Das Unterbewusstsein - Der heimliche Herrscher I

26.09.2014
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Wir alle fahren durchs Leben mit 200 km/h. Besitzen chromblitzende Maschinen, starke Motoren, geben Vollgas. Es geht um Erfolg, geht um tägliche Höchstleistung. Also 200 km/h. Nur... wenn wir wirklich einmal auf den Tacho blicken, lesen wir dort 20 km/h. Wir haben die Handbremse vergessen. 

Und die Handbremse ist Stuttgarter Qualität. Die bremst uns runter. Wer oder was die Handbremse ist? Fällt Ihnen spontan Ihr Lebenspartner ein... Aber ernsthaft: Die Handbremse ist Ihr Unterbewusstsein.

Über diesen Begriff sollten wir uns einmal verständigen. Unterbewusstsein ist ja nichts Besonderes. Ist ja keine neue Erfindung. Den Begriff gab es bereits  nach 1800. Damals hat man auf dem Jahrmarkt Menschen hypnotisiert. Nannte man mesmerisieren. Hat sie in die Kindheit zurückgeführt. Die haben sich an irgendetwas längst Vergessenes erinnert, man hat die Mama auf die Bühne gebeten, die hat das Kindheitsereignis bestätigt – Applaus, Applaus, 10 Gulden.

Das hat man hunderte, ja tausende Male so vollführt, das Kunststückchen, bis man gemerkt hat: Der Mensch vergisst nichts. Der Mensch speichert alles. Speichert alles rückwärts bis zum Moment seiner Geburt (um es vorsichtig auszudrücken). Und unter Hypnose hat man Zugriff auf diesen Speicher, kann man uralte Erinnerungen hervorholen. Diesen Speicher nannte man Unterbewusstsein. Ganz logisch: Man lokalisierte dieses Gedächtniszentrum unter dem normalen Bewusstsein. 

Und das sei eine Handbremse? Weshalb bin ich so böse? Weshalb spreche ich so negativ von Ihrem Unterbewusstsein? Wie komme ich überhaupt dazu, zu behaupten, dass Ihr Unterbewusstsein Sie bremst. Ich kenne Sie doch gar nicht. Geschweige denn Ihr Unterbewusstsein. Wie komme ich also zu dieser generellen Behauptung? 

Stimmt schon. Ihr individuelles Unterbewusstsein kenne ich nicht. Aber ich kenne die Färbung, kenne die Klangfarbe Ihres Unterbewusstseins, ohne Sie persönlich zu kennen. Woher wir die Klangfarbe kennen? 

Kleines Experiment: Mutter und Kind, vier Stunden eingesperrt in einem Zimmer. In der Ecke oben eine Videokamera. Mit Tonspur. Nach vier Stunden wird die Tonaufzeichnung ausgewertet auf einer Strichliste: Ja/Nein. 

Ja heißt: Brav. Ja das darfst Du, liebes Kind. Hüpfe ruhig da hoch.

Nein heißt: Pass auf. Tu das nicht. Dafür bist du noch zu jung. Steig nicht da hoch. Lass die Finger davon.

Vier Stunden Ja/Nein. Nun raten Sie mal: wie oft das eine, wie oft das andere? Ich sags Ihnen: 6 zu 42. 6 mal Ja. 42 mal Nein. Das muss auch so sein. Die Mama muss aufpassen. Muss schützen. Muss das Kind vor Unglück bewahren. Nur: Wenn es stimmt, dass der Mensch sich alles merkt, was er seit Geburt erfährt, all diese Erfahrungen im Unterbewusstsein speichert, dann kennen Sie jetzt die Klangfarbe Ihres Unterbewusstseins: 6 mal Ja, 42 mal Nein. Also in Summe Nein. Und Ihre Mama war sicherlich genauso vorsichtig und hat Sie geschützt vor dem heißen Kerzenlicht, vor der scharfen Messerklinge usw. Ihr Unterbewusstsein also sagt Nein. 

Das war der Grund – erinnern Sie sich – weshalb Sie damals mit 17 SIE dort stehen gesehen haben. Innerhalb von einer Sekunde gewusst haben: Das ist SIE. Es aber eben nicht gewagt haben, auf SIE zuzugehen und zu sagen: „Du, hör mal...“

Sie haben sich nicht getraut. Sie sind dagestanden, rot geworden, haben Fingernägel gekaut und innerlich gehört: „Paß auf, tu das nicht, steig nicht da hoch, dafür bist du noch zu jung...usw.“ Und die Gelegenheit ging vorbei. Für immer. Und Sie träumen heute noch von diesem Augenblick...

Das ist der Grund, weshalb Sie es nicht schaffen: heute Abend die Wirtschaftswoche kaufen, dort einen Artikel lesen aus Ihrem Fachgebiet, in dem eine Neuheit vorgestellt wird, die man nach Europa importieren könnte. Als erster. Sie wissen, dass das ein Bestseller werden würde. Aber dennoch trauen Sie sich nicht: „Paß auf, tu das nicht, steig nicht das hoch, dafür bist du noch zu jung.“ Sie trauen sich nicht, morgen auf die Bank zu gehen, die nötigen 10 Millionen Schulden aufzunehmen und das Geschäft Ihres Lebens zu machen. Stattdessen denken Sie über die Risiken nach, über Konkurrenzprodukte, über Zins und Tilgungszahlungen, über all die Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg.

Das Unterbewusstsein – die Handbremse in Ihrem Leben. Der heimliche Herrscher. Sie verstehen, dass ich bis jetzt über Fakten gesprochen habe. Fakten, die auch Ihr Leben eindeutig beherrschen. 

Kann man das ändern? Ja selbstverständlich. Sonst würde ich darüber gar nicht sprechen. 

 
 
 

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