Dopingproben sind sicher

10.07.2016
Drucken
 

Bombenfest. Ganz sicher. Wann immer ein Mensch behauptet „das ist sicher“ oder „das ist alternativlos“…, der Mensch sagt nicht die Wahrheit. Nix ist sicher, wenn es Menschen betrifft.

Atomkraftwerke sind nun einmal nicht sicher. Auch wenn das Gegenteil jahrzehntelang gebetsmühlenhaft wiederholt wurde. Das automatische Warnsystem unseres Schienensystems ist sicher. Ja ja. Haben wir soeben in Bad Aibling erlebt. Jeder von Ihnen kennt Dutzende solcher Beispiele.

  • Die WADA (Anti-Doping-Kommission) hat immer erklärt, dass jede Dopingprobe sicher sei. Denn BERLINGER, die Schweizer Firma, die Tausende der „high security“ Bereg-Kits produziert, die als Behälter für Urin der Athleten dienen, sagt, es sei unmöglich, die Phiolen zu öffnen, ohne sie zu zerstören, und es sei nicht möglich, den Inhalt zu wechseln, ohne die Fläschchen zu zerstören.“

Bombensicher. Nun ja, man kennt das. Kommt also der Direktor des russischen Anti-Doping-Labors bei den Olympischen Winterspielen Sotschi, Herr Rodchenkow, daher…

  • ... und erzählt uns, dass sie eine Lösung gefunden hätten, die Proben zu öffnen, ohne die Kappe zu beschädigen. „Daher sei es möglich gewesen, den Urin auszutauschen und die Proben wieder problemlos zu versiegeln.“

Tja. Jetzt erwartet man ein Dementi von der Schweizer Firma Berlinger. So wie sie nach Tschernobyl ein Dementi der Regierung erwartet hätten. Das natürlich nie kam. Na, dann hören wir mal:

  • Die Firma Berlinger in typisch politisch gewundenem Statement hat in einer offiziellen Erklärung die Möglichkeit einer kriminellen Manipulation eingeräumt. Das war´s auch schon. Klingt auch so typisch:
  • „Das Sicherheitssystem ist getestet und zertifiziert worden durch ein neutrales, unabhängiges Laboratorium und ist speziell hergestellt für die Doping-Kontroll-Prozeduren. Wenn die Erklärung von Rodchenkow korrekt ist, zeigt der publizierte Fall einen professionellen, von langer Hand geplanten, den russischen Geheimdiensten einbeziehenden kriminellen Akt, was nicht nur Auswirkungen auf die Sicherheitsflaschen hat, sondern auf die gesamte Kette der Abgeschlossenheit und die damit verbundenen Abläufe.“

Typisches Geschwätz. Die Probenbehälter waren eben nicht sicher. Kann man auch in wenigen Worten sagen.

Jetzt kommt´s: Daraufhin Merlo, Präsident vom internationalen Sportpresseverband: „Die Glaubwürdigkeit des sauberen Sports ist nun schlagartig in Frage gestellt worden“.

Schlagartig? Da kann ich nicht einmal müde lachen. Was soll denn das für eine Bemerkung? Ein Bernhard Kohl, Profiradfahrer, wurde 200 Mal negativ getestet, obwohl er alle 200 Mal gedopt war. Nach eigener Aussage. Ein Lance Armstrong wurde noch öfter getestet, negativ getestet, obwohl er eindeutig jedes Mal gedopt war.

Auch Leichtathletik kann ich mir nicht mehr angucken. Wenn da so ein strahlender 800-Meter-Läufer 12 Meter vor dem Feld ins Ziel kommt mit unnachahmlicher Grazie. Wie dumm verkaufen die einen? Wenn da bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in 500 Blutproben (selbstverständlich anonym) ein mittleres Hämoglobin von 19,32 Gramm Prozent errechnet wird. Da wendet jeder Arzt sich müde ab.

Hämoglobin ist der rote Blutfarbstoff. Der Sauerstofftransport in Körper und Gehirn. Ein Maß für Ihre Leistungsfähigkeit. Normal beim Mann 14 bis 18. Normalwert in der Arztpraxis 15. Selten 16. 17 kommt praktisch nicht vor. Und die haben 19,32.

Hatte Darwin doch recht? Da mendeln sich die Besten der Welt von alleine aus? Unvergessen, weil wir schon so nett plaudern, Evi Sachenbacher nach der Goldmedaille, mit Hb 16,4 gemessen (Frau: Normal 12 bis 16): Das „hätte sie von Mütterlein geerbt“.

Wenn ich dabei gewesen wäre, ich hätte sie umarmt und auf beide Wangen geküsst. So eine nette, sympathische Erklärung.

Fazit: Was merken wir uns? Die klugen Worte von Merlo: Die Glaubwürdigkeit des sauberen Sportes ist nun schlagartig in Frage gestellt worden. Goldener Humor.

 
 
 

News Schlagwörter