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Corona... und Vitamin B3

18.04.2020 | Strunz
 

In der groß angekündigten, neuen deutschen Studie von Professor Schreiber, Uni Kiel, geht es um die Frage: Hilft ein bestimmtes Vitamin, um eine milde Covid-19-Erkrankung zu stabilisieren und die Zahl schwerer Verläufe (Sauerstofftherapie) zu reduzieren.

Dazu soll ausdrücklich „gezielter Ernährungsstatus“ der Patienten optimiert werden. Glückwunsch! Endlich!

Seltsamerweise soll dies geschehen durch


  • 1000 mg Vitamin B3 oder
  • Kieselerde

Frägt sich der Laie erstaunt: Weshalb Vitamin B3? Ganz einfach: Professor Schreiber ist ein kluger Mensch. Bereits 2012 hat er zusammen mit andern 20 Autoren etwas Hochinteressantes entdeckt: Entdeckt am Beispiel schlimmer Darmentzündung. Colitis.


Wir wissen, dass Darmschleimhaut genauso wie Lunge gleiche Rezeptoren (ACE2) enthält, an welche ja das Corona-Virus andockt. Also hochaktuell, seine damalige Arbeit.


Und was hat er gefunden? Tryptophan genauso wie Vitamin B3 stoppen solche Entzündungen. Das halte ich für eine wirklich glückliche, bedeutende Entdeckung. Wobei jedem Fachmann klar ist, aus Tryptophan entsteht B3. Was er also nimmt, ist gehupft wie gesprungen.


Warum dann Vitamin B3? Weil Professor Schreiber klug ist: Hätte er gleich Tryptophan, die richtige Substanz angekündigt, hätte er den üblichen Shitstorm erlebt.

Ein Schlafmittel? Ein Antidepressivum? Weiß der noch, was er tut?
Genauso wie Sie soeben in meinem Forum nachlesen können. Die schlimmsten Behauptungen über Tryptophan werden breitgetreten. Erörtert. Zwar längst widerlegt, aber… so ist der Mensch.


Die Entdeckung 2012 durch (auch) Professor Schreiber als wörtliches Zitat: „Der Rezeptor ACE2 ist der Schlüssel für die Regulierung für ausgeglichene Aminosäure-Level, für das kompetente Immunsystem, für ausgeglichene Darmflora und entscheidet, ob eine Colitis übertragen wird oder nicht.“


Und weiter:

„Die hier gefunden Ergebnisse bieten eine molekulare Erklärung dafür, wie eine schlechte Versorgung an Aminosäuren Darmentzündung und Durchfall erzeugt.“


Einen Eindruck davon, wie stolz die 21 Autoren auf diese wirklich starke Entdeckung sind, die uns ja heute in der Corona-Krise direkt betreffen (setzen Sie statt Darm das Wort Lunge ein), entnehmen Sie bitte den folgenden Sätzen aus der Arbeit. Ich zitiere einfach der Reihe nach:


  • Der Mangel an Nahrungseiweiß (Strunz: Hören Sie zu? Verstehen Sie das?) hat breit gestreute Effekte auf verschiedene Organsysteme. Wir konzentrieren uns hier auf schwere Entzündung.
  • Unsere Forschung bietet einen völlig neuen Einblick in den Zusammenhang zwischen Eiweiß-Fehlernährung (Mangelernährung) und Colitis und Durchfall.
  • Tryptophan braucht man, um im lebenden Organismus Vitamin B3 zu erzeugen. Ein Mangel an Vitamin B3 oder Tryptophan (!!!) in der Nahrung ist die Ursache von PELLAGRA, einer Krankheit, die immer noch endemisch auftritt in vielen Ländern, in denen zu wenig Eiweiß gegessen wird.

    Mehr als 90% der Pellagra-Patienten erleiden Darmentzündung. Und werden mit Vitamin B3 behandelt.

    Bei Mäusen mit schwerer Colitis hat sich gezeigt, dass die entsteht durch mangelnde Tryptophan-Aufnahme. Die Gabe von Tryptophan korrigierte den Serumspiegel. Eine Tryptophan-freie Diät verstärkte die Entzündung, verstärkte den Gewichtsverlust bei unseren Mäusen.

  • Eine Tryptophan-arme Diät hat die Peptide, verantwortlich für die Bekämpfung von Mikroben, signifikant reduziert. Leider. Wir fanden

    Tryptophan, gegessen, kontrolliert die Bildung von Peptiden, also Eiweißstoffen, die im Dünndarm Mikroben vernichten können.

  • Und ganz wichtig: Unsere Daten zeigen, dass die essentielle Aminosäure Tryptophan und Ihr Metabolit (Abbauprodukt) Vitamin B3 der Schlüssel sind, wenn es um die Regulierung der Darmflora und um die Neigung zu Darmentzündung geht.

FAZIT: Wir haben verstanden, dank Professor Schreiber:


  • Tryptophan genauso wie Vitamin B3 (für Professor Schreiber das gleiche) heilt Entzündung im Darm.
  • Nachdem hier die gleichen Rezeptoren (ACE2) verantwortlich sind (wird in der Arbeit ausgeführt) wie für die Lunge und wir wissen, dass an diese Rezeptoren das Corona-Virus andockt und die Zelle zerstört, haben wir plötzlich eine starke Waffe gegen das Virus in der Hand: Tryptophan und/oder Vitamin B3. Daher also die neue Studie.

PS: Sie wissen, dass ich in 48 Jahren Medizin dazugelernt habe. Eine Substanz ist ein guter Anfang. Aber niemals die wirkliche Lösung. Haben wir gelernt bei der Depression. Die alleinige Gabe von Tryptophan war nicht immer hilfreich. Sondern die Korrektur des gesamten Aminogramms, also des Immunsystems.

Quelle: NATURE, Vol 487, 26.7.2012, S. 477

 
 

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