Die alltägliche Wunderheilung

01.08.2013
Drucken
 

Das wird Sie interessieren. Da können Sie hautnah mitfühlen. Eine - für den Arzt - sensationelle Story, die eigentlich in die Bildzeitung gehört. Darf ich?

Schlanker junger Mensch, wacher Blick, fester Händedruck, fröhlicher Mund. Wäre schon immer gerne gejoggt. Sei sogar den New York Marathon unter 4 Stunden gelaufen (2011). Hätte dann Triathlon entdeckt, den ersten fröhlich bestanden und...

Zwei Tage später sei alles aus gewesen. Das Leben auf den Kopf gestellt. Er könne nicht mehr laufen. Überhaupt nicht mehr. Weshalb? Schmerzen. Beinschmerzen. Muskelschmerzen "ganz innen drin". Allein diese Formulierung! Schon nach 300 m würde es die Füße fürchterlich zusammenziehen, Gehen und Stehen sei unmöglich. Und jetzt, so die Formulierung "begann die Odyssee". Bei jedem nur denkbaren Arzt. Orthopäde, Osteopath, Neurologe, Gefäßspezialist, Radiologe, Rheumatologe, jeder hat sich die Zähne ausgebissen. Und was da alles herauskam:

Möglicher Muskelfaserriss, kaputte Hüfte, Bandscheibenprolaps, Embolie der Blutgefäße und, und, und. Nichts hat gestimmt. Niemand konnte helfen

Tja. Man muss nur zuhören. Entscheidend war die Formulierung "ganz innen drin". Das gibt's nicht bei geklemmtem Nerv. Das gibt’s nicht bei Faserriss. Das gibt's nicht bei kaputten Gelenken. Das gibt's auch nicht bei Durchblutungsstörung. Menschen können fein formulieren: Da muss der Muskel selbst kaputt sein. Das Gewebe. Also müsste man das ja wohl im Blut feststellen können.

Es ging noch viel einfacher. Zuhören. Im Gespräch kann man ja von Krethi bis Plethi reden und kommt ganz zufällig darauf, dass von der Mama zuviel Cholesterin geerbt worden war. So um die 360. Also meine persönliche Zahl. Das war's. Selbstverständlich wurden

Statine

geschluckt. Selbstverständlich. Tun ja bloß 4 Millionen Deutsche. Statine werden ja - und Sie glauben das - im neuen Bestseller von Agus als das Wunderheilmittel auch für Gesunde, schon rein vorsorglich, empfohlen. Damit war alles klar.

Belesen Sie sich einfach. Statine machen Muskelschmerzen und können Ihre Muskeln zersetzen (Stichwort Rhabdomyolyse), was zum Tod führen kann. Nicht bei Ihnen natürlich, aber bei tausenden anderen. Damit war die heutige Wunderheilung abgeschlossen: Statine weglassen.

Besonders verwerflich finde ich als Mensch und Sportler, wenn ein Arzt einem Marathonläufer Statine verschreibt. Offenbar nicht wissend, dass man damit die Atmungskette empfindlich stört. Dass man Q 10 vernichtet. Dass die Muskelzellen wie auf verrußten Zylindern laufen, sich außerordentlich schwer tun. Das tut nicht nur weh, das macht müde (Zitat: Muskel sei so schnell ermüdet) und das macht langsam. Wenigstens Q 10 hätte der verschreibende Arzt zusätzlich geben... dürfen. In diesem Fall.

PS: Ist das nicht alles spannend?

 

 

 

 

 

 
 
 

News Schlagwörter