal wäre natürlich beides: Eine Stunde Computerspielen am Tag, der Rest familiäre Geborgenheit. Aber wir alle wissen um...Sucht und ihren Zeitbedarf.

Quelle: Zitiert in großen Teilen nach Dr. Gerald Hüther, Prof. für Neurobiologie an der Uni Göttingen.

 

 

 
 
 

News Schlagwörter