Doping, BMI und Tour de France

30.08.2013
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Jetzt plaudern sie wieder. Die Journalisten. Über den Sieger der Tour de France, Chris Froome. Plaudern über eine ihnen offenbar unbekannte Welt. Lassen Sie mich vorausschicken: Doping ist kein Problem für die Sportler. Im Gegenteil. Doping ist kein Problem für die zuständigen Funktionäre. Die wissen, akzeptieren und schweigen. Doping ist kein Problem für uns, die Zuschauer. Ein Heer von Millionen Menschen, die wir begeistert sportliche Leistungen genießen. Ja… wen regt Doping dann auf? Nun: Die Journalisten. Ein paar hundert "Waschweiber am Dorfbrunnen". Wenn Sie sich erinnern. Die halt irgendein Thema brauchen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Jetzt haben die ein neues Thema: den BMI. Die nennen den Sieger der Tour de France ein "in Hosen gestecktes Röntgenbild". Der sei also dürr. Viel zu dürr. Verstehe ich, wenn ich den Durchschnittsjournalisten im Fernsehen betrachte. Chris Froome wiegt 66 Kilogramm bei 1,86 Metern. Sein BMI ist also 19,1 und damit "knapp im normalen Bereich". Jetzt kommt's:

Was glauben Sie, wie Journalisten das interpretieren? Die behaupten: "Wie sehr er das ganze Jahr fasten muss, zeigt sein Gewichtsunterschied Sommer/Winter – er beträgt nie mehr als ein Kilo."

Das sei also das Resultat von schmerzhaftem Fasten. Sein gleichbleibendes Körpergewicht. Auf die Idee, dass der Mann trainiert, dass er sechs bis acht Stunden täglich auf dem Rad sitzt und beliebige Mengen von Futter verbrennt, kommt so ein Journalist gar nicht. Der kriegt ja sein rechtes Bein nicht über einen Fahrradsattel.

Dass schon Lance Armstrong den simplen Trick kannte, sein Körperfett von 5 Prozent auf die gewünschten 4 Prozent zu senken, nämlich ganz einfach auf Süßes zu verzichten, darüber wird nicht gesprochen. Aber genau das wäre doch eine Nachricht. Hilfreich. Würde uns übergewichtigen, unsportlichen Menschen doch Mut machen. Wäre ein praktischer Tipp. Ein praktischer, hilfreicher Tipp von Journalisten? Fehlanzeige.

Und dann kommt's: "So senken Rennfahrer bereits jetzt ihren Fettanteil von sechs bis sieben auf 4,5 Prozent hinunter. Das ist rund viermal weniger als ein gleichaltriger normalgewichtiger Bürger hat."

Tja. Kann man auch Diffamierung nennen. Normalgewichtig? 18 Prozent Fett sei also normal? Nun ja: Richtig ist, dass 18 Prozent üblich ist. So wie ein Nüchternblutzucker von 115 bis 120 heute in Deutschland üblich ist. Aber ist das wünschenswert? Ist das gesund? Ich habe noch gelernt: Deutlich unter 100 mg %.

Auch hier, in der Medizin, hat man nachgegeben. Den Zügel schleifen lassen. Lässt jetzt höheren Blutzucker durchgehen. Ärzte resignieren. Akzeptieren auch 18 Prozent Körperfett als normal. Erinnern Sie sich an Franziska Schenk? Sie hatte 11 Prozent. Als Frau!

Und weiter geht's in der diffamierenden Tonart. Journalisten eben: "Der Weltverband UCI wird in 2 bis 3 Jahren ein Problem mit magersüchtigen Radprofis lösen müssen."

Ein Armstrong war also magersüchtig. Ein Contador mit 4,0 Prozent Körperfett ist also magersüchtig.

Noch einmal: Probleme mit Doping im Sport haben nicht die Sportler selbst. Untereinander. Haben nicht die Sportorganisationen. Und haben schon gar nicht die Millionen und Abermillionen Zuschauer. Probleme haben nur ein paar Journalisten.

Quelle: Blick.ch von Hans-Peter Hildbrand

 
 
 

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