Ein ganz komischer Mann

23.08.2016
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Es gibt Ärzte, die sich bei mir bedanken. Die, angesteckt durch forever-young, ihr eigenes Leben, damit auch die ärztliche Praxis verändert haben. Jetzt plötzlich – genau wie ich – fast täglich Außerordentliches erleben. Dinge, die der Klinikarzt nie erfahren wird. Und solch ein dankbarer Arzt lässt mich teilhaben an der wundersamen Verwandlung einer Patientin.

    Eines Menschen!

    Eines Mitmenschen!

Eine so spannende Geschichte hab ich selten gelesen. Lassen Sie sich verzaubern:

    „…kurz ein Bericht über eine Patientin von mir, der das Leben in den letzten Jahren übel mitgespielt hat. Scheidung mit dem dazu gehörenden Rosenkrieg um Haus, Hof, Kinder. Tiefes psychisches Loch daraufhin. Mit Antidepressiva und dem ganzen Kram. Es war nicht schön anzuschauen. Dann kam, ein Jahr später, plötzlich ein neuer Partner daher. Ein ganz komischer Mann. Ein Ultramarathonläufer.

    Der hat kurzerhand das Ruder samt Frau rumgerissen und alles verändert. Für die Patientin. Sie fing an, mit ihm zu laufen. Das erste, was fiel, war die schlechte Laune, das zweite die Psychopharmaka. Sie lief und lief immer mehr und immer weiter. Es war wunderbar, diesen Wandel und diese Wesensveränderung mit anzusehen.

    Bis dann letztes Jahr im Dezember der Arbeitgeber der Dame ihre Abteilung wegrationalisiert hat. Der gut bezahlte Job war weg! Sie war Abteilungsleiterin… Wir waren sicher, jetzt kommt wieder das tiefe Loch. Wäre bei den meisten, die ich kenne, so gewesen. Nicht so bei dieser Patientin. Mit einem Lächeln erzählte sie uns, dass sie jetzt endlich Zeit hätte, sich mehr um ihr neues Hobby zu kümmern – das Laufen.

    Vor einer Woche, Ende Juni, besuchte sie mich wieder, mit einem Grinsen und einer Urkunde: Ganz vorne beim Zugspitz Ultratrail Master Women! 7500 Höhenmeter auf insgesamt 100km aufgeteilt.

    Sen-sa-tio-nell, oder? Und – typisch Fraujetzt will sie mehr und weiter! Wo die wohl noch hin will?

Je öfter ich diesen Brief lese, desto mehr staune ich. Über das Leben. Wie einfach das doch sein kann. Über das Laufen. Über den Irrtum, Psychotherapie genannt, bzw. deren Tabletten. Über die neuen Welten, die sich durchs Laufen auftun. Von denen Sie - bitte entschuldigen Sie – wirklich keine Ahnung haben.

Wirklich keine Ahnung. Widersprechen Sie mir bitte erst dann, wenn Sie 100km gelaufen sind.

Solch eine Frau (mit Kindern!) wünsche ich mir zur Bundeskanzlerin. Die würde lächeln.

 
 
 

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