Es ändert sich nichts

15.07.2014
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Wenn Sie, liebe Leser, mir nicht täglich schreiben würden, hätte ich meine Praxis längst geschlossen. Das meine ich ernst. Wenn ich nicht Ihre positiven Rückmeldungen hätte, hätte ich längst am Zustand meiner Mitmenschen, der Menschheit verzweifelt.

Andere sind gerade dabei. Auf diesem Weg in die Verzweiflung. So ein Heilpraktiker, der mir vom diesjährigen deutschen Krebskongress in Berlin berichtet. The State of the Art. Was gilt heute. Was ist das Neueste. Thema war

Ernährung bei Krebs

Falls Sie schon Kaffee getrunken haben, dürfen Sie jetzt weiterlesen. Sonst lassen Sie’s lieber. Ich schreib einfach wörtlich ab:

Was für ein schönes Thema!

Morgens um 8 Uhr (und wider meinen Erwartungen) war es dort brechend voll. Mich hat es gewundert, aber auch gefreut. Schnell erkannte ich, dass es sich beim Auditorium gar nicht um Ärzte, sondern um Pflegepersonal handelte. Wissen Sie woran ich das erkannte? Kein Scherz! Weil diese Menschen durch die Bank extrem übergewichtig waren! Kommt wahrscheinlich von der täglichen guten Kost im Krankenhaus.

Es gibt zwar auch viele übergewichtige Ärzte, aber der Anteil der adipösen Krankenschwestern und Pflegern ist wirklich auffallend.

Aber diese Leute waren tatsächlich auch „wissenshungrig“.

Es begann Prof. Arends aus Freiburg. Er wandte sich explizit an das Pflegepersonal und meinte, die würden schließlich Bescheid wissen müssen, was denn richtig und falsch sei, da sie ja meist viel eher gefragt würden als der Arzt. (Wie Recht er doch hat!)

Tja und dann „klärte er erst mal auf“. Antioxidantien, Vitamine und Spurenelemente zu geben sei generell nicht empfehlenswert.

Beim Selen habe man ja schon gesehen, dass man damit mehr schaden als nützen könne. Und dann kramte er – zack- mal wieder die gute alte SELECT-Studie aus dem Hut…(siehe News 27.04.2013, Strunz.com)

Ich kochte vor Wut, zumal ich sah, dass die gutgläubigen Krankenschwestern alles genau mitschrieben. Das werden sie zu Hause jetzt erst einmal an die Kollegen weiter geben…

Dass man irgendwas labortechnisch messen kann, hat der gute Prof. Arends offensichtlich noch nie gehört.

Und so ging es weiter und weiter. Vitamin C – nein, bringt natürlich nichts. (Logisch, wenn man die Studien zitiert, in denen 500 mg/d gegeben wurden). Vitamin D – fand nicht mal Erwähnung… und, und, und

Und wissen Sie was, lieber Dr. Strunz, er glaubte wirklich das, was er erzählte. Er hat es einfach nicht besser gewusst!

Die Krönung war dann aber der Vortrag von Prof. Löser zum Thema Krebsdiäten. Er warf erst einmal alles, ohne irgendwie zu differenzieren, in einen Topf. „Alles Mist“ war sein Fazit: Gefährlich, unwirksam, teuer!

Dann aber kam der Name Coy ins Spiel. Jetzt wird er doch mal was Vernünftiges dazu sagen, dachte ich mir:

TKTL1, der spezielle Stoffwechsel von Krebszellen, ketogene Ernährung. Da gibt es doch so viel Neues zu berichten.

Und dann kam´s: völliger Unsinn, nichts bewiesen, davon wird man erst richtig krank, verantwortungslos etc. Fazit - O-Ton Prof. Löser: „Es ist unsere Pflicht als Ärzte, unsere Patienten vor dieser Diät zu schützen!“

Es war einfach nur eines: entmutigend!

In meiner Praxis wird viel gelacht. Wissen ja manche von Ihnen. Besonders wenn Sie einen technischen Beruf haben, besonders, wenn Sie Dipl. Ing. sind. Dann bedauere ich Sie für Ihre Fähigkeit, zu denken. Für Ihren  - dank Ausbildung – klaren, analytischen Verstand. Und lächelnd einigen wir uns dann darüber, dass das Leben möglicherweise sehr viel leichter wäre, wenn man diese Fähigkeiten nicht hätte. Wenn man ein bisschen geistig vor sich hindöselt. Alles gar nicht so klar mitbekommt.

Ich glaube, dann lebt man zufriedener. Dann nimmt man Krebs eben so hin. So wie das Wetter oder die Jahreszeiten. Ist halt so... so gesehen beneide ich Professor Arends und Professor Löser. Aufgehoben im resignativen Gebäude der Schulmedizin.

 
 
 

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