Eiweiß macht Diabetes?

21.10.2015
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Erbittert bekämpft ein gewisser Dr. Jacob, Veganer, Leiter eines Institutes, die Ansichten von Dr. Coy oder Professor Kämmerer: Ketogene Kost würde Krebskranken helfen.

Er meint: Im Gegenteil.

Weil nämlich, so Dr. Jacob, Eiweiß ja sogar Diabetes erzeugen würde. Also die Zuckerkrankheit. Dieser Zucker ja Krebszellen ernähren würde. Damit würden sich die Anhänger der ketogenen Kost (Eiweiß und Fett) ja selbst ins Bein schießen. Klingt gut. Er findet als Beweis zwei wissenschaftliche Arbeiten. Die eine, dass rotes Fleisch angeblich Diabetes mache, hatten wir gestern besprochen. In der Arbeit finden Sie nirgendwo die Behauptung, dass Eiweiß Diabetes erzeuge. Es sei viel eher das Eisen im roten Fleisch. Was auch immer man davon denkt…

Die zweite Studie heißt EPIC. Auch die würde beweisen, dass Eiweiß Diabetes erzeuge. Weil die Beweisführung so hochelegant, so modern, so hochpolitisch ist (erinnern Sie sich an die Griechenland-Rettung?), einfach einmal Punkt für Punkt. Die Studie gelesen. Ich meine: Wirklich gelesen:

  • Nur tierisches Eiweiß mache Diabetes, nicht etwa pflanzliches.
  • Seltsam. Jeder Biochemiker wird Ihnen erklären, dass tierisches wie pflanzliches Eiweiß aus den gleichen Aminosäuren besteht. Nur ein bisschen anders verteilt. Isst man also genug von dem einen oder andern, hat man jedenfalls jede Aminosäure genügend im Blut. Deswegen widerlegt sich die Behauptung unter Punkt eins von selbst.
  • Weshalb die das dennoch behaupten können? Muss man halt nachlesen: Pflanzliches Eiweiß heißt in dieser Studie 33g täglich, tierisches Eiweiß heißt 62g. Oh! Offenbar reine Mengenfrage? Oder?
  • Weiter geht’s: Es wird immer komischer: Die Behauptung, dass Eiweiß Diabetes erzeugt, gilt nur für schlanke Leute. Nicht für dicke. Ausdrücklich nicht für dicke.
  • Wo doch gerade Übergewichtige zum Diabetes neigen. Besonders empfindlich sein müssten für diesen Effekt. Sind sie aber gerade nicht. Bei Dicken mache Eiweiß keinen Diabetes….Unglaublich.
  • Und zu den dünnen gibt es ganz am Schluss einen kleinen zaghaften Kommentar: Weil nur „relativ wenige“ dünne Teilnehmer an der Studie teilgenommen hatten, könnte das alles auch Zufall sein.

 

Früher hätte ich mich jetzt geärgert. Heute lache ich einfach laut. Immer das Gleiche: Kaum liest man diese schon von der Idee her völlig schwachsinnigen Studien, findet man, dass die Autoren – durchaus vernünftige Leute – den Schwachsinn sehr wohl selbst erkannt haben. Aber halt eine Arbeit verfassen mussten. Versteh ich ja.

Diabetes Care 33: 43-48, 2010

PS: Sagen Sie mal: Weshalb scheine ich in Deutschland der einzige Arzt zu sein, der über solchen Unfug redet? Der nicht einfach glaubt? Charakterfehler?

 
 
 

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