Ernährung: Ende das Aberglaubens.

11.07.2014
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Wenn wir unsere Deutsche Gesellschaft für Ernährung kritisieren, die DGE, die ja nun eindeutig die deutsche Bevölkerung fett, dick und krank gemacht hat mit ihren Ernährungsgrundsätzen, dann wollen wir bitte nicht übersehen, dass die DGE auch nur abgeschrieben hat. Von ihren amerikanischen Kollegen.

Und damit ist es jetzt endgültig vorbei.

In der TIME wurden soeben auf sechs Seiten endgültig und abschließend die neuesten Studien und Metastudien aufbereitet. Mit großer Mühe. Dabei geht es um die Ernährungsirrtümer der letzten 40 Jahre.

In den letzten 40 Jahren haben die großen Ernährungsinstitutionen in den zivilisierten Ländern, besonders USA und Deutschland, Unfug erzählt. Leider. Folgenschweren Unfug. Hier ging es ja nicht um ein neues Paar Schuhe, sondern um Krankheit, Leid und Tod der Gesamtbevölkerung. In der TIME wird festgestellt:

Obwohl die Amerikaner seit 40 Jahren deutlich weniger Butter, Eier, Käse und rotes Fleisch verzehren, sind sie heute kränker als vor 40 Jahren. Herzkrankheiten sind noch immer der Hauptkiller, Typ-II-Diabetes hat um 166 % zugenommen.

Hintergrund war die falsche Fett-Phobie. Die Verteufelung von Fett. Die Primitiv-Annahme: Fett macht fett. Und jetzt?

Statt Fett verschlangen die Leute in den letzten Jahrzehnten viel mehr Kohlehydrate und setzten einen mörderischen Kreislauf in Gang. Mehl- und Maisprodukte jagen das Insulin hoch, welches Fett nicht in Energie umwandelt, sondern sofort in die Zellspeicher abtransportiert.

Nicht Fett also, sondern Kohlenhydrate machen fett. Darf man also Fett essen? Viel mehr?

Es kommt aufs Fett an. Einfach (Olivenöl) und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Leinsamen, Lachs), bestätigt eine Studie von 2013, reduzieren in der Tat deutlich das Risiko von Herzkrankheiten. Nur: Auch gesättigtes Fett verliert plötzlich seinen schlechten Ruf. Jedenfalls biete Milchfett (die gute Butter!) besseren Schutz als Fleischfett.

Insgesamt beweist eine große Metastudie von 2010: Es gibt keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und gesättigten Fettsäuren.

Wohl verstanden: Pflanzliche Öle, Omega 3 reduzieren Herzkrankheiten, Fleischfett, Milchfett wird heute als neutral bewertet. Ist also vergleichsweise schlechter, aber eben nicht so schlecht, wie man es bisher gemacht hat.

Hintergrund: Fett wurde erst durch Kohlehydrate „geschärft“. Die TIME bringt uns, bringt die USA mit dieser Titelstory auf den neuesten Stand. Und natürlich hat auch Frau Gahl, die Sprecherin der DGE, den Artikel so wie ich vorab zu lesen bekommen. Das dürfte der Grund gewesen sein, warum ihr in diesem peinlichen Spiegel-Interview (News 18.07.14) kürzlich plötzlich die Wahrheit herausgerutscht ist: Entgegen allem, was Frau Gahl und die DGE bisher behauptet hat, heißt es jetzt plötzlich: Deutschland wird immer dicker wegen zu viel Kohlenhydraten ...

Ich werde in den nächsten Monaten nicht müde werden, immer wieder festzuhalten: Bisher meinte die gleiche Gesellschaft, die Deutschen müssten mehr Kohlehydrate zu sich nehmen, um gesund zu werden. Aber gegen die TIME kommen sie plötzlich nicht mehr an, die Herren und Damen unserer geschätzten DGE.

Aufgefallen? Kein Wort von Eiweiß. Das braucht noch ein paar Jährchen.

Quelle: Zeit 26/2014, 18.06.14, Seite 10. Übrigens von IHM selbst: Josef Joffe

 
 
 

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