Dialekt

29.05.2016
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Weil heute Sonntag ist, ein kleines, herzerwärmendes Geschichtlein. Soeben von Mittenwald zurück, haben wir über die Geheimsprache der Einheimischen philosophiert. Im mittäglichen Gastraum gab es nämlich einen Stammtisch. Tagtäglich voll besetzt. Gestandene Mannsbilder. Zwei haben sich schon über 20 Jahre täglich dort eingefunden. Die erkannte man am Filzhütchen, dass sie im Raume tragen durften. Und die unterhielten sich lautstark.

Kein Wort verstanden.

Und wir haben uns wirklich Mühe gegeben. Und dachten, wir könnten uns Bayrisch verständigen. Nichts da. Dialekt wird mir zunehmend etwas urvertrautes, fast heiliges. Das beruhigende Zeichen, dass Sprachkultur bei uns – jedenfalls in Nischen – noch gepflegt und kultiviert wird. Und dazu passt das folgende Geschichtlein:

    Einer Erzählung nach erschuf der liabe Herrgott höchstpersönlich am 8. Tag seiner Schöpfung die Dialekte. Der Berliner war rundum zufrieden: „Ick habe nen knorke Dialekt, wa?“ Der Hanseate strahlte: „Ik snak platt, und dat is goad.“ Auch der Kölner war überglücklich: „Üwwa minge Dialekt kütt nix!“ Nur leider war für den Bayer kein einziger Dialekt mehr übrig und er wurde sehr, sehr traurig… Da hatte der liebe Gott schließlich ein Einsehen und sagte: „Ja mei, Bua, dann red hoid so wia I!“

Wenn Sie diesem Stammtisch tagtäglich gelauscht haben, so wie wir, dann ahnen Sie, dass ein kleines bisschen Wahrheit hinter diesen Zeilen steht. Jedenfalls bei uns hier in Bayern. Eine noch runde Welt.

 
 
 

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