Der zweite genetische Code

12.11.2008
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Seit 1979 wissen wir, dass die Mitochondrien, die Kraftwerke in den Zellen, also die Energieproduzenten, die es Ihnen ermöglichen, einen Marathon zu laufen, dass diese Mitochondrien einen eigenen genetischen Code haben.

Also unabhängig sind von der Erbinformation, die in jeder Zelle in der DNA gespeichert ist. In den Chromosomen.

Als besonders aparte Erklärung hat mir der Gedanke gefallen, dass unsere Mitochondrien eigentlich nichts mit uns zu tun haben. Sondern Fremdkörper sind. Von außen, in Form von Bakterien irgendwann einmal in unsere Zellen gelangt sind und seither dort vor sich hinsummen und brummen. Aus Sauerstoff Lebensenergie machen. Lebensenergie übrigens ist das, was Sie im Pausenhof eines Kindergartens beobachten können. Und was Ihnen im 6. Lebensjahr abhanden kommt.

Neu und aufregend nun die folgende Entdeckung an der Universität Mainz:

Dieser zweite genetische Code, der ausschließlich auf die Mitochondrien beschränkt ist, stellt in erster Linie die Aminosäure Methionin her, die dann die Oberfläche der neu gebildeten Proteine mit einer Schutzschicht überzieht. Einer Schutzschicht gegen freie Radikale, wie sie in den Mitochondrien wegen des massiven Sauerstoffdurchsatzes natürlich besonders radikal auftreten. Und noch radikaler bei jedem Marathonlauf, weil ja dann noch mehr Sauerstoff noch mehr Lebensenergie erzeugen muss.

Methionin ist also der entscheidende Schutz vor freien Radikalen. Methionin, geschaffen vom zweiten genetischen Code, erfüllt in den Kraftwerken genau die Schutzfunktion, die wir ja im übrigen Körper in den Zellen, an den Zellenwänden, im Gehirn mit Vitaminen erreichen können.

Wohlgemerkt: Vitamine werden in dieser Rolle als starke Medikamente angesehen. Haben nichts, überhaupt nichts zu tun mit dem üblichen „Vitamine haben wir alle genug. Wir brauchen nur ausgewogen zu essen“.

Denn dieser Satz gilt ja nachweislich nur für „die Vermeidung spezifischer Mangelkrankheiten“ wie Skorbut, Beriberi, oder Pellagra. Damals wusste man noch nichts von der entscheidenden antioxidativen Wirkung von Vitaminen. Diese neue Betrachtungsweise, dieser massive Erkenntnisgewinn ist in Deutschland, bei deutschen Professoren allerdings noch nicht angekommen.

Im Zusammenhang mit der Rolle des zweiten genetischen Codes, und der – wie jetzt erkannt wird – lebensentscheidenden Rolle von Antioxidantien wie Methionin besteht ja geringe Hoffnung ... auf Einsicht. Jedenfalls wurden die Erkenntnisse aus Mainz als Titelgeschichte der PNAS am 28,10.2008 veröffentlicht. Der Proceedings of the National Academy of Sciences. Eine kleine Sensation.

 
 
 

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