Die Charitè wacht auf

19.12.2013
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An allen Ecken und Enden fangen sie an zu blühen, die Blumen der Erkenntnis. Das Neue. In Wahrheit Uralte. Jetzt freuen wir uns über solch ein Blümchen sogar in Berlin. In der Charitè.

Da erklärt uns der Neurologe Friedemann Paul doch tatsächlich, dass "Kohlenhydrate auch im Spiel sein sollen bei der Entstehung bzw. dem Verlauf von Nervenerkrankungen".

Ei der Daus.

Wir wüssten heute, dass bei vielen neurologischen Erkrankungen wie (Multipler Sklerose, Parkinson, Alzheimer) oxidativer Stress eine Rolle spielt und die Vermutung im Moment sei, meint Professor Paul, (beachten Sie: die Vermutung) dass ein Zuviel an Kohlenhydraten diesen oxidativen Stress verstärken kann.

Vermutung heißt: Das Blümchen fängt erst an zu blühen. Wir hier in Bayern haben es längst gezupft. Wir vermuten schon lange nicht mehr, wir haben bereits geheilt.

Aber weiter beim hoffnungsvollen Blümchen aus der Charitè:

"Oxidativer Stress, so die Vermutung, entsteht im Gehirn immer dann, wenn der Körper zu viele und zu häufig Kohlenhydrate bekommt. Die Kraftwerke der Nervenzelle, die Mitochondrien, arbeiten dann ständig auf Hochtouren. Sie arbeiten sich sozusagen in den Burnout. Das schadet der Nervenzelle. Es geht also darum, oxidativen Stress im Gehirn zu verhindern."

Und das ginge, glauben die Berliner Forscher, "mit einer bestimmten Form der Ernährung. Das Ganze heißt ketogene Diät."

Erneut: Ei der Daus. Ich werde ganz zappelig vor Freude. Sollte hier in Deutschland wirklich einmal etwas passieren?

Nun haben die Berliner Forscher das nicht schlicht und einfach an sich selber ausprobiert, wie ich das täte, sondern haben 60 Patienten mit Multipler Sklerose gefunden. Ketogene Diät. Zuerst wurden die Patienten müde. Wir nennen das Entzug. Nach einigen Wochen jedoch waren die Studienteilnehmer energiegeladen und weniger müde. Die Lebensqualität stieg deutlich an, es kam zu einer Gewichtsabnahme. Viele berichteten, dass ihre geistige Wachsamkeit deutlich zugenommen hätte.

Besonders amüsant: Die Berliner Forscher berichten, dass der beeindruckendste Befund - ausdrücklich gegen ihre Erwartung - die Verbesserung der Blutfette und der Cholesterinwerte sei. Das zeige, dass diese Therapie einen starken biologischen Nutzen hätte. Und das sei der Hauptgrund zu sagen,

wir müssen eine Folge-Studie machen.

Um jetzt die Frage zu klären, ob MS Patienten sich tatsächlich besser bewegen könnten, Muskeln aufbauen würden. Nur: Diese Studie käme wohl nie zusammen. Denn Geld käme in Deutschland schließlich von der Pharmaindustrie. Und - jetzt kommt's! - "eine bestimmt Ernährungsweise lässt sich nun mal nicht verkaufen".

Eine weise Einsicht. Diese Ernährungsweise macht man eben einfach. Ich zum Beispiel. Meine Frau zum Beispiel. Meine MS-Patienten zum Beispiel. Wir tuns. Wir warten auf keine Studie.

Probieren geht über Studieren, habe ich schon als Kind gelernt. Ach, liebe Charitè...

 
 
 

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