Endorphine: Sport macht glücklich

25.11.2013
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Nicht nur, weil Sie beim Joggen im Wald Ihre Gene glücklich machen, nicht nur, weil Sie endlich einmal an die frische Luft kommen, nicht nur, weil Sie vielleicht erstmals wieder (seit der Kindheit) Ihren Körper spüren und mehr Selbstvertrauen bekommen, sondern auch, weil Sport Ihr Hormonsystem entscheidend beeinflusst.

Sollte der Arzt seinen übergewichtigen Patienten vielleicht ein kleines bisschen erläutern. Liebevoll. Das übliche, mürrische: "Treiben Sie mehr Sport" scheint nicht besonders gut zu wirken. Vielleicht liegt es am eigenen Beispiel. Wenn der Arzt selbst jeden Morgen beim Joggen Glück erfährt, kann er die Message möglicherweise überzeugender weitergeben.

Glück? Ja freilich.

Längst gemessen und bewiesen, dass unter Belastung von den Hirnzellen Beta-Endorphine, bekannt als endogene Opioide, produziert und ins Blut abgegeben werden. Nicht bei jedem Jogger! Außerdem hängt die Höhe der Sekretion von der Belastungsintensität ab.

So richtig deutlich wird die Endorphinproduktion leider erst an der kritischen Laktatschwelle von (ganz grob) 4 mmol/l. Dabei gibt es die Empfindlichen und die Resistenten. Es gibt also Menschen, die unter körperlicher Anstrengung sehr bald Endorphine ausschütten und solche, deren Spiegel erst nach Ende der Belastung ansteigt.

Na und? Man kann auch nach dem Joggen, unter der Dusche fröhliche Lieder singen.

Die Erforschung dieser körpereigenen Opioide verdanken wir zum großen Teil auch der Arbeitsgruppe Hollmann. Opioide werden heute als Tablette auch bei Rheumapatienten, bei Arthrosepatienten (also bei Ihnen) eingesetzt. Wussten Sie das? Die nehmen in niedriger Dosis nicht nur den Schmerz, sondern machen ein bisschen euphorisch. Durchaus erwünscht. Solch eine Tablette heißt beispielsweise Tramadol.

Denn diese körpereigenen Endorphine beeinflussen in starkem Maß die Schmerzempfindlichkeit. Genau deshalb halten Extremsportler auch Läufe über 160 km durch. Trotz der grauslichen Muskelschmerzen. Interessant und typisch für Wissenschaftler:

Man kann diesen Effekt der Opioide mit Naloxon, einem Opiat-Antagonisten blockieren. Dann fällt etwas Merkwürdiges auf: Die Versuchspersonen halten dann nicht nur weniger Schmerzen aus, sondern werden durchwegs wütend und aggressiv. Daraus folgt, dass die glücklich machende, euphorisierende Komponente des Sports wesentlich auf der Ausschüttung von Endorphinen beruht.

Für uns bleibt: Ruhiges Glück erlebt jeder Jogger. Auch in langsamen Tempo. Dank Serotonin. Aber das wilde, rauschartige Überschäumen bedarf ein bisschen größerer Anstrengung. Sehen Sie: Drum möchte jeder, der einmal einen Wettkampf gelaufen ist (10 km, Marathon) unbedingt wieder Wettkämpfe...erleiden. Weil er von diesem rauschhaften Glück gekostet hat. Endorphine!

 
 
 

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