Die China-Study

12.08.2018
 

War ein gigantisches Projekt. Ab 1976 befragte die chinesische Regierung mehrere hundert Millionen Chinesen (aufgepasst, Herr Professor Hauner, München: Es gibt bereits Studien mit genügend Teilnehmern). Befragten sie nach ihren Ernährungsgewohnheiten, sammelten Millionen von Blut- und Urinproben und stellten einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Krankheitsraten her.

Die vielleicht bemerkenswertesten Korrelationen der Studie betreffen den Konsum von Getreide.

Aufgepasst: Hier steht Korrelation! Nicht Beweis. Man verknüpft eine Beobachtung mit der anderen. Das kann völliger Unsinn sein, das kann aber auch wohl begründet einleuchten.

Gefunden wurde:

  • Weizen hatte eine +67% Korrelation mit den Sterberaten an Herzkrankheiten.
  • Reis hatte eine -68% Korrelation mit den Sterberaten von Herzkrankheiten.
  • Anderes Getreide hatte eine +39% Korrelation mit den Mortalitätsraten von Herzkrankheiten.

Weizen wurde in dieser China-Study als das bei weitem gefährlichste Nahrungsmittel eingestuft.

Noch einmal: Das bei weitem gefährlichste Nahrungsmittel. Weizen. Eruiert aus der Befragung und Blutuntersuchung von hundert Millionen Chinesen.

Bemerkenswert, selbstverständlich auch für mich ungläubigen Thomas: Reis fällt hier völlig aus der Rolle. Reis kommt hier positiv weg. Deswegen gibt es Wissenschaftler, die Reis als „harmlose Stärke“ klassifizieren.

Auch ich lerne dazu. Täglich.

Wird erklärt: Nimmt man nicht Naturreis, sondern polierten Reis, kocht den, tötet also (fast) alle Toxine: Dann scheint es so zu sein (!), dass sich aus der Reistoxizität keine schwereren Erkrankungen entwickeln können, wie es bei der Weizentoxizität der Fall ist (Arch of Disease in Childhood 2009 Mar; 94 (3): 220). Reis ist also nur im Vergleich „sicherer“.

Merkwürdig, merkwürdig, merkwürdig. Das soll erklären, dass Reis mit minus 68% weniger Sterblichkeit an Herzkrankheiten korreliert? Ich weiß nicht, Herr Doktor… was meinen Sie zur folgender Erklärung: Reis ist dort Arme-Leute-Essen. Für die ganz unten. Für die, die täglich 12 -14 Stunden draußen, auf dem Acker schuften. Die gehören also zu denen, die am meisten Reis essen. Die auch am seltensten am Herzen sterben. Könnte es sein, dass die den Reis verbrennen? Arbeiten? Schuften? Den ganzen Tag? Könnte sein.

 Sie merken soeben: Ernährungsstudien sind deshalb so knifflig, weil man nicht alles weiß.

 
 

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