Der Pillenreflex

03.02.2015
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Viele von Ihnen sind – langsam - aufgewacht. Geht Ihnen genau so wie mir. Wir sind aufgewacht und haben verstanden, dass wir konditioniert sind. Schmerzen? Schmerztablette. Fieber? Fiebersenkende Tablette. Blähungen? Entgasende Tablette. Osteoporose? Knochenaufbautablette. Herzinfarkt? Blutverdünnungstablette. Bluthochdruck? Drucksenkende Tablette.

Wir leben im Pillenzeitalter. Wie Sie sich erinnern, war das früher anders: Sie sind krank? Sie leiden? Beten Sie. War damals zeitgemäß.

Wie sehr wir konditioniert sind, wie skurril dieser Pillenreflex in Wahrheit ist, ein Reflex, den Sie als Patient genau so kennen wie wir Ärzte, zeigt uns eine kleine Story von Bandler. Weil die so ein grelles Schlaglicht auf unsere „Ver-rücktheit“ wirft, im Original:

„Ich habe z.B. einmal mit einer Dame gearbeitet, die nicht in der Lage war, zu entscheiden, ob die Bilder in ihrem Kopf erfunden oder erinnert waren. Sie konnte nicht entscheiden, ob sie tatsächlich einkaufen gegangen war oder nur daran gedacht hatte, einkaufen zu gehen.

Ratet mal, welche Lösung ihr Arzt für ihr Problem fand.

Er steckte sie in eine Anstalt und gab ihr Drogen.

Ich weiß nicht, wieso man sich davon eine Verbesserung erhofft hat, denn ich bin in den 60-er Jahren aufgewachsen, und ich hatte nicht den Eindruck, dass mein Kontakt zur Realität besser war, wenn ich Drogen genommen hatte.“

Au weia. Klarer kann man es wohl nicht ausdrücken. Diese Verrücktheit.

Weil man bei jeder Kritik grundsätzlich über die Alternative sprechen sollte, kurz zur Lösung. Durchgespielt mit einen Psychiater. Der wurde aufgefordert: „Ich möchte, dass Sie in Ihrer Vorstellung das Bild einer Phantasie konstruieren, wie Sie Ihre Eltern umgebracht haben.“ Tut er. Weiter: „Sie haben eine Erinnerung an das, was tatsächlich passiert ist, und nun haben Sie auch eine Erinnerung an das, was Sie sich vorgestellt haben. Was ist der Unterschied zwischen den beiden?“

Der Psychiater: „Das konstruierte Bild hat einen Rand, und das andere ist panoramisch“,

 worauf ich antwortete: „Vielleicht weiß das die Patientin nicht?“

Genau so. Auf Nachfragen hatte auch die Patientin zwei verschiedene Sorten von Bildern. Und konnte jetzt plötzlich – aufgeklärt - unterscheiden zwischen Realität und Einbildung. Fall gelöst.

Nennt man angewandte Neurodynamik. Schlägt alles, was ich über Psychotherapie weiß.

Aber dieser Drogenreflex. Ist das nicht aberwitzig, was sich da in unseren Hirnen eingenistet hat?

Quelle: R. Bandler „Unbändige Motivation“. Lesen.

 
 
 

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