Eigenverantwortung gegen Hartz4

29.06.2016
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Ich bin ja bloß Arzt. Provinzarzt. Aber Sachen höre ich… Menschen schreiben mir… bewegt mich sehr. Ein Tag ist interessanter als der andere. Übrigens ein ganz entscheidendes, hochwichtiges Lebensgefühl: Dieses gedrängte und geistig fordernde nach-vorne-Denken.

Niemals zurück! Heute also das mail des Tages über gelebte Eigenverantwortung. Wie mir in den letzten Tagen mehrfach versichert wurde: Das wahrscheinlich wichtigste Ihrer Lebensphilosophie. Na, dann mal los:

    „Ich lese seit 2005 ihre Bücher, damals noch aus der Stadtbibliothek ausgeliehen, da Hartz4 Empfängerin ohne Job mit 2 kleinen Kindern.
    Ich war ein typisches „Opfer“ wie man so schön sagt. Ich habe sehr oft (viel zu oft) anderen Leuten die Schuld für meine Umstände zugeschoben, und eigentlich, wenn ich es recht bedenke, mich in meiner Opferhaltung schon sauwohl gefühlt. Das war wunderbar bequem. Aber auch leidvoll.

    Ihre Bücher haben mich zum Nachdenken gebracht und andere Lebenshilfe-Bücher (Hörbücher) auch. Und nach und nach habe ich Körper und Geist getunt und mich immer mehr zum Macher, denn zum Opfer entwickelt…
    Nun, mehr als 10 Jahre später habe ich schon lange einen sehr gut bezahlten Job, in dem ich mich durch entsprechendes Expertenwissen unersetzbar gemacht habe, erwachsene Kinder, die beide studieren und - das Wichtigste - eine strotzende Gesundheit.

    Mein Tag beginnt in der Früh mit 30 Min. Crosstrainer, anschließend 15 Min. Muskelworkout. Dann duschen, zur Arbeit, Abendschule und um 22.:30 Uhr bin ich wieder zu Hause. Und das Schönste: Es macht mir unglaublichen Spaß wieder einmal gefordert zu sein!

    Und jetzt jammere ich doch ein bisschen: Über unsere Konsumgesellschaft. In der Schule sitzen allesamt Konsumenten. Bequem. Denkfaul. Die kommen in oben genannten Fächern auf mich zu und sagen: Bring mir das bei. Und meinen: Schaufle mir das Wissen ins Hirn. Aber bitte, ohne dass ich mich anstrengen muss.
    Und wenn ich dann sage, hey, denke doch mal selber, sind sie beleidigt. Selber denken ist out. Selber machen auch…

    Die Ärzte müssen für die Gesundheit sorgen, die Fitnesstrainer für die Fitness, die Versicherung dafür, dass …selber denken und Eigenverantwortung ist out…

    Da sage ich zu meinem (echt fetten) Mitschüler: „Hey, gegen deinen hohen Blutdruck guck dir die Bücher von Dr. Strunz an, und guck mal auf die forever-young-webseite“. Und zurückkommt: „Nein, alles gut, mein Arzt hat gesagt, wenn ich die Medikamente so nehme wie jetzt, passt das schon…“

Was auch immer Sie denken, wenn Sie diesen Text lesen: In den letzten Jahren habe ich erkannt, hauptsächlich durch Leserbriefe, dass so ziemlich alle Menschen ähnlich denken. Alle wachen Menschen jedenfalls. Dass man tatsächlich zwei Klassen von Menschen unterscheiden kann:

    Die mit ausreichend Lebensenergie
    Und die anderen

Meine ärztliche Fürsorge gilt „den anderen“. Mein eigentliches, wichtigstes Ziel in der Praxis ist „mehr Lebensenergie“. Dann, wie Sie leicht einsehen, folgt alles andere automatisch. Das Wissen, wie es geht, das Wissen, was wir tun sollten, das haben wir nämlich. Nur der Antrieb, die Motivation, die Energie, der Impuls… der lässt halt oft zu wünschen übrig.

Also noch einmal: Das Ziel ärztlichen Handelns: Mehr Lebensenergie. Haben Sie Medizin schon einmal so gesehen?

 
 
 

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