Der freie Wille

27.05.2015
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Gibt´s den? Ich möchte Sie hier wirklich nicht voll – labern, Ihnen aber eine kleine, feine Idee weitergeben, die mich entzückt. Soeben gefunden, natürlich bei Egli (LOLA-Impulse Nr. 124/April 2015). Egli meint ja, es gäbe keinen freien Willen. ES sei uns bestimmt. Ein ziemlich hilfreicher Gedanke, besonders wenn man leidet.

Die moderne Molekularbiologie stützt seine Annahme. Ihre Gedanken, Ihre Gefühle, Ihr Wille wird reguliert von Molekülen in Ihrem Gehirn. Die wir ziemlich gut kennen. Heißt: Ich für mein eigenes Leben kenne genug von denen. Und dieses Wissen gebe ich Ihnen ja täglich weiter.

Kleines Beispiel? Schnupfen Sie mal Kokain. Sie werden mir zugeben, dass Sie die nächsten drei Stunden ziemlich fremdbestimmt sind. Wenn Sie vorher traurig waren, sind Sie plötzlich fröhlich. Wenn Sie vorher schlapp waren, sind Sie plötzlich energiegeladen. Wenn Sie in dieser Zeitspanne Ihre Frau angucken, …. werden Sie sich ziemlich fremdbestimmt verhalten.

Das moralische Gegenargument: Die Idee, es gäbe keinen freien Willen, sei fatal für unsere Gesellschaft, weil man Verbrecher dann nicht mehr verurteilen könnte. Naja… so ähnlich wird Recht ja bereits gesprochen. Zumindest in Deutschland, soweit ich das überblicke. Nun gut…

Egli meint nun, dass er sich über dieses Argument sehr wundere. Wieso gucke man nur auf die Verbrecher? Weshalb nicht auf die Polizisten, Staatsanwälte, Richter? Die hätten dann doch auch keinen freien Willen. Und die werden „genau das tun, was sie schon immer getan haben“.

Beispiel gefällig? Zitat: „Wenn mir jemand ins Auto fährt, oder sich an meiner Frau vergreift, und dann sich mit seinem nicht freien Willen herausreden will, dann wird er meinen nicht freien Willen kennen lernen. Und er wird sich bestimmt hüten, jemals wieder so etwas zu tun.“

Wunderhübsch formuliert. Wieder ein durchaus gewichtiges moralisches Argument entschärft.

Mein Rat: Benimm Dich einfach so anständig, wie Du kannst. Ob nun freier Wille oder nicht. Und seltsamerweise weiß jeder von uns (99,9%), was anständig bedeutet. Der klitzekleine Rest wirklich Kranker („das Böse“) richtet sich selbst.

 
 
 

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