Ein Lernprozess

06.08.2017
 

Gleich zweimal Lob für den SPIEGEL. Muss auch mal sein. Da passiert soeben etwas Elementares. Darauf habe ich 50 Jahre gewartet. Dass ich das noch erleben darf…

Wir wollen nicht übersehen (bei all meiner Spöttelei über dieses Magazin), dass es von hunderttausenden Entscheidungsträgern gelesen wird. Von der Elite.

Und jetzt? Was ist passiert, weshalb gleich zweimal Lob?

  • Einmal für die glänzende Idee, ein sperriges Wort zu übersetzten. Das Wort Klimawandel. Mit Leben zu erfüllen. Farbig auszumalen.
  • Genau das, was eigentlich jeder Arzt zu einer sperrigen Diagnose liefern müsste: Ein plastisches, möglichst nicht gar zu schreckliches Bild.
  • Und dann für die steile Lernkurve. Weg von der Lüge, hin zur Wahrheit. Erstaunlich, was die Trump-Wahl in den USA weltweit bewirkt hat bei den Medien.
  • Da hatte man es ja offensichtlich mit der Lüge übertrieben. Vorher. Tut´s übrigens immer noch. Jetzt nachher, wird aber vorsichtiger. Soeben erfahre ich, dass Fake-News strafbar werden im Internet. Gut so.

Aber zitieren wir ihn doch einmal, den SPIEGEL:

    „…muss man sich daran erinnern, was Klimawandel für die Menschheit bedeutet. Was hinter der oft so abstrakten Debatte um Temperaturkurven, Emissionen und Reduktionsziele steht. Klimawandel bedeutet, dass Millionen Menschen zu verhungern drohen, weil in manchen Regionen der Erde der Regen ausbleibt. Er bedeutet, dass der Meeresspiegel steigt, Inseln und Küsten überflutet werden. Klimawandel bedeutet schmelzendes Eis, stärkere Stürme, Hitzewellen, Wasserknappheit und tödliche Seuchen. All das führt zu Konflikten um knapp werdende Ressourcen, zu Flucht und Migration.“

Wirklich gut und plastisch beschrieben. Kompliment. So bringt man Begriffe näher. Aber dann…haben Sie es mitbekommen?

Die Klimakatastrophe war meines Wissens bisher der Untergang der Menschheit. Wenn schon nicht alle, dann doch Hunderte von Millionen (Moment, hab ich immer gedacht, wir sind doch über sieben Milliarden) also Hunderte von Millionen von uns würden sterben müssen.

  • Und die Eiskappen an den Polen würden abschmelzen, der Meeresspiegel steigen, ganze Länder unter Wasser setzten. Ganze Länder!

Und was meint der Spiegel heute? Da klingt das plötzlich ganz anders:

  • Da sterben Menschen nicht, sondern drohen (kleiner Unterschied) Menschen zu verhungern. Auch nicht Hunderte von Millionen, schon gar nicht Milliarden. Nur einige Millionen.
  • Was ist daran besonderes? Die verhungern derzeit. In jedem Jahr. Man muss uns doch nicht mit Klimawandel drohen.
  • Der Meeresspiegel steigt und Inseln und Küsten werden überflutet. Mit Inseln sind wohl Kleinstinseln und nicht Grönland gemeint. Und Küstengebiete sind oft genug (Holland) überflutet worden. Wo ist hier das Besondere? Jedenfalls werden auf einmal keine ganzen Länder unter Wasser gesetzt.
  • Und dann „Schmelzendes Eis“: Das gibt’s heute schon. Stärkere Stürme, Hitzewellen, Wasserknappheit und tödliche Seuchen: Das alles gibt es heute schon. Da muss ich nicht auf die nächsten hundert Jahre warten.
  • Und dass es zu Flucht und Migration kommt, ist doch wohl Alltag. Geschieht doch heute. Und zwar ohne Klimakatastrophe.

Fazit: Kompliment. Kompliment an den SPIEGEL, dass er sich zurück nimmt. Vom kontraproduktiven Katastrophengeschrei zurück zu einer vernünftigen Sprache. Dieses Phänomen beobachte ich zunehmend.

Und ich weiß genau, wem wir dafür zu danken haben.

So etwas wünsche ich mir in der Medizin. Dieses „zurück zur Vernunft“. Beispiel? Zitat: „Entweder Sie nehmen Ihr Statin, oder Sie landen morgen halbseitengelähmt im Rollstuhl.“

 
 

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