Erschüttert

22.09.2019 | Strunz
 

schreibt mir ein Arzt. Ein Kollege. Der seine eigenen Kollegen, also Ärzte, offenbar nicht mehr versteht.

Also – ich versteh das. Ich kenne mich da aus. Wie gut, erfahren Sie ganz am Schluss. Zunächst der Brief:


„Der Anlass: Selbstmordversuch einer Angehörigen.
Diagnose: Depression. Ein Jahr Ritt in das Verderben! Zunächst Verlust der Arbeitsfähigkeit, dann in Kur, und über die Psychoanalyse systematische Aufwühlung aller Kindheitstraumen und Austestung des Psychopharmaka- Kataloges beständig schwächer werdendes Selbstwertgefühl. Nur wenn es ihr selbst gelang zu laufen, Eiweißdrinks zu nehmen und sie regelmäßig Magnesium nahm deutliche Besserung bis zur nächsten Therapiesitzung.

Als dann die letzten positiven Erinnerungen an ihre Kindheit ausgelöscht waren; und die Gesellschaft und die Ärzte glaubten, dass man einen solchen Menschen mit 45 min pro Woche !! Therapie schon wieder hinbekommt; dann ist es passiert!

Jetzt weiß ich, was es heißt zu wissen und doch nichts tun zu können.
Bravo Deutschland! Fortbildungspflicht für alle Ärzte! Es würde schon reichen, Ihre aktuellen Kommentare zu lesen und welcher Ruck könnte durch unser Land gehen, welches Leid vermieden werden!“


Ich versteh das. Spricht zu mir ein Chefarzt für Neurochirurgie am 5. Tag nach meinem Unfall mit Wirbelbrüchen: „Visite halte ich hier nur pro forma. Sie sind für mich kein Operationsfall“. Und sieben qualvollste Wochen später stellt sich heraus, dass ein Wirbel unwiderruflich völlig zerstört war, das Rückenmark frei lag und ganz unbedingt hätte operiert werden müssen.

Na und? Mir ist die schulmedizinische Welt wohlvertraut.

 
 

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