Das Gute, Wahre, Schöne

22.07.2015
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…hat einen etwas schalen Beiklang bekommen. Heute. Zeitgeist. Dabei kann hinter diesen drei Begriffen eine außerordentlich wirksame mentale Technik verborgen sein. Die Technik der „Frohmedizin“.

Der Berufsstand der Journalisten, unsere Medien – von mir so oft kritisiert – haben ja völlig Recht. Die orientieren sich am Zeitgeist. Und berichten natürlich gerade über das Gegenteil (der Überschrift). Aus gutem Grund. Das darf man, so lange es einem gut geht. So lange es dem Staat gut geht. So lange die Gesellschaft prosperiert. Kein Problem. Da kann man sich das Hämische, Schäbige, Negative, das Heruntermachen sehr wohl leisten. 

Dann nicht mehr, wenn man selbst betroffen ist. So der Spiegelautor Stefan Berg (Nr.20/2015) in einem glänzenden Essay über seinen eigenen Umgang mit seiner eigenen Krankheit.

Worum es da geht?

Treffend skizziert in zwei Leserbriefen (Spiegel 22/2015, S. 10):

  • Wir, die Kranken, bewegen uns, so wie beschrieben, zwischen Angst, Trauer und Schmerz auf der einen und tiefer Freundschaft, Liebe und Lebenssinn auf der anderen Seite. Genau so ist das Leben.
  • Die Essenz dessen, was ich meinen Studierenden der Behindertenpädagogik immer vermitteln wollte: Den Perspektivwechsel von der Krankheit und Beeinträchtigung hin zur Betrachtung und Stärkung der Potentiale.

Der erste Brief ist noch wachsweich. Im zweiten erkennt man den Pädagogen. Einen Menschen, der helfen möchte. So wie sich ein Zanardi (kennen Sie nicht?) geholfen hat. Rennfahrer. Beide Beine ab. Erst recht Rennfahrer und zusätzlich Marathonläufer (im Rollstuhl). Also: „Weg von der Beeinträchtigung hin zur Stärkung der Potentiale“.

Die Quintessenz der Frohmedizin: Kümmere Dich um Lebenslust, Lebensfreude, Lebensenergie. Gar nicht so leicht. Dafür muss man etwas tun. Ernten wirst Du etwas ganz Merkwürdiges, ohne es gewollt zu haben: Krankheit fällt weg. Leid wird weniger. Wir hätten das Ziel der gesamten Medizin erreicht. Wenn wir uns eben nicht auf die Krankheit, sondern auf die Lebensfreude konzentrieren würden. Sie wissen schon: „Energy flows, where attention goes“.

Beispiel? Nehmen Sie Hawaii. Den Ironman. Das Glück im Flow par excellence. Wenn Sie Ihr Leben auf dieses eine Ereignis ausrichten, also Frohmedizin betreiben, passiert etwas ganz Merkwürdiges: Drohmedizin verschwindet im Nichts. Heißt praktisch

  • Diabetes nicht möglich
  • Alzheimer entfällt
  • Bluthochdruck normalisiert sich
  • Übergewicht schwindet
  • Herzinfarkt? Wie soll das gehen?
  • Krebs kann gar nicht entstehen (Beispiel Tomlinson) 

Natürlich wird hier ein Prinzip beschrieben. Einzelfälle, Ausnahmen wird es immer geben, aus immer einem guten Grund. Den man nachvollziehen könnte.

Es lohnt sich, umzudenken. Es lohnt sich, in jeder Sekunde seine Gedanken (ein bisschen) zu kontrollieren. Sich auf das Schöne, Wahre, Gute zu konzentrieren. Auch wenn diese Begriffe so…langweilig…klingen. So Goethe-haft. Lesen Sie noch einmal „Unser Ozean“ (News vom 24.05.15). 

PS: Darf ich? Kritik? Da gab`s einen dritten Leserbrief im Spiegel. Ganz anders. Viel mehr Zeitgeist. Betroffene könnten sich das Leben nicht „schön reden“. Das sei realitätsfern. Was wir bräuchten, meint die Dame, sei:                   

„Mehr Akzeptanz für Schwerbehinderte und eine großzügigere, unabhängige Förderung von Medikamenten und Therapien.“

Als Schulmediziner würde ich das sofort unterschreiben. Als Arzt weiß ich: Wer sich auf andere, auf Institutionen verlässt, ist verlassen. Wenn Sie`s nicht selbst schaffen…