Der neue Mensch – Teil V von VI

10.10.2014
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Luis Trenker war immer ein Vorbild für mich. Der hat meines Wissens in seinem Leben nur einmal einen Fehler gemacht. Ein einziges Mal. Er ist nämlich mit 97 Jahren erstmals in ein Krankenhaus gegangen. Und das war’s dann auch. Der hat einfach nicht vorher nachgedacht, weshalb ein Krankenhaus Krankenhaus heißt. Da muss man natürlich einmal erst draufkommen. Bevor man reingeht. 

Naja, da lachen Sie immer, aber Ihre Kinder bringen Sie im Krankenhaus auf die Welt, und dann wundern Sie sich. 

Luis Trenker hat mit 90 ein Video herausgegeben. Bemerkenswert. Da quasselt der zweieinhalb Stunden am Stück. Den können Sie einfach nicht bremsen. Und in diesem Video hat er bemerkt: „Wissen Sie was, ich mit 90, ich bin fei jung!“

Wenn so ein Mensch sich als jung bezeichnet, dann ist das nicht einfach so daher gesagt. Jugend, liebe Leser, kann man messen, kann man exakt festlegen. Sie kennen ja meinen Satz: Nicht raten, nicht philosophieren, nicht schwätzen, sondern messen. Die Welt würde anders aussehen, wir Menschen würden ganz anders miteinander umgehen, wenn wir uns auf messbare Fakten beziehen würden...

Jugend also kann man messen. Wir sind darauf gekommen über einen der größten Industriekonzerne dieser Welt, nämlich General Motors. Die haben sich Ende der 50er Jahre mal eine hochintelligente Frage gestellt. Nämlich: Wir, GM, stellen jeden Tag neue Leute ein. Von denen wollen wir etwas die nächsten 30 Jahre, und denen zahlen wir auch einen Haufen Geld. Nur – wir wissen heute schon, dass 10 % uns betrügen. Uns enttäuschen. 10 %, das sind die, die am Montag regelmäßig blau machen, die häufig krank sind, die auf Kur müssen, die Betriebsunfälle haben – das sind übrigens immer die gleichen, hochinteressant – und da haben die sich überlegt: Können wir diese 10 % von vorneherein aussieben. Die Frage war wirklich gut. 

So wurde ein Messprogramm entwickelt. Gemessen haben sie bei den jungen Leuten so Dinge wie Kraft oder Ausdauer oder die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislaufsystems, das Lungenvolumen, die Reflexgeschwindigkeit, das Koordinationsvermögen, den Intelligenzquotienten. 

Intelligenzquotient. Kennen Sie? Das ist die inzwischen ja heftig angezweifelte Zahl, von der wir glauben, sie sollte wenigstens die Körpertemperatur erreichen. Ja mei, die Ansprüche sind eben sehr gesunken in den letzten Jahren.

Aber zusammengenommen hat man all diese Messparameter genannt „Arbeitskapazität“, im Original work capacity. Und diese Arbeitskapazität ist ein wundervolles Maß für körperliche Leistungsbereitschaft, für geistige Leistungsbereitschaft. Da muss einfach alles stimmen.

Sehen Sie: Das ist ein Maß für Jugend. Und diese Zahl könnte man bei jedem von Ihnen bestimmen. Die hat ihr Maximum nicht etwa, wie man glauben könnte, mit 16, oder 17 Jahren... oh nein: Mit 25 Jahren.

Mit 25 erreichen Sie Ihr Maximum, dann begradigt sich die Kurve, bleibt horizontal etwa bis zum 30ten Lebensjahr. Sie sind zwischen 25 und 30 also maximal leistungsfähig.

Und ab dem 30ten Lebensjahr geht’s dann nur noch bergab. Das stimmt ja tatsächlich. Wie kennen auch genau die Geschwindigkeit: 1,5 % pro Jahr. Heißt, dass Sie in 10 Jahren 15 % den Bach hinunter gerutscht sind, dass Sie so etwa mit 60 die Hälfte wert sind, und mit 90 praktisch tot. Das ist ein Fakt. Auch Sie glauben das. Aber... das ist wieder einer dieser falschen Glaubenssätze, an denen wir hängen. Weshalb? Ja, weil wir die Wahrheit dort draußen ja tatsächlich sehen: Wir sehen ja die älteren Herrschaften am Stock oder im Rollstuhl. 

Als man diese Tatsachen über work capacity und Jugend erstmals veröffentlichte, standen Leute , Experten auf und sagten: Stimmt zwar, aber... das muss nicht so sein. Und wegen dieses „muss nicht so sein“ hören Sie mir heute zu.

„Muss nicht so sein“ hat als erster gesagt der damals berühmteste Leistungsphysiologe dieser Welt, Prof. Costill. Der meinte nämlich: Wenn Sie’s richtig machen – und darüber unterhalten wir uns heute – wenn Sie’s also richtig machen, kann die Kurve ganz anders verlaufen: Dann können Sie Ihre jugendliche Leistungsfähigkeit ab dem 25ten Lebensjahr bis ins 60te Lebensjahr aufrecht erhalten. Sie können, so behauptete Costill, mit 60 exakt so leistungsfähig und jung im Gehirn und im Körper sein wie mit 25.

Und das hat er bewiesen. Kann man ja messen. Verstehen Sie die Implikation?

 
 
 

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