Das Peakbreak und die strategischen Kohlenhydrate

20.12.2018
 

Peakbreak. Eines der härtesten Etappenrennen der Welt. In dem österreichischen Alpen. Deshalb so lustig, weil es hier Pässe gibt wie Passo Tre Croci, Falzaregopass, Kronplatz (!!!), Kitzbüheler Horn, Monte Zoncolan, Valparolapass und so weiter.

Jeder Giro d´Italia – Teilnehmer bekommt ja reflexhaft Angstzittern, wenn er Kronplatz oder Zoncolan hört. 20% Steigung und mehr… wir steigen da ab.

Ein Softwareentwickler möchte teilnehmen. Trainiert auf Gran Canaria. Hat sich penibel seine Laktatschwelle, sein Vo2max, seine anaerobe Kapazität ausgerechnet und  einen Trainingsplan entwickelt. Aber lesen wir doch einfach locker mit.

„Es ist natürlich nicht immer leicht, sich dieser Trainingsstruktur zu unterwerfen. Gerade hier auf Gran Canaria gehen die Touren ja zum Großteil über Hügel und Berge, und dabei in der richtigen Zone zu bleiben, ist manchmal eine mentale Qual – vor allem wenn dich andere Radfahrer überholen und du bei deiner doch recht niedrigen Geschwindigkeit bergauf bleiben solltest. Die Lust mal „Anzugasen“ ist schon oft da… und manchmal gebe ich mich ihr auch hin!

Auf der anderen Seite sind die harten Intervalle an oder über der anaeroben Schwelle auch eine große Herausforderung! Vor allem, wenn sie etwas länger oder härter sind. Ich war es bisher ja nicht gewohnt, in diesen Intensitäten zu trainieren und das muss erst in meinen Kopf und meine Beine … es wird besser!

„Ernährungstechnisch“ habe ich mit der zielgerichteten Zufuhr von „strategischen Kohlenhydraten“ für die Trainings in den hohen Intensitäten gespielt und nehme nun bei einer Intervall-Trainingseinheit eine Radtrinkflasche (750ml) mit ca. 50-60 Gramm flüssigen „schnellen“ Kohlenhydraten mit.

So eine Intervall – Trainingseinheit sieht meist so aus: Gesamtdauer 3 bis 4 Stunden. Erste Stunde Grundlagen-Zone, dann Intervalle innerhalb 1 – 1,5 Stunden – Rest Grundlagen-Zone. Mit der Zufuhr der Kohlenhydrate beginne ich ca. 25-30 Minuten vor dem ersten Intervall. Da nehme ich mal ca. 1/3 der Flasche innerhalb 10 Minuten zu mir. Durch die Muskelkontraktion werden die „guten“ insulin-unabhängigen GLUT4 Glucosetransporter aktiviert und bringen das Zeug vom Blut in die Muskelzellen, wo sie dann gleich verbraucht werden.

In den Pausen zwischen den Belastungen leere ich nach und nach die ganze Flasche und bin damit ausreichend mit dem notwendigen Brennstoff für die hochintensive Arbeit versorgt. Der Körper könnte zwar auch selber die Glucose dafür herstellen – aber warum nicht etwas Unterstützung bieten?! In Summe komme ich dann an den Trainingstagen meist auf ca. 70-80 Gramm Kohlenhydrate. Meine Blutzucker- und Keton-Messungen am Morgen unterstreichen mein Gefühl, trotzdem IN SEHR GUTER KETOSE zu sein!“

Mal abgesehen, dass mir solche Texte ans Herze gehen. Ich fühl da mit. Sitze neben ihm am Rad und keuche. Davon abgesehen lernen wir wieder etwas

„… trotzdem in sehr guter Ketose“.

Gemessen! Der ist IT-Fachmann. Der glaubt an Zahlen. Und der Beweis, dass man Zucker sehr wohl in die Zellen schleusen kann… OHNE INSULIN. Und deshalb in der Ketose bleibt.

Wissen Sie, was dieser Hochleistungsmensch zur Entspannung macht? Abends? Wörtlich: „… ein bisserl Masochismus mit der Blackroll“.

Solche Texte lese ich sehr viel lieber als Gedanken des ehemals obersten Bundesrichters über den tagtäglichen Rechtsbruch in Deutschland. (BILD, 05.11.2018)

 
 

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