Er kann's nicht lassen

15.01.2017
 

Da gibt es einen jungen, dynamischen, hochintelligenten Forscher vormals in Jena, jetzt an der ETH Zürich. Professor M. Ristow, Professor für Energiestoffwechsel. Über den ich schon 2009 drei Mal berichtet hatte. Sein Lieblingsthema sind freie Radikale. Und da hat er so ganz, ganz andere Ansichten. Interessant! Das führt dann zu Aussagen wie:

  • „Wir sind alle damit groß geworden, zu hören, dass Obst und Gemüse so gesund sind, weil sie Vitamin C und Antioxidantien enthalten. Das halte ich für Unsinn“.
  • „Zugespitzt würde ich sogar sagen: Obst und Gemüse sind gesund, obwohl sie Antioxidantien enthalten“.
  • „Es ist nämlich so gut wie unmöglich, mit Vitaminen unterversorgt zu sein. Auch weltweit betrachtet gibt es nur sehr wenige Regionen, wo dies heutzutage noch ein Problem darstellt“.

Auweia. Da muss sich das Robert-Koch-Institut in Berlin ganz schnell wegducken. Oder Professor Wiestler vom GKFZ Heidelberg mit seiner Aussage über Vitamin D und Krebs. Und Sie alle, liebe Leserinnen und Leser, die durch schlichte Einnahme von NEM Ihre Lebensqualität dramatisch steigern konnten, oft genug Krankheiten wie Asthma oder Neurodermitis oder Ekzem oder auch Krebs (Vitamin C-Infusion) weggeblasen haben. Folgerichtig noch einmal Professor Ristow:

  • „Ich würde dringend davon abraten, antioxidative Supplemente einzunehmen. Nach der bestehenden Datenlage ist das bestenfalls sinnlos, im Zweifelsfall sogar schädlich.“

Tja. Da sollte er einmal „Geheimnisse der Gesundheit“ in die Hand nehmen.  Eine Sammlung wissenschaftlicher Beweise zum Gegenteil.

Professor Ristow war mir 2009 einmal grell aufgefallen. Erinnern Sie sich? Er hatte damals gezeigt, dass Vitamin C und Vitamin E-Kapseln bei Sportlern schlecht seien. Die günstige Wirkung gegen die Zuckerkrankheit beim Sportler aufheben würden. Und kam dann in Teufelsküche, als ihm auffiel, dass ja auch in Obst und Gemüse Vitamin C und Vitamin E enthalten seien. Aber lesen Sie doch noch einmal diese wunderschöne Story:

Derzeit gewaltiges Mediengetöse. Neue Studie von Prof. Ristow: Vitamine  (Vit C, Vit E als NEM) würden gesundheitsfördernden Effekt von Sport verhindern. Weil diese Vitamine (von ihm per Muskelbiopsie nachgewiesen) freie Radikale wegfangen. Und die freien Radikale beim Sportler gesundheitsfördernd wirken würden. Ei gucke da!

Wenn er da mal nicht die Büchse der Pandora geöffnet hat: Die gleichen Vitamine, welche freie Radikale wegfangen, sind natürlich in Obst enthalten. Also müsste er folgerichtig jedem Sportler Obst verbieten.

Dumm aber auch.

Prof. Ristow ist das natürlich aufgefallen. Und er schreibt in seiner Originalarbeit darüber. Selten habe ich mich so amüsiert. Über diesen Eiertanz. Über dieses der Wahrheit ausweichen. Kein Politiker könnte es besser. Genießen Sie doch einmal mit:

Es ging, wenn Sie sich erinnern, in der aufregenden Studie an Sportlern schlussendlich um die Insulinresistenz. Also tatsächlich um den Diabetes Typ II. Den der Sport verhindern soll. Verhindern soll komischerweise durch Bildung von sonst ja schädlichen freien Radikalen. Und tatsächlich zitiert Prof. Ristow die eine große, zusammenfassende Metaanalyse (Hamer und Chida) zu diesem Thema, in welcher laut Ristow (genau in seinem Sinne) geschrieben stünde (behauptet er):

                        Obst verhindert die Zuckerkrankheit
                        Vitamine können das nicht

Noch einmal: Dort stünde: Obst verhindert Diabetes. Passt ja nun gar nicht zu seiner eigenen neuen Studie. Die sagt ja das Gegenteil (Vitamine machen Diabetes!). Drum formuliert Prof. Ristow „Obst verhindert Diabetes trotz der enthaltenen Vitamine, wahrscheinlich durch andere bioaktive Substanzen“. So etwas nenne ich Eiertanz. Aber es kommt noch besser. Manche von uns können ja lesen. Die holen sich diese berühmte zusammenfassende Studie von Hamer und Chida und lesen nach. Und was steht dort in Wahrheit?

                        Obst hat keinen Einfluss auf die Zuckerkrankheit (167.128 Teilnehmer)
                        Vitamine verhindern signifikant die Zuckerkrankheit (139.793 Teilnehmer)

Hier steht also genau das Gegenteil von dem, was Prof. Ristow gerade gelesen haben will. Das Gegenteil. Schriftlich. Nachprüfbar. Mir bleibt da einfach die Spucke weg...

…und damit ist seine Studie gestorben. Wie rettet sich ein Wissenschaftler? Indem er die größte Studie zum Thema (Hamer und Chida) einfach auf den Kopf stellt. Sich „verliest“. Einfach etwas Falsches behauptet. S´wird schon keiner nachprüfen…

Liebe Leser, trösten Sie sich. Was Sie da eben demonstriert bekommen haben, ist gängig geworden in der Wissenschaft. Über den verzweifelten Abwehrkampf der Pharmaindustrie gegen Vitamine – mit allen Mitteln – haben Sie in diesen News genug gelesen.

 

Lit: Ristow (2009): PNAS online
      Hamer und Chida (2007): J Hypertens 25:2361

 
 

News Schlagwörter