Die Schwelle zum Glück

08.07.2016
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Ja, stimmt schon: Wer sich immerhin ein bisschen bewegt, hat schon öfters einmal ein paar glückliche Momente. Wer immerhin ein bisschen auf Kohlenhydrate verzichtet, merkt ab und zu doch schon ein paar lichte Momente im Gehirn. Wer wenigstens am Sonntag in der Kirche entspannt, hat einen kleinen Vorsprung vor dem täglich stressgeplagten Menschen.

Stimmt schon. Ein bisschen ist besser als gar nichts. Insofern lobe ich Sie ja täglich in meiner Praxis…

…wenn Sie mir stolz berichten, dass Sie Sport treiben. Immerhin drei Mal die Woche 30 Minuten joggen würden. Oder immerhin zwei Mal die Woche ins Fitness-Studio gingen. Einverstanden. Sichtbarer Fortschritt. Die Richtung stimmt.

Nur weiß ich leider etwas. Glück hat einen Schwellenwert. Wahres, erfüllendes, tägliches Glück kann nur entstehen, wenn Sie

TÄGLICH

auf die Evolution hören. Ihren Genen folgen. Dazu müssten Sie sich gedanklich auf „die andere Seite“ stellen.

Sie sind umgeben von sitzenden, von leidenden Menschen. Ich brauche Ihnen die Krankheitsstatistiken in Deutschland nicht herbeten. Die können Sie am Gesichtsausdruck Ihrer Mitmenschen Tag für Tag ja ablesen. Oder an der Anzahl der Apotheken schon in jedem Dorf.

    Schon einmal über diese erstaunliche Tatsache nachgedacht? Jede Kleinstadt hat fünf oder acht oder zehn Apotheken? Regale voll von Millionen von Pillen? Umschlagsplätze für Drogen? Legal! Und Sie regen sich über die Drogenbarone in Mexiko auf? Wenn man das Ganze mit etwas Abstand betrachtet, dann… schüttelt`s einen.

Weil wir also aus Gewohnheit, aus Erziehung in einem sitzenden Umfeld leben und auch so denken, erscheint uns das bisschen Sport, dass wir treiben schon als etwas Bemerkenswertes. Stimmt ja. Aufwachen würden wir, wenn wir einmal – wie meine kleine Frau das täglich tut – Vögel betrachtet. Oder Eichhörnchen. Oder Marder. Oder Rehe. Die sind in Bewegung. Ständig. Ununterbrochen. Deren Leben heißt Bewegung.

Wenn Sie sich selbst einmal aus dieser Sicht betrachten, aus der bewegten Sicht, dann merken Sie, dass Sie selbst mit drei Mal Sport pro Woche noch, ja was denn, schlafen. Von der Wahrheit nichts verstanden haben. Denn Wahrheit, Evolution, die Natur, geht von der Bewegung aus.

Von der stundenlangen Bewegung. Jeden Tag. Genauso wie jeder Bissen genetisch korrekt sein sollte. Zu studieren am Schimpansen.

Diese ganz andere Sicht auf den Körper haben Sportler. Leistungssportler. Habe ich kennengelernt bei den Triathleten. Deren Gedanken den ganzen Tag beherrscht werden von der Frage, wo noch eine halbe Stunde fürs Training übrig wäre. Das Schwimmen. Und irgendwann muss ich doch heute noch laufen. Und wo bleibt mir Zeit für die Fahrradausfahrt? Der ganze Tag dreht sich um angestrengte Bewegung. Um den Körper.

Dummerweise betrifft Gesundheit Ihren Körper. Und jetzt verstehen Sie, wie man einen gesunden Körper bekommt und ihn sich erhält: Man wird Triathlet. Man trainiert täglich. Schon weil man ja drei Sportarten trainieren muss. Und man immer in der Trainingsschuld steht. Glauben Sie mir: Immer!

Und die Liegestütz und Kniebeugen müssen ja auch noch erledigt werden. Da bleibt keine Zeit mehr für die seit 50 Jahren immer gleichen Zeitungsmeldungen. Für die seit Jahrzehnten immer gleichen Fernsehmeldungen. Da geht man nicht mehr ins Kino. Sondern man folgt den Gesetzen der Evolution.

Man bewegt sich. Angestrengt. Täglich. Im Wissen, dass dies der Normalzustand, der Gewolltzustand ist.

Ein qualitativer Gedankensprung. Von dem der Normalmensch, der stolz auf seine drei Joggingeinheiten pro Woche ist, gar nichts ahnt. Sind Sie noch nie erschrocken, wenn ein Fußballspieler im Triumpf sein Trikot lüftet? Was die – heute – für göttliche Körper vorweisen? Ja, du meine Güte: Das sind millionenschwere Exemplare. Die müssen trainieren. Täglich trainieren. Die müssen Krafttraining machen. Die sind ständig im – körperlichen – Zugzwang. Und dann bekommt man diese Körper.

Gucken Sie sich im Spiegel an. Selbst wenn Sie schlank sind. Selbst dann erkennen Sie den qualitativen Unterschied. Zwischen muskelhart und schwabbel-schlank. Gibt’s auch.

Und lästern Sie mir bitte nicht über muskelhart: Der Tatsache, dass mein Körper zu über 70% aus Muskeln bestand, verdanke ich mein Leben. Unvergesslich der ungläubige Blick von Professor Liebig, Erlangen, einem hochverdienten Chirurgen, auf meine Kernspinbilder: Ich müsste entweder „tot oder querschnittsgelähmt sein“. Wörtliches Zitat. Der kannte offenbar den Begriff „Muskelkorsett“ nicht. Lebensrettend, wenn Sie einmal einen Unfall haben.

Wann wachen Sie auf? Täglich! Anstrengend! Erst dann kommt der übliche Kram, den die Evolution gar nicht vorgesehen hatte. Ihr Schreibtisch.

 
 
 

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