Die Nabelschnur – Ihr Schicksal

28.10.2014
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Geahnt haben wir es schon immer. Nicht so richtig gewusst, aber viele Mütter hatten es im Gefühl. Das Gefühl freilich ließ sich im harten Alltag selten glücklich umsetzen. An der Konsequenz hat es wohl häufig gefehlt. Aber immerhin...heute spricht man zunehmend von „Ihrer Nabelschnur“. Entscheidend für Ihr ganzes Leben. Wovon die Rede ist?

Das Drehbuch Ihres Lebens wird bereits vor der Geburt geschrieben. Wussten Sie das? Lebensstil und Ernährung der schwangeren Frau haben Einfluss auf Gesundheit und Seelenleben der Kinder. Darüber berichtete soeben Chefarzt Dr. Herbert Fluhr, Uni Heidelberg.

Eigentlich einleuchtend und logisch: Über die Nabelschnur hängt das Baby am Blutkreislauf der Mutter und an ihrem Stoffwechsel. Leidet die Schwangere nun unter großem Stress (ein Glück, dass Sie das Wort nicht kennen) kann sich dies auf

Wachstum
Stresstoleranz
Immunsystem

des Babys auswirken und erhöht das Risiko für

Stoffwechselkrankheiten
Allergien

Wissenschaftlich wird das mit der Länge der Telomere am Ende der Chromosomen in Verbindung gebracht. Aber Dr. Fluhr wird auch sehr konkret. Sehr konkret:

"Das Einsparen von Kohlenhydraten und Zucker sowie erhöhter Fischverzehr seien gut, wenn man das Risiko des Kindes, später an Neurodermitis, Asthma, Allergien oder Diabetes zu erkranken, vermindern wolle".

Was heißt da wolle? Will das nicht jede Mutter? Oh! Jede Mutter spart Kohlenhydrate und Zucker ein? Isst mehr Omega 3? Na, das bezweifle ich stark. Also wollen die gar nicht? Aber weiter Chefarzt Dr. Fluhr, Uni Heidelberg, in seinen präzisen Ausführungen:

"Der Einfluss der Umwelt auf das Leben des Kindes führt über die Aktivität der Gene, die erhöht oder erniedrigt wird, in manchen Fällen werden die Gene sogar komplett an- oder abgeschaltet. Mit diesen Prozessen, die unabhängig von der klassischen Genetik ablaufen, beschäftigt sich die sogenannte Epigenetik.

Bisher war`s ja noch einfach. Einleuchtend. Und dann kommt der Psychotherapeut Dr. Ludwig Janus, ein Pionier auf diesem Gebiet:

"Ob das Kind ungewollt und ungeliebt ist, ob es Glücksgefühle hat oder negative Erfahrungen im Mutterleib – das alles präge seine spätere Lebenszufriedenheit und seine Einstellung zu Beziehungen mit anderen Menschen und könne zu neurotischen und psychosomatischen Erkrankungen führen."

Mich freut, dass man diese elementaren Wahrheiten heute zunehmend ausspricht. Dass man sie nicht nur erforscht, sondern vermittelt.

Fazit: als werdende Mutter haben Sie also die Pflicht, stressfrei zu leben, also zu laufen, oder? Kohlenhydrate deutlich einzuschränken und mehr Fisch zu essen, oder? Oder anders ausgedrückt: Ihr Kind zu lieben, unendlich zu lieben schon ab dem ersten Monat in Ihrem Bauche, oder?

Das war die Theorie. Und die Praxis?

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung 18.9.2014, S. 7

 
 
 

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