Der Gnadenstoß

01.04.2015
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Landet da ein außerordentliches Büchlein auf meinem Schreibtisch. Jede einzelne Seite fast überfüllt mit Zahlen, Tabellen, aber eben auch praktischem Wissen. Wissen über

artgerechte Ernährung.

Wobei schon auf dem Titel die listige Fangfrage auftaucht: „…oder wollen Sie lieber mit voller Stärke ins Gras beißen?“ Mit voller Stärke dürfte wohl Vollkornbrot gemeint sein. Richtig.

Besonders hübsch die Vitamintabellen. Endlich einmal aufgelistet die wichtigsten Funktionen, die gehaltvollsten Nahrungsmittel, die richtigen Vitamin-Blutwerte und der tägliche Bedarf. Für jedes Vitamin eine Seite. Übersichtlich.

Und dann wird der Hauptfeind artgerechter, also gesunder, also genetisch korrekter Kost genannt: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Die DGE. Und das wird ausführlich, präzise und unwiderleglich begründet. So finden wir hier endlich einmal die Quelle. Die Quelle für die unmögliche Empfehlung der DGE, doch bitte 50 % oder mehr Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Ursprung unserer Zivilisationskrankheiten. Ein krankmachender Ratschlag. Ich zitiere einfach:

„1859 beschrieb der niederländische Physiologe und Arzt Jakob Moleschott die Ernährungsgewohnheiten von Bauern, Landarbeitern und Eisenbahnarbeitern. Hierbei erfasste er die grundsätzliche Zusammensetzung der Nahrung. Im Durchschnitt wurden von diesen Arbeitern täglich 130 g Eiweiß, 84 g Fett und 404 g Kohlenhydrate gegessen. Dabei setzte sich die Kalorienmenge aus 20 % Eiweiß, 25 % Fett und 55 % Kohlenhydraten zusammen (Energieprozent).

Die Untersuchungen von Jakob Moleschott waren reine Bestandsaufnahmen, um festzustellen, „wie das Essen zusammengesetzt sein muss, um kräftig arbeiten zu können“. Hierbei befragte er ausschließlich das schwer arbeitende Volk. Das schwer arbeitende Volk aber waren die Armen, die sich kein teures Fleisch leisten konnten und mit Brot und Kartoffeln sehen mussten, dass sie nicht verhungerten. Deshalb hatten sie eine eiweißarme, fettarme und kohlenhydratreiche Ernährung! Nachdem diese armen Arbeiter aber schwer arbeiten konnten, war ihre Ernährung optimal – logisch, oder?

Die Ernährungsempfehlung mit großen Kohlenhydratmengen in Form von Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln wurden von verschiedenen Autoren immer wieder wiederholt und durch die aufkommende Fett-Phobie in Stein gemeißelt…

Seit 1956 spricht die DGE ihre Ernährungsempfehlung auf der Basis der internationalen Empfehlungen aus (20 % Eiweiß, 30 % Fett und mehr als 50 % Kohlenhydrate).

Die heutige Ernährungsempfehlung ist also nichts anderes als das „arme-Leute-Essen“ vor 155 Jahren – „selten Fleisch und überwiegend Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln“!

Allerdings hat die DGE nach eigenen Angaben „keine evidenzbasierte Begründung für die optimalen Energieanteile der energieliefernden Nährstoffe“ (siehe DGE-Position: Richtwerte für die Energiezufuhr aus Kohlenhydraten und Fett).

„Dann machen wir erstmal so weiter, wie seit 155 Jahren!““

Fakten. In Stein gemeißelt. Heißt übersetzt: Auch dieses Jahr wieder 465 000 krebserkrankte Deutsche. Das ganze Leid in so vielen Familien… Und weil auch der Verfasser dieses Buches innerlich mitleidet, traut er sich in Großbuchstaben die Ratschläge der DGE zu wiederholen und abzustempeln als

grundsätzlich falsch

entzündungsfördernd

gesundheitsgefährdend

Ich hab‘s Ihnen mal abgedruckt. Wer jetzt noch zum Bäcker geht…

 

 

 

Quelle: "Artgerechte Ernährung" von Klaus Wührer, www.artgerechteernährung.de

 
 
 

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