Die Ode an den Nüchternlauf

04.11.2009
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ist ja nun schon 10 Jahre alt. Hat viele von Ihnen begeistert - und zum morgendlichen Nüchternläufer gemacht. Mit all den vielen unerwarteten Vorteilen.

Unter anderem der Tatsache, dass Sie morgens nüchtern nicht erst das Frühstück im Bauch verbrennen, sondern eher gleich mal an Ihren Fettvorräten, am Hüftgold knabbern. Leuchtet ja ein.

Nicht allen. Gesunder Menschenverstand ist nicht jedem gegeben. Ein sehr bekannter Lauftrainer rät Ihnen schriftlich, morgens lieber ein Müsli zu verzehren. Bevor Sie loslaufen. Weil Sie morgens nüchtern eben nicht mehr Fett verbrennen könnten. Weil Sie nämlich noch Kohlenhydrat-Vorräte vom Abend in der Muskulatur hätten. Klingt ja zunächst nicht ganz dumm, diese pessimistische Kritik ... Ist trotzdem falsch.

Bitte erlauben Sie mir, Ihnen zur Beruhigung einmal wissenschaftlich zu kommen. Ich bin eben nicht Lauftrainer, ich bin eher Wissenschaftler. Also zitiere ich:

"Sogar das normale Fasten über Nacht mobilisiert die Fettreserven, so dass die Energie am Morgen von Fettsäuren und nicht aus Glucose stammt".

In dem Zitat steht statt dem Wort "Energie“ im Original das meiste Acetyl-CoA, das am Morgen in den Zitronensäurezyklus eintritt. Das ganze Zitat stammt also aus einem wissenschaftlichen Werk, nämlich dem "Lehrbuch der molekularen Zellbiologie" von Alberts bei Wiley.

Das Zitat sagt uns, dass beim morgendlichen Nüchternlauf von Anfang an überwiegend Fett verbrannt wird. Der nächste Satz erklärt uns, was nach einem Müsli passiert:

"Nach einer Mahlzeit kommt jedoch ein Großteil der Energie aus der in der Nahrung enthaltenen Glukose".

Spricht für sich selbst. Essen Sie früh einen Happen, wird beim anschließenden Morgenlauf Zucker verbrannt statt Fett. Und es kommt noch schlimmer, denn das Zitat geht weiter:

"Jeder Überschuss an Glukose wird dazu verwendet, leere Glykogenvorräte wieder aufzufüllen oder Fett zu synthetisieren".

Ein Müsli morgens ist ganz klar ein Überschuss an Glukose. Von Fettverbrennung kann dann also morgens keine Rede sein - im Gegenteil.

Kurz und gut: Der morgendliche Nüchternlauf lohnt. Sie dürfen sich auf die Wissenschaft verlassen. Und auf Prof. Dr. Hottentrott aus Leipzig, der dies, aufbauend auf die Wissenschaft, in einer Studie an Hobbysportlern nachvollzogen und bewiesen hat.

Merke: Es gibt auch unter berühmten Lauftrainern durchaus Märchenerzähler.

 
 
 

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