Drei mal drei Sterne

15.12.2013
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Alain Ducasse ist einer der ganz Großen. Der führende Koch dieser Welt. Oder soll man sagen Unternehmer? Alain Ducasse, 57, führt 24 Restaurants in acht Ländern, darunter - und das ist einmalig - drei 3-Sterne Restaurants in Monaco, in Paris und in London.

Hat noch nie ein Koch vor ihm geschafft. Wir dürfen ihn einen erfolgreichen Menschen nennen.

Interessiert mich. Mich haben schon immer die Besten interessiert. Wollte immer wissen: Weshalb die? Warum nicht ich? Also fragt man und hört zu.

  • Herr Ducasse, Sie besitzen Restaurants, Bistros und Hotels auf der ganzen Welt, betreiben zwei Kochschulen, schreiben und verlegen Bücher. Wie schaffen Sie das alles?
  • Anwort: Man muss mehr arbeiten, schneller arbeiten und besser arbeiten. Strenge, Disziplin, Anspruch!
  • Klingt irgendwie deutsch.
  • Da ist etwas dran. Ihr Deutschen arbeitet mehr... Die Franzosen arbeiten nicht, sie reden. Sie beklagen sich und fordern Leistungen vom Staat. Nach dem Motto: Ich schulde dem Staat nichts, aber der Staat schuldet mir alles.

Ei gucke da: So denken die Franzosen? Da lehnt man sich als Deutscher doch zufrieden zurück und wischt sich demonstrativ dabei den nicht vorhandenen Schweiß von der Stirn. Ich dachte immer, wir hätten die höchsten Sozial-Ausgaben weltweit. Aber weiter und für mich viel interessanter:

  • Wie kam es, dass Sie Unternehmer wurden?
  • Ich hatte einen schlimmen Unfall. 1984 war das.
  • Sie meinen den Flugzeugabsturz, den Sie als einziger überlebt hatten. Sie waren 28 Jahre alt und gerade vom Michelin mit zwei Sternen ausgezeichnet worden.
  • Ja genau. Ich wurde schwer verletzt, an den Beinen, am Rücken, an den Augen. Mehrere Operationen. Aber ich wollte meinen Zustand nicht akzeptieren, wollte binnen zwei Wochen wieder fit sein. Am Ende hat es drei Jahre gedauert. Ich habe jetzt noch Schmerzen in den Beinen und Beschwerden beim Gehen, aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich habe die ganze Zeit weiter gearbeitet, auch vom Krankenbett aus.

Erneut: Ei gucke da. Scheint öfter vorzukommen. Präzise mein eigenes Schicksal. Wissen Sie, wie "Die neue Diät" entstanden ist? Im Korsett, 24 Stunden nur auf dem Rücken liegend, mit stärksten Schmerzmitteln, gelähmten Stimmbändern (kein Sprechen möglich, angeblich ab jetzt zeitlebens...) wurde das Manuskript mit kaum verständlichem Gezischel (kennen Sie die Stimme von Don Corleone?) aufs Band diktiert.

Alain Ducasse ist meinen Herzen nah deshalb, weil ich seinen Aufstieg miterlebt habe. Damals, in Juan les Pins, als er zwei Sterne bekam, war ich sein Dauergast und später in Monaco sowieso. Der Mann kannte - auch auf dem Bauernhof groß geworden - meinen Geschmack: Fleisch muss man mit der Gabel essen können.

Aber dass er seine Ohrfeige vom lieben Gott schon mit 28 bekommen hatte... wusste ich bisher nicht. Ich verneige mich.

Quelle: Zeit-Magazin 21.11.2013, Seite 68

 
 
 

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