Das wichtigste Medikament

24.05.2016
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Gegen Zivilisationskrankheiten. Also gegen praktisch jede Krankheit, die heute in der Klinik, in der Arztpraxis behandelt werden muss. Ob nun koronare Herzkrankheit, ob Herzinsuffizienz, ob COPD, ob Diabetes (Erblindung, Dialyse), ob Demenz… das wichtigste Medikament gegen all diese Krankheiten ist die Bewegung. Übrigens unbestritten von der Schulmedizin, auch von der, die sich praktisch nur auf Pharmamedikation einengt. Denn die Beweise sind selbstverständlich schulmedizinisch erbracht und veröffentlicht.

Im Laufe der Jahrtausende entstand im Fleisch und Blut des Menschen ein biologisches Rüstzeug, das immer weiter vererbt wurde. Es bürgt für optimale Abläufe im Körper – aber eben nur, solange ein Mensch sich jeden Tag bewegt.

Weil im bewegungsfaulen Körper die biochemischen Kreisläufe stocken, ballen sich beispielsweise die Blutfette vermehrt zu Gallensteinen. Und weil im lahmen Leib die Verdauung schleppend abläuft, vergrößert sich die Kontaktzeit mit krebsauslösenden Stoffen aus der Nahrung: Inaktive Menschen haben ein um 50% erhöhtes Risiko, vom Dickdarmkrebs heimgesucht zu werden. Die letzten Sätze waren Zitate.

Evolutionsmediziner Boot fordert ein Minimum von 30 Minuten Bewegung an mindestens 5 Tagen in der Woche. Einwand: Wirklich absolutes Minimum. Genügt natürlich nicht. Wie Sie alle wissen. Heißt andersherum:

    Im Körper eines jeden Menschen, der sich nicht regelmäßig täglich mindestens eine halbe Stunde ertüchtigt, herrscht Ausnahmezustand. In den Zellen und Geweben laufen permanent krankmachende Vorgänge ab.

Das hat so viele Folgen. Schon bei den Kindern. Forscher im Bereich Neuroanatomie der Uni Bielefeld bringen das auf den Punkt:

    Lernen braucht Bewegung

Unabdingbar! Wissen das wir Eltern? Oder:

    Der Sportwissenschaftler Heinz Mechling: „Was oft als Altersvorgang verstanden wird, ist in hohem Maße das Resultat von Inaktivität.

Aus dem Institut für Sportwissenschaften der Uni Regensburg heißt es:

    „Sport ist die einzige Möglichkeit, gesund alt zu werden“

Oder als grobe Übersicht: Viele epidemiologische Studien verweisen immer auf einen Faktor:

    „Tägliche körperliche Aktivität (täglich!!!) ist verbunden mit einem verringerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Gedächtnisschwund, Depression, Diabetes Typ II, Fettleibigkeit und verlängert das Leben. Auch das Risiko für Brust- und Darmkrebs wird gesenkt.

Und es kommt noch schlimmer. Aktuell (2006) melden kanadische Forscher, dass

    „Bewegung noch größere Risikoverringerung für die allgemeine Sterblichkeit sowie für Tod durch Herz- und Gefäßkrankheiten ergibt. Fit oder aktiv zu sein ist mit einer Risikoverminderung von mehr als 50% verknüpft.“

Klingt alles gut und schön. Aber nicht umsonst wundert sich Dr. Rüdiger Reer von der Uni Hamburg:

    „Es ist verwunderlich, wie wenig verbreitet das Wissen über diese Zusammenhänge auch in Medizinerkreisen ist.“

Dem kann ich nichts hinzufügen. Auch mir ist unbegreiflich, weshalb ich für die Frohmedizin, im wesentlichen fröhliche Bewegung, so kämpfen muss. Als Arzt. Wenn doch eindeutig Bewegung das Hauptmedikament menschlichen Lebens ist.

Quelle: Jörg Blech „Bewegung. Die Kraft, die Krankheiten besiegt und das Leben verlängert“. Ab Seite 21. Eine außergewöhnliche, empfehlenswerte Zusammenfassung. Typisch Blech.

 
 
 

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