Deutsches Geflügel

10.11.2010
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Lobenswertes sollte man loben. Laut und deutlich. Gab es früher den Wienerwald oder sogar Kentucky Fried Chicken, so gibt es heute die Deutsche Geflügel GmbH. Welche ganzseitig für den Genuss von Geflügelfleisch wirbt.

Aber eben ganz anders. Hochmodern. Lobenswert.

Da wird nicht geschwärmt von knuspriger Panade oder den Pommes als Beilage, sondern da beginnt eine ganzseitige Bewerbung wörtlich mit:

"Neben wertvollen Fettsäuren und einen hohen Gehalt an biologisch hochwertigem Eiweiß liefert Geflügelfleisch wichtige Vitamine und Mineralstoffe."

Das ist ja praktisch die Definition von genetisch korrekter Kost. Sie erkennen Sprache und Inhalt spontan wieder. Und tatsächlich handelt der ganze folgende Text von

  • vielen ungesättigten Fettsäuren (auch wenn das in dem Zusammenhang gelogen ist)
  • von der optimalen Aminosäurezusammensetzung des Geflügeleiweißes. Welches nachhaltigst sättigt und die Fettverbrennung ankurbelt (man höre und staune!)
  • dann von Mineralstoffen wie Eisen, Zink, Kalium, wobei besonders Zink und seine Rolle für das Immunsystem herausgestrichen wird.
  • erwähnt werden schließlich die B-Vitamine, die so wichtigen. Aber eben nur verschämt erwähnt. Denn im heiß gemachten Geflügelfleisch sind die ja sicher nicht mehr drin.

Sie sehen, es wird immer noch geschwindelt und getäuscht. Aber immerhin: Der Grundtenor hat sich völlig verändert. Diese Sprache kenne ich erst seit 2010. Ich kann der Deutschen Geflügel GmbH nur gratulieren.

Nicht gratulieren kann man freilich zum beigefügten Rezept. Nennt sich "Spaghetti mit Hähnchenstreifen". Und wird zubereitet aus 400 g Hähnchenbrustfilet (Spitze!) plus 400 g Spaghetti (aua!). In der Praxis wird also der Gesundheitseffekt, die Anregung der Fettverbrennung (ausdrücklich beschrieben) prompt wieder zunichte gemacht. Vielleicht steckt dahinter der Ehrgeiz, das dickste Volk Europas zu bleiben. Wir Deutschen. Wir genudelten.

 
 
 

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