Depression: Der neue Blickwinkel

10.11.2015
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Die Psychiatrie und ihren Umgang mit seelischen Erkrankungen habe ich nie verstanden. Nun ja: Natürlich schon verstanden, aber mich erzürnt über die Hilflosigkeit, über den Umgang mit der Krankheit, besser gesagt mit den kranken Menschen.

Ein Beispiel: Nehmen wir Migräne. Eine Stresskrankheit. Einverstanden. Ja und jetzt? „Treten Sie mal kürzer“ ist wohl das dämlichste, was man mir sagen könnte. Oder sollen wir den mobbenden Arbeitskollegen erschießen? Oder wie oder was? Das stressige Leben, das Umfeld zu ändern… war mir immer eine Zumutung. Die rettende Idee gegen Migräne ist eine völlig andere:

Stress. Einverstanden. Nur hat der Stress doch eine messbare Wirkung. Er verbraucht Magnesium (übrigens auch Tryptophan); das kann man messen. Den sinkenden Spiegel. Und wenn Sie jetzt einfach das fehlende Magnesium massiv ersetzen, dann schaffen Sie ein Schutzschild gegen Stress. Verstanden? Der Stress ist unverändert da, aber Sie sind besser gegen ihn geschützt. Sie nehmen ihn nicht war, die Migräne verschwindet.

Sehen Sie: Das ist neue Medizin. Grundsätzlich neu. Vom Prinzip her.

Zurück zur Depression. Daran leidet der Mensch. Ja und jetzt? Zurück in die Jugend? Die strenge Mutter im fünften Lebensjahr? Das Trauma mit 14? Ist ja alles richtig, nur so hilflos, alte Geschichten wieder aufzuwärmen. Bewusst zu machen. Viel lieber

MESSEN WIR.

Die Veränderungen, die die Traumata im Menschen verursacht haben. Dass man die messen kann, ist eine der großen Entdeckungen auch vom Direktor des Max Planck Institutes in München. Kennen Sie. Professor Holsboer. Aber meine Güte: Wir messen das schon viel länger. Könnte ja jeder Arzt. Könnte dann fehlende Substanzen ersetzen und so… einen Schutzwall aufrichten. Depression verschwinden lassen.

Typisches Beispiel: Tryptophan. Oder Zink (News vom 06.08.2014).

Wie gerufen kommt eine neue Arbeit in JAMA Psych., in welcher Wissenschaftler an der Uni Toronto zeigen, dass

bei schweren Depressionen
entzündliche Prozesse im Gehirn

vorliegen. Kann man beweisen mit einem Emmissions-Tomographen (PET).

  • Bei Depressiven fanden sich entzündliche Aktivierung der Immunzellen der Mikroglia.
  • Mikroglia ist Gewebe zwischen den Nervenzellen (News vom 18.04.2015).
  • Dies war der erste direkte Beweis, dass es während einer Depression zu Entzündungen im Gehirn kommt.
  • Bisher gab es nur indirekte Hinweise: Entzündung im Blut. Bei Depressiven.

Passt. Passt exakt. Die eine wirklich gelungene Titelstory im FOCUS (News vom 23.09.2010, 22.02.2011) hatte zusammenfassend aufgezeigt, dass jede Erkrankung eine Entzündung sei. Hatte ich Ihnen erklärt an kompletten oder inkompletten Elektronenhüllen jedes Atomes. Es gibt nur diese zwei Zustände: Keine Entzündung oder eben Entzündung. Beschreibt unser ganzes Leben. So auch die Depression.

Fazit: Statt selbstverständlich gut gemeinter jahrelanger Gesprächstherapie besser Entzündung im Gehirn bekämpfen? Wäre das ein praktischer Vorschlag? Mir ist völlig klar, dass man den Auslöser einer Depression damit möglicherweise nicht beseitigt, aber eben… die Folgen. Man macht das Gehirn entzündungsfrei. Stabiler. Widerstandsfähiger.

Denn dass der liebe Gott uns ein stressfreies, traumafreies Leben garantiert hat… also dieses Dokument möchte ich sehen. Andererseits: Jedes Glück halte ich für normal. Und das trotz Stress und gelegentlichen Leides.

PS: Sehen Sie, das hat Karl Marx bei allem Respekt nie verstanden: Dass Arbeit auch zufrieden machen kann und Lebensglück bedeutet. Dass Arbeit nichts Böses sein muss, sondern Erfüllung. Was glauben Sie, weshalb ich mit 72 noch in der Praxis sitze?

 
 
 

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