Das Unterbewusstsein - Der heimliche Herrscher III

28.09.2014
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Und noch etwas zweites, wundervolles verändert sich in Ihrem Leben durch diesen geheimnisvollen Bach. Ganz sicher gibt es auch in Ihrem Leben Sargnägel. Meine Sargnägel sind die Pharmareferenten. Das sind höfliche Menschen mit Aktentasche, die mich in meiner Praxis besuchen und mir etwas verkaufen wollen. Dauert jedes Mal 10 Minuten. Klingt nicht viel, aber... In meiner riesigen Kassenarzt-Praxis besuchten mich im Schnitt 15 Referenten täglich. Und 15 mal 10 Minuten... Das konnte ich mir nicht mehr leisten. Das habe ich denen gesagt. 

„Sie, hören Sie mal, Sie kosten mich 10 Minuten. Und die anderen 14 auch. Und 15 mal 10 Minuten sind zweieinhalb Stunden, die mir jeden Tag verloren gehen. Das geht einfach nicht.“ Antwort? Höflich und verständnisvoll.

„Da haben Sie völlig recht, Herr Doktor, aber Sie sollten das neue Ciprobay 500 unbedingt auch deswegen ausprobieren, weil die Nierenfunktion im Vergleich mit anderen Antibiotika...“ Der hört einfach nicht auf. Der darf und kann auch gar nicht aufhören. Das ist schließlich sein Beruf und das Gespräch hat er auswendig gelernt. Hat alles nichts genützt.

Jetzt aber habe ich meinen Bach. Sobald der Pharmareferent meine Praxis betritt, erschrecke ich nicht mehr, sondern denke mir: „Ich denke froh und heiter, Glück ist mein Begleiter.“ Und weil der Satz so herrlich dämlich klingt, muss ich grinsen. Unwillkürlich. Und grinse den Sargnagel an. Beim ersten Mal erschrickt er. Glaubt er hätte Eigelb auf der Krawatte. Beim zweiten mal denkt er: „Na, so ein netter Doktor!“ Und wenn ich ihm jetzt mein Not mit dem Zeitverlust von zweieinhalb Stunden täglich erzähle, reagiert er plötzlich ganz anders: „Hab’s verstanden Herr Doktor. Ich leg Ihnen die Probe hier hin und bin schon wieder weg. 15 Sekunden.“ Stimmt. 15 Sekunden. Und 15 mal 15 Sekunden ... die habe ich. Problem gelöst.

Wie gelöst? Nicht auf der rationalen Ebene. Ganz anders. Indem ich das Unterbewusstsein des Sargnagels angesprochen habe. Indem ich ihn angelächelt habe. Genau das, was sich jeder Mensch tief im Herzen wünscht. Angelächelt zu werden. Und zwar echt! Nicht die übliche Höflichkeitsgrimasse, die jeder Vertreter auf hat und die man sofort durchschaut...sondern ein echtes Lächeln. Kommt von innen. Ist unabhängig vom Gegenüber. Beruht ja auf der Komik des dämlichen Baches.

Ich kenne Ihre schwarzen Gedanken. Viele von Ihnen holen gerade tief Luft und denken sich: „Der Strunz hat’s leicht. Der hat gut reden. Sargnägel nennt er das? Lächerlich! Wenn der MEINE Sargnägel kennen würde: Das sind vergleichsweise Riesenbrocken, einen halben Meter lang und Kilo-schwer!“ Verstehe ich. Sie armer Mensch. Mit den Riesen-Sargnägeln. Für Sie habe ich diesen Bach weiterentwickelt. Mit Turboeffekt. Dann heißt er allerdings:

„Ich denke froh und heiter,
Glück ist mein Begleiter,
Du Arsch!“

Klappt immer. Könnse sich drauf verlassen. Bei diesem Bach müssen Sie lächeln. Echt lächeln. Von innen heraus. Und vertreiben so im guten Sinne jeden ...

PS: Falls Sie mich aus der Praxis kennen, haben Sie soeben verstanden, weshalb ich Sie im noch so langen, noch so quälenden Gespräch immer anlächele...

 
 
 

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