Die Seuche der Zeit

27.02.2015
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Lassen Sie uns nicht über Modethemen reden. Mode derzeit Ebola. Verdrängt die beliebten AIDS-Galas. Lässt den grassierenden Hühner-Virus so gar nicht zur Wirkung kommen. Ebola also die Seuche der Zeit. 

Ach wissen Sie. Lauschen wir Shakespeare. King Lear „Das ist die Seuche der Zeit, wenn Verrückte Blinde führen“.

Gemeint sein dürften Politiker. Und die Blinden, das sind wir. Als kritische Linke nicken wir sofort mit dem Kopf. Genau. Was erlauben sich die Politiker da jeden Tag mit uns! Und: „Weshalb sieht die Bevölkerung denn nicht, wie sie verkauft wird?“

Zum Glück sind wir wach, hell und durchschauen alles. Wir.

Kurzes Weiterdenken lässt uns so Behauptungen wie „Verrückte“ oder „Blinde“ abschwächen. So ist es dann doch nicht ganz. Und man steigt im Gespräch herunter und wird ein bisschen milder.

Schon mal auf die Idee gekommen, dass Shakespeare hier möglicherweise die Medizin beschrieben hat? Hat er natürlich nicht, aber... passen würde es, oder?

Blinde? Würden Sie akzeptieren. Die Mehrheit der Bevölkerung fällt herein auf die massiven Verführungen der Nahrungsmittelindustrie. Und der Pharmaindustrie. Gucken Sie sich an, was jeden Tag bei Aldi oder Lidl gekauft wird. Sie wissen ja inzwischen Bescheid. Soweit so gut, aber...

Verrückte? Das sollen die Ärzte sein? Würden Sie instinktiv nicht akzeptieren. Wiederstrebt auch mir, dieses Wort auf meine Kollegen, auf mich anzuwenden. Tja. Zwei kleine Beispiele gefällig?

Die Diabetes-Epidemie explodiert. Weltweit. Auch in Deutschland. Zuckerkrankheit. Heißt: Zuviel Zucker im Blut. Schädigt Blutgefäße, Augen, Nieren, tötet. 

Primitivste Logik: Also keine Zucker mehr essen. Tatsächlich empfehlen wir Ärzte, empfehlen meine Fachgesellschaften den Diabetikern ausdrücklich reichlichen Verzehr von Kohlenhydraten. Also reinen Zucker.

Zweites Beispiel Statine. Eine der meist verkauften Pillen dieser Welt. In Wahrheit „eine tödliche Droge“ (siehe News 19.02.2014, www.drstrunz.de). Dort finden Sie sehr präzise eine Übersichtsarbeit über Statine aufgelistet. Finden dort nachgewiesen, dass Statine praktisch nicht helfen (nur bei Männern, nicht bei Frauen, nur bei nachgewiesener Herzkrankheit, nicht vorsorglich) und dann nur bis höchstens 3 %. Also gar nicht.

Nebenwirkungen? Epidemiologisch statistisch durchgerechnet nur für Deutschland pro Jahr:

akute Nierenversagen 11.500

Lebererkrankungen 37.000

grauer Star 153.000

Muskeln werden müde bei 30%, Muskeln zersetzen sich bei 11,3 % (von 5 Millionen Deutschen, die Statine nehmen).

Diese Droge wird von Ärzten verschrieben.

Nur zwei Beispiele. Nur zwei. Und jetzt lesen wir bitte noch einmal King Lear. „Verrückte führen Blinde“. Resultat: Unsere Zivilisationskrankheiten. Allein 465.000 Krebserkrankungen neu in diesem Jahr. In 2015. Muss das sein?

 
 
 

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