Die Sache mit dem Salz

22.11.2018
 

Hab ich nie verstanden. In meinem großen Garten stehen mehrere Salzsteine. Tiere kommen und lecken daran. Die wissen offenbar nicht, dass Salz schädlich ist. Den Blutdruck erhöht. Die Herzinfarktrate steigert. So wie das der einsame Gesundheitsexperte Prof. Dr. Lauterbach immer verkündet. Der persönlich, wie er versichert, auf Salz praktisch verzichtet.

Nun ja: Man kann ihm einen schlanken Körper nicht absprechen.

Aber genau das ist der Punkt. Als Arzt habe ich massiv übergewichtigen Patienten mit Bluthochdruck geraten, den Salzkonsum einzuschränken. Stimmt soweit. Aber eben nur genau diesem Typ von Mensch.

Dass die das sowieso nie eingehalten haben, war mir auch klar. Was interessiert unser Geschwätz, das Geschwätz des Arztes, einen gestandenen Bayern?

Allen übrigen Menschen habe ich zu Salz geraten. Sogar zu viel Salz. Habe ich bei den Tieren abgeguckt. Und bei mir selbst. Ich salze massiv. Schon immer.

Freilich, könnten Sie einwenden, wenn Sie viel schwitzen, wenn Sie stundenlang Sport treiben, müssen Sie das rausgeschwitzte Salz wieder nachfüllen. Völlig richtig. Genauso sehe ich das. Sehen Sie: Damit hat sich jede Diskussion über Salzbedarf erledigt.

Weil bekanntlich jeder denkende (auf das Wörtchen kommt es an) Mensch täglich Sport treibt, täglich rennt. Täglich schwitzt. Und auf Salz sogar dringend angewiesen ist.

Dieser mein – ich weiß – wie so oft naiver Ansatz wird heute, also spät, recht spät bestätigt. Vielfach. Immer wieder. Darf ich?


  • Forscher aus Japan hatten bei 12.422 Patienten mit Bluthochdruck den Salzkonsum geschätzt. Auch deutliche Einschränkung ergab kaum einen Effekt auf den Blutdruck. Selbst bei diesen kranken Menschen.
    Die wollten eigentlich das Gegenteil beweisen.

  • In der PURE-Studie mit 95.767 Erwachsenen wurde gezeigt: Je mehr Salz verzehrt wurde, desto niedriger war das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen vorzeitigen Tod.

  • In einer kanadischen Studie stieg bei niedrigem Salzkonsum das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, so der Berner Kardiologe Franz Messerli.

  • In einer Groß-Studie, publiziert im BMJ der Harvard University findet sich: Je mehr Salz jemand aß, desto höher war seine Lebenserwartung, und je geringer der Konsum, desto kürzer.
    Nur: Wenn jemand extrem viel Salz verzehrte, starb er auch vorzeitig. Eigentlich selbstverständlich.

Juckt den Präsidenten der deutschen Hochdruckliga, Professor B. Krämer nicht. Er hätte aus kontrollierten Studien den Hinweis, dass bei Patienten mit Bluthochdruck eine salzarme Kost das Risiko für einen vorzeitigen Tod - und jetzt kommt´s bitte aufpassen! – bei manchen Leuten senken kann.
Mitbekommen? Also nicht bei diesen Patienten, sondern nur bei manchen vom diesen Patienten.

Deshalb wird der heute gültige Grenzwert von 5g Salz pro Tag von der europäischen Gesellschaft für Kardiologie eben nicht gelockert. Erst sollen weitere Studien ausgewertet werden. Man möchte nicht voreilig sein….
Das kommentiert der Kardiologe Eberli in meinen Augen vernichtend:

„Medikamente müssen in ausführlichen Studien getestet werden, bevor man sie verschreibt. Beim Salz hat man einfach eine Empfehlung ausgesprochen (5g täglich) ohne genügend wissenschaftliche Belege“.

Stimmt. Meine Rehe wissen´s besser. Ich natürlich auch (sowieso, sowieso). Immer wieder die gleiche Feststellung.

Ein Mensch, der täglich läuft, braucht sich kaum mehr um all die vergnüglichen Horror-Storys der Schulmedizin zu kümmern. Der darf nach Gusto leben (somatische Intelligenz).

Quelle: Nicht etwa Deutsches Ärzteblatt, nicht etwa die Ärzte-Zeitung, sondern selbstverständlich die FAZ am 26.09.2018, Seite N 2

 
 

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