Die Vitaminlüge: Der Clou

09.04.2013
Drucken
 

Der erste Hinweis, dass Vitamine unter bestimmten Umständen auch Krebs verursachen, stammt aus dem Jahre 1994. Vom National Cancer Institute. Diese ATBC-Studie kennen Sie: War zwar nicht signifikant, ergab aber eine Tendenz von 18 Prozent mehr Lungenkrebs beim Raucher. Dies wurde bestätigt in einer zweiten Studie, genannt CARET-Studie 1996. Dort fanden sich 28 Prozent mehr Lungenkrebs beim Raucher nach Einnahme von Beta-Carotin.

Prof. Greenwald vom National Cancer Institute hat diese zwei Studien 2003 sehr ausführlich, gründlich, kritisch und seriös analysiert und kommentiert. Das Beste, was man zum Thema lesen kann (J Natl Cancer Inst (2009) 95 (1); E1 .doi:10.1093).

Ergebnis: Man hätte die Studien wohl besser nicht unternehmen sollen. Denn man hat offensichtlich Menschen geschadet. Das darf man nicht.

Nur: Man hätte eben seinerzeit, 1985, noch nicht gewusst, dass im Körper des Rauchers gesunde, krebsschützende Stoffe wie Beta-Carotin chemisch in das Gegenteil verwandelt werden können. Der Clou dieses kritischen Artikels ist in meinen Augen aber eine entlarvende Zahlenangabe. Die uns - vielleicht erstmals - klar macht, worum es hier wirklich geht. Es geht, in den Worten von Prof. Greenwald darum, dass das Risiko für Lungenkrebs

angestiegen sei auf etwa 6 Krebsfälle pro 1 000 Teilnehmern durch Beta-Carotin

verglichen mit sowieso 5 Krebsfällen pro 1 000 Teilnehmern in der Kontrollgruppe.

Es geht also um ein Promille. Die ganze Aufregung, das ganze Sensationsgehasche (Spiegel: "Die Vitaminlüge", Focus: "Erhöhtes Krebsrisiko...") dreht sich also um ein Promille. Ein Fall von Lungenkrebs mehr unter 1 000.

Drehen Sie es doch einfach um: Hätte man in den gleichen medizinischen Zeitschriften berichtet, dass Beta-Carotin beim Raucher einen Lungenkrebs unter 1 000 Teilnehmern verhindert hätte, dass also 1 000 Menschen sechs Jahre lang täglich Beta-Carotin schlucken sollten, um bei einem Krebs zu verhindern, dann hätte wohl...

...zumindest Spiegel, Focus, die "Welt" eher hämisch von der "ach so gewaltigen" krebsverhindernden Wirkung von Beta-Carotin gesprochen. Die ja wohl praktisch nicht nachweisbar sei. Und hätten dann vermutet, dass große Vitaminfirmen hinter diesen Arbeiten stecken würden.

Fazit: Lesen Sie einfach jede einzelne Studie, in welcher kritisch über Vitamine berichtet wird. Lesen Sie genau. Sie werden wohl in jedem Fall einen Promille-Effekt entdecken.

 

 

 

 
 
 

News Schlagwörter